„Räder stehen hier wochenlang“

Eng wird es für Besucher des Bahnhofs, wenn sie zwischen Taxen und parkenden Rädern (rechts) durchwollen. Links müssen sich die Passanten vor anfahrenden Autos in Acht nehmen. Kommen dann noch wildparkende Radler hinzu, ist das Chaos pefekt. Foto: Michael Korte / WAZ FotoPool
Eng wird es für Besucher des Bahnhofs, wenn sie zwischen Taxen und parkenden Rädern (rechts) durchwollen. Links müssen sich die Passanten vor anfahrenden Autos in Acht nehmen. Kommen dann noch wildparkende Radler hinzu, ist das Chaos pefekt. Foto: Michael Korte / WAZ FotoPool

Witten.. Mit dem Drahtesel zum Hauptbahnhof radeln und von dort auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen. Viele Leute nutzen diese praktische Möglichkeit, wie zahlreiche vor dem Bahnhof oder in der Radstation geparkte Räder zeigen. Doch wie so oft im Leben, ist des einen Freud’ auch hier des anderen Leid.

„Mir gefällt das Konzept der Radstation. Da weiß ich meinen Drahtesel sicher“, meint Robin Siegel, der dort gerade sein Rad zur Aufbewahrung abgegeben hat. Hundert Euro kostet ihn das pro Jahr. Der 29-Jährige wohnt in Münster, kommt aber für zwei bis drei Tage pro Woche als Mitarbeiter der Uni Witten/Herdecke hierher. Den Weg zwischen Bahnhof und Arbeitsplatz legt er dann per Drahtesel zurück.

„In Münster wurden mir schon einige Fahrräder gestohlen. Obwohl mir das in Witten noch nicht passiert ist, würde ich meinen Drahtesel nie für mehrere Tage draußen vor dem Bahnhof abstellen“, meint Siegel.

Andere scheinen sich dort durchaus auf der sicheren Seite zu fühlen: „Manche Fahrräder stehen wochenlang vor dem Hauptbahnhof“, hat Rainer Strutz beobachtet. Er ist im Reinigungsservice tätig und für die Sauberkeit in der Bahnhofshalle und auf Teilen des Vorplatzes verantwortlich. Und auf viele parkende Radler und Motorroller ist er nicht gut zu sprechen: „In den letzten Wochen ist das hier wie Wildwest“, meint der 65-Jährige verstimmt. So würden die Radler ihre Drahtesel nicht nur an den vorgesehenen Haltebügeln längs der Bahnhofsfassade festmachen, sondern beispielsweise auch an den Pfählen für das Taxi- oder das Bahnhofsschild. Und damit, so erzählt Strutz, ständen sie nicht nur seiner Reinigungsmaschine, sondern auch den Fußgängern im Weg, die teils mit Koffern zum oder vom Bahnhof kommen.

120 Stellplätze in Radstation

Und durch die davor wartenden Taxen sei die Situation noch beengter. Deren Fahrer sind ebenfalls nicht nur gut auf Radler zu sprechen. „Einer hat kürzlich beim Rausfahren meinen Wagen gestreift. Als ich ihn darauf hinwies, hat er nur verächtlich mit den Achseln gezuckt“, erzählt ein Taxifahrer.

Zu den Wildparkern zählt auch eine junge Frau, die am frühen Donnerstagnachmittag ihren Drahtesel vom Schild mit der Historie des Hauptbahnhofs loskettet. „Als ich heute Vormittag hier ankam und mit der Bahn weiter wollte, hatte ich es einfach eilig. Und zumindest auf den ersten Blick schienen mir alle offiziellen Stellplätze für Fahrräder belegt“, erzählt die Zurückkehrende. Tatsächlich stehen auch am frühen Nachmittag die Drahtesel an den rund 20 beidseitig benutzbaren Befestigungsbügeln vor der Bahnhofsfront dicht gedrängt.

Auch Ralf Holldorb, Mitarbeiter der Radstation im Hauptbahnhof, kann sich über Nachfrage nach Stellplätzen nicht beklagen. Rund 120 könne die Radstation in ihren Räumlichkeiten anbieten. „Zweidrittel davon sind in der Regel belegt“, schätzt der 46-Jährige. Und auch die zwölf Radboxen vor der Tür, die früher tageweise und heute monatlich oder jährlich zu mieten seien, wären meistens voll.

Wildparkende Radler vor dem Bahnhof hat auch Holldorb häufiger gesichtet. Doch er meint lachend: „Gegen eine Fahrradstadt wie Münster ist die Situation in Witten harmlos.“

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