Polizei hofft auf Hilfe der Banken

Dreimal haben Trickbetrüger ältere Wittener allein in den letzten Tagen um hohe Bargeldsummen erleichtert. Eine 84-jährige Frau hob auf der Bank ihr gesamtes Erspartes ab - 8000 Euro, in dem Glauben, ihr „Sohn“ benötige das Geld für einen Hauskauf.

Witten.. Immer wieder fällt bei den Berichten der Polizei auf, dass Täter die Dreistheit besitzen, ihre Opfer noch zur Bank zu „schicken“, wo diesem dann hohe Geldsummen abheben. Greift in solchen Fällen eigentlich kein Kassierer oder anderer Mitarbeiter beratend ein, weil er vielleicht misstrauisch wird, wenn ein älterer Stammkunden plötzlich hohe Summen abhebt?

Bei unplausiblen Abhebungen muss Nachfrag erfolgen

Es sei nicht nachvollziehbar, dass älteren Menschen 8000 oder 9000 Euro einfach so mitgeben würden, erklärt Hauptkommissar Guido Meng (43). Er wünscht sich von Beschäftigten der Geldinstitute mehr Sensibilität. „Bei unplausiblen Abhebungen muss eine Nachfrage gestattet sein“, erklärt Meng. „Das schützt doch auch den Kunden.“ Natürlich gehe es nicht um den Rentner, der jeden Monat den gleichen Betrag abhebe. Meng meint hohe vierstellige Summen, die dem Kassierer verdächtig vorkommen müssten. Hier sei es durchaus legitim zu fragen, wofür so viel Geld benötigt werde - um im Zweifelsfall die Polizei zu rufen. Meng: „Es ist leider die absolute Ausnahme, dass wir seitens der Bankinstitute informiert werden.“

Der Sprecher der Polizei fügt hinzu: „Natürlich wollen wir keine Bankgeschäfte verhindern. Es geht nur darum, die Leute davor zu schützen, dass sie auf einen Schlag ihr gesamtes Erspartes verlieren.“ Nach Meinung Mengs ließen es Bankmitarbeiter häufig aus Unbedachtheit an der nötigen Sensibilität fehlen. „Der Kunde will Geld, hat Geld, dann kriegt er es auch.“ Dabei seien Banken eine wichtige Zielgruppe für die Aufklärungsarbeit der Polizei. Meng: „Wir bitten die Mitarbeiter, einfach ein bisschen sensibel zu sein.“ Dank eines aufmerksamen Bankangestellten habe man im Vorjahr in Bochum einen so genannten „Enkeltrick“ vereiteln können.

Oftmals hilft ein Gespräch unter vier Augen

Wittens Sparkassensprecher Peter Nehm (47) betont, dass „unsere Kassierer, Berater und auch Verbände wie der Sparkassen- und Giroverband sensibilisiert sind“. Die Verbände informierten die Institute über die gängigen Betrugsmaschen, auch jenen Enkeltrick. Allerdings, räumt Nehm ein, sei es immer eine „Gratwanderung zwischen Prophylaxe und“ (vom Kunden) „empfundener Neugierde“ - gemeint ist die mögliche Nachfrage nach der Verwendung des Geldes..

Nehm weist darauf hin, dass die meisten Kunden bekannt seien. Wenn die Mitarbeiter ein merkwürdiges Gefühl hätten, böten sie gegebenenfalls ein Gespräch unter vier Augen an. Vielleicht verknüpft mit der Frage: „Wollen Sie wirklich mit so viel Geld in der Handtasche los oder sollen wir es nicht lieber überweisen?“

Bei einem älteren Kollegen Nehms schrillten einmal die Alarmglocken, als eine Kundin mit einem jüngeren Begleiter einen höheren Betrag abheben wollte. Es folgte jenes Vier-Augen-Gespräch, ob alles in Ordnung sei. In diesem Fall war es das: „Oma holte tatsächlich Geld für Möbel des Enkels.“

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