Prof. Steffensky sprach in Wittener Johanniskirche

Prof. Steffensky am 30. Oktober beim Stadtgespräch in der Wittener Johanniskirche
Prof. Steffensky am 30. Oktober beim Stadtgespräch in der Wittener Johanniskirche
Foto: Tanja Schneider \ FotoPool
Katholiken und Protestanten sprechen laut Prof. Fulbert Steffensky zwei Dialekte einer Sprache. Er kennt sich in beiden Welten aus und will nichts verpanschen.

Der evangelische Talar „ist das unerotischste liturgische Kleidungsstück überhaupt“. Dafür segneten Katholiken „bedenkenlos Autos, Pferde, Wasser, Früchte und alles, was ihnen unter die Füße kommt“. Gewürzt mit vielen Beispielen aus dem prallen Christenleben, aber ohne jede Spur von Spott oder Häme, sprach Prof. Dr. Fulbert Steffensky (80) über das Thema „Katholisch/Protestantisch – zwei Dialekte des Christentums“.

Es ist das Thema seines Lebens. Steffensky, der aus seinem Alterswohnsitz Luzern anreiste und dessen Name 180 Zuhörer in die Johanniskirche zog, ist im Saarland aufgewachsen, gut katholisch. Das Gedenken der Toten beim Mittagstisch, die Anrufung der Heiligen und der 14 Nothelfer gehörten einfach dazu. Als ihn die Mutter einst in die Kirche schickte, den Segen des hl. Blasius einzuholen, zuständig für Halsleiden, protestierte der junge Stropp: „Aber ich habe doch die Mandeln schon raus . . . !“

Steffensky war 13 Jahre Benediktinermönch im Kloster Maria Laach. Dann wechselte er die Konfession, „aber doch nicht meinen Glauben!“, wie er betont, heiratete die evangelische Theologin Dorothee Sölle (gest. 2003), mit der er die „politischen Nachtgebete“ erfand. Steffensky lehrte Erziehungswissenschaften und Religionspädagogik, evangelische natürlich, schrieb Bücher zur christlichen Spiritualität.

Seine zentrale These: Im Grunde sei die Einheit der Christen längst gegeben und das Kirchenvolk seinen Hirten weit voraus, auch durch „zivilen Ungehorsam“ wie beim hier und dort praktizierten gemeinsamen Mahl. „Wirklich getrennt sind Katholiken und Protestanten heute vor allem durch die Trennungserklärungen der Kirchenleitungen, das ist der Skandal“, so Steffensky. Die Einheit der Christen sei indes begründet im gemeinsamen Glauben an Gott in Jesus Christus und in der Sorge für die Armen. Steffensky: „Gott und Brot – mehr Wichtigkeiten gibt es nicht.“

Auf dem Boden der „einen Sprache des lebendigen Gottes“ hätten sich aber „verschiedene Dialekte des christlichen Glaubens“ entwickelt. Er weigere sich, die „inszenatorische Kraft des Katholizismus“ und „das bilderskeptische Charisma des Protestantismus“ gegeneinander auszuspielen. Die Verschiedenheit sei kein Mangel, sondern mache den Reichtum der Kirchen aus, die voneinander lernen sollten.

„Paul-Gerhardt-Lieder sind zum evangelisch werden, aber dafür sind gregorianische Choräle zum katholisch werden“, sagte Steffensky. Er wolle diese unterschiedlichen „Dialekte“ gar nicht missen – „sonst bekommen wir ein Mc-Donald’s-Christentum, wo’s überall gleich schmeckt.“ Die unterschiedlichen Spielarten sollten ruhig fortbestehen, sonst fühlten sich Menschen in ihrer Kirche nicht mehr heimisch. Steffensky: „Ich wünsche mir gar nicht, dass es in einer protestantischen Kirche nach Weihrauch riecht.“

Und der neue Papst? Was er denn von Franziskus halte, wurde Steffensky aus dem Publikum gefragt. Nach kurzer Denkpause: „Er ist mir außerordentlich sympathisch, schade, dass er nicht evangelisch ist.“

 
 

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