Räumungsverkauf bei Boecker angelaufen

Thomas Borowski
Das Boecker-Haus an der Bahnhofstraße schließt. Der Räumungsverkauf läuft seit Donnerstag auf Hochtouren und lockt mit Preisnachlässen.Foto: Michael Korte / WAZ FotoPool
Das Boecker-Haus an der Bahnhofstraße schließt. Der Räumungsverkauf läuft seit Donnerstag auf Hochtouren und lockt mit Preisnachlässen.Foto: Michael Korte / WAZ FotoPool

Witten.  Dichtes Gedränge im Modehaus Boecker: Das Traditionshaus lockt mit 20 Prozent Nachlass auf alles - der Räumungsverkauf ist angelaufen.

„Nach 103 Jahren müssen wir leider schließen“, bedauert der geschäftsführende Gesellschafter Jörg Witt (61). „Die Entscheidung hat rein wirtschaftliche Gründe. Die Handelsstruktur ändert sich, der Trend geht zur Größe und der Standort entscheidet.“

Betroffen von diesem Schritt sind zehn Mitarbeiter, die zum Großteil seit langen Jahren bei Boecker beschäftigt sind. „Natürlich fällt es schwer, sich voneinander zu trennen“, gibt Boecker-Chef Jörg Witt zu. Endgültig geschlossen werden die Geschäftsräume, wenn alle Ware verkauft sei. Angesetzt ist der Räumungsverkauf vorerst bis zum 20. Februar.

„Das bricht jetzt auseinander“

„So einen Räumungsverkauf erlebe ich zum ersten Mal“, gesteht Verkäuferin Inge Minkau (60). „Die Situation ist für uns alle nicht schön. Am härtesten trifft es jüngere Kolleginnen und Kollegen. Eigentlich treffen wir uns auch privat regelmäßig. Aber das bricht jetzt sicher auseinander“, fürchtet sie.

Sie selbst war 14, als sie 1967 bei Boecker auf der Bahnhofstraße anfing. „Nach der Geburt meines Kindes zog ich mich zurück, aber kehrte wenig später wieder ins Geschäft zurück. Wir alle hier sind sehr lange bei Boecker beschäftigt“, berichtet sie.

Bereits 2009 machte Sinn Leffers dicht, später folgten Engbers und Rosenberg. Die traditionellen Modefachgeschäfte sterben aus, dafür machen sich Textilketten und kleinere Läden mit Exklusivmarken breit. „Da können sich nur Häuser an außerordentlich gut frequentierten Standorten halten“, erläutert Boecker-Chef Jörg Witt die Lage.

Viele Kunden bedauern das Aus und sehen darin auch einen Verlust für die Wittener Innenstadt. „Dann haben wir fast nichts mehr in der Art“, meint eine Dame. Und eine andere Kundin bedauert: „Wir haben immer sehr gerne hier eingekauft. Es ist schade, dass dieses Haus schließt.“

Begründet wurde das Modehaus einst von Gregor und Emilie Boecker, die 1910 an der Bahnhofstraße eröffneten. Ein Bruder machte sich später mit Geschäften in Bochum und an anderen Standorten selbstständig, anfangs mit Pelzen, später mit Damen- und Herrenmoden. Auch diese Geschäfte sind großteils längst geschlossen.

„Die wirtschaftliche Lage zwingt uns zur Schließung. So haben wir es selbst in der Hand, bevor andernfalls irgendwann die Insolvenz drohen würde“, macht Jörg Witt klar. Auch er persönlich weiß noch nicht, was kommen wird. „Erst einmal wickele ich den Räumungsverkauf und die Schließung ab, dann sehe ich weiter“, meint er zurückhaltend. Für die Wittener City jedenfalls bedeutet die Schließung des beliebten Traditionshauses einen herben Verlust.