Polizei: Entwicklung bei Einbrüchen in Witten „katastrophal“

Schwerpunkteinsatz der Polizei: Zur Vorbeugung von Wohnungseinbrüchen patrouillieren Polizisten durch Wittener Wohnstraßen.
Schwerpunkteinsatz der Polizei: Zur Vorbeugung von Wohnungseinbrüchen patrouillieren Polizisten durch Wittener Wohnstraßen.
Foto: Funke Foto Services
Die Aufklärungsquote liegt unter zehn Prozent. Der Leiter der Wittener Polizeiwache kritisiert auch Rolle der Justiz.

Witten.  Große Sorgen bereitet der Polizei nach wie vor die hohe Zahl von über 500 Wohnungseinbrüchen in Witten. „Die Entwicklung ist katastrophal. Die Aufklärungsquote liegt weiter unter zehn Prozent“, sagte der Leiter der Wittener Polizeiwache, Reinhard Glowka, in der offenen Fraktionssitzung der CDU im Hotel Ardey. Zwar sei die Zahl der Wohnungseinbrüche im ersten Halbjahr um 35 zurückgegangen, aber von Entspannung könne nicht geredet werden. „Die Bekämpfung der Wohnungseinbrüche hat für uns oberste Priorität“, so Glowka. Eine Schwerpunktgruppe wurde gegründet.

Kritik äußerte Glowka diesbezüglich an der Justiz: „Im letzten Jahr kamen lediglich drei Täter in Untersuchungshaft. Die Verurteilungsquote liegt bei null Prozent.“ Die Tätergruppen seien gut organisierte, hochprofessionelle Banden. Vorbeugung sei ein gutes Mittel: Bessere Schlösser, Bewegungsmelder und vor allem Beleuchtung schreckten ab. „64 Einbruchsversuche wurden aufgegeben, weil es offenbar zu schwierig war. Das ist ein gutes Zeichen.“ Die meisten Wohnungseinbrüche werden tagsüber begangen und zwischen 18 und 22 Uhr. Nachts hingegen seien Täter nur selten aktiv.

Von der engen Zusammenarbeit mit der Polizei berichtete Ordnungsamtsleiter Ulrich Oertel. So habe man die Taschendiebe erfolgreich aus Witten verdrängt. „Musikanten sind die ersten, die dieser Tätergruppe zuarbeiten.“ Da das Musizieren in der Öffentlichkeit verboten ist, werden die Musikanten vertrieben und müssen eine Sicherheitsleistung zahlen. „Anschließend kommen sie nicht mehr wieder“, so Oertel.

Taschendiebstähle

Taschendiebstähle seien schwer zu verhindern, erläuterte Wachleiter Glowka. Seit Jahresanfang zählte die Behörde 28 Fälle. Werde ein Handy entwendet, dürfte die Polizei keine Ortung durchführen. Allerdings kann man sich selbst eine App aufs Handy laden, mit der sich verfolgen lässt, wo sich das Mobiltelefon gerade befindet. Die Polizei kommt dann mit raus und kann den Täter stellen.

Was Gewaltkriminalität betrifft, sei Witten kein unsicheres Pflaster, erläuterte 2. stellvertretender Bürgermeister Lars König (CDU) in der offenen Fraktionssitzung der Wittener Union. „Es gibt keine größeren Gewalttätigkeiten, und auch eine aktive rechte Szene ist hier nicht bekannt.“ Insgesamt fühle sich allerdings ein großer Anteil der Bürger nicht sicher. Das subjektive Sicherheitsempfinden sei eindeutig gestört.

Mehr Anmeldungen für kleinen Waffenschein

Die Polizei registriert einen Anstieg der Anträge für einen kleinen Waffenschein. Er ist erforderlich, um Reizstoff- und Schreckschusspistolen mit sich zu führen. „Bislang wurden 256 Anmeldungen gezählt“, sagte Reinhard Glowka von der Polizei Witten. Die beabsichtigte Gründung einer Bürgerwehr sei verindert worden, berichteten Fraktionsmitglieder der Wittener Piraten.

In der Flüchtlingsunterkunft an der Brauckstraße werde es Sozialarbeiter vor Ort geben sowie acht Security-Mitarbeiter, die vor allem nachts Dienst tun, erläuterte Sozial- und Rechtsdezernent Frank Schweppe. Tagsüber seien dort Ämter und Büros geöffnet. Die Anregung, eine Videoüberwachung der Einrichtung zu prüfen, nehme er mit in die Beratungen für ein umfassendes Sicherheitskonzept.

Personalkürzungen

Was die befürchteten Personalkürzungen bei der Polizei betrifft, gab Wachleiter Glowka leichte Entwarnung. „Der Personalabbau fällt milder aus. In Witten nehmen in Kürze 21 Polizei-Azubis ihren Dienst auf. Insgesamt sind hier 100 Beamte tätig“, erläuterte er.

Beim Ordnungsamt sind fünf Mitarbeiter im Außendienst für Ordnungsdelikte zuständig, erläuterte Ulrich Oertel. Das Drogenmilieu an der Johanneskirche sei verschwunden, die Betreuung von Drogensüchtigen und Alkoholkranken durch das Haus im Park führe zu einer Entlastung für den Lutherpark. Das gesellschaftliche Problem selbst allerdings löse man damit nicht, es komme lediglich zu einer Verdrängung.

Alkohol auf dem Schulhof

Auf dem Hof einer Wittener Grundschule haben Ordnungsamtsmitarbeiter betrunkene Kinder angetroffen. Den Wodka hatten sie in einem Kiosk in der Nähe gekauft. Der Kioskbetreiber musste 1000 Euro Bußgeld zahlen, berichtete Ulrich Oertel. Bei einem erneuten Verstoß riskiere der Mann die Gewerbeuntersagung.

 
 

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