Professor gegen neue Gewerbegebiete in Heven und Stockum

Mitglieder der Interessengemeinschaft Heven Ende 2014 beim Protest vor dem Wittener Rathaus gegen ein angedachtes Gewerbegebiet in Heven.Foto: Jürgen Theobald / WAZ FotoPool
Mitglieder der Interessengemeinschaft Heven Ende 2014 beim Protest vor dem Wittener Rathaus gegen ein angedachtes Gewerbegebiet in Heven.Foto: Jürgen Theobald / WAZ FotoPool
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Professor Jürgen Dodt ist dagegen, landwirtschaftliche Nutzflächen in Heven und Stockum in Gewerbegebieten umzuwandeln. Die Argumente des Geografen.

Witten..  Am Rande einer Infoveranstaltung über Gewerbegebiete hat der Vorstandsvorsitzende der Stadtsparkasse, Ulrich Heinemann, gefordert: „Die Flächen in Stockum und Heven müssen entwickelt werden.“ Aus dem Blickwinkel seiner Position mag diese Forderung richtig erscheinen. Differenzierter betrachtet, erweist sie sich freilich als unzutreffend. Warum?

Erstens: Beide Flächen sind Teile eines Regionalen Grünzuges des Regionalverbands Ruhr (RVR). Diese Regionalen Grünzüge sind seit 1966 planungsrechtlich festgeschriebene Vorranggebiete, die wegen ihrer besonderen Bedeutung als stadtklimatische und ökologische Ausgleichsräume, Naherholungsbereiche und Ackerland zu erhalten und zu schützen, darüber hinaus zu sanieren, zu erweitern und zu vernetzen sind. Das heißt: Für Siedlungszwecke, so auch für neue Gewerbegebiete, kommen sie nicht in Betracht.

Zweitens: Zweifellos verfügt Witten derzeit über eine Gewerbeflächen-Reserve, die, wie auch die RVR-Wirtschaftsförderung einräumt, mehr als nur drei Hektar umfasst. Diese Reserve ist nur zu nutzen, wenn Restriktionen wie etwa Altlasten beseitigt werden. Das hat die Stadt bislang zu umgehen versucht und lieber weiter Freiflächen zur gewerblichen Nutzung ausgewiesen.

Diese Tradition wollen Wirtschaft und Politik offenbar fortsetzen, wenn sie darauf hinarbeiten, dass die Freiräume in Heven und Stockum als Gewerbegebiete festgeschrieben und genutzt werden sollen. Ehe aber weiter Freiraum für neue Gewerbegebiete vernichtet wird, sollten die Alt-Gewerbeflächen entwickelt werden.

Rückgriff auf Freiflächen verbietet sich

Drittens: Wenn die Bürgermeisterin unter Verweis auf die Opel-Flächen klagt, „von regionaler Kooperation nicht viel“ verspürt zu haben, dann stellt sich die Frage, woran das liegen könnte. Denkt die Stadt Witten bei ihren Bemühungen um Gewerbegebiete an Kooperation? Und erst recht die RVR-Wirtschaftsförderung? Als Tochterorganisation der „Metropole Ruhr“ müsste sie doch besonders darauf hinwirken, Lösungen für eine akzeptable interkommunale Zusammenarbeit bei der Gewerbegebiets-Entwicklung zu erarbeiten.

Denn insgesamt steht in der Metropole – auch in Wittens Nachbarschaft – ein vielfältiges Angebot aufgegebener industrie-gewerblicher Flächen für Neuansiedlungen zur Verfügung, so dass sich der Rückgriff auf Freiflächen mit besonderer Wertigkeit von selbst verbietet. Jürgen Dodt

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