Partei „Alternative für Deutschland“ mietet Wittener Saalbau an

Für 1000 Euro am Tag kann man, wie die AfD, den Saalbau in Witten mieten.
Für 1000 Euro am Tag kann man, wie die AfD, den Saalbau in Witten mieten.
Foto: WAZ / FotoPool
Verwundert reibt sich so mancher die Augen: In Wittens guter Stube, dem Saalbau, wo sonst Ballett, Schauspiel oder Kabarett über die Bühne gehen, diskutiert am 22. März 2015 die AfD beim „Ersten Alternativen Wissenkongress“. Die Bezirksverbände der Partei haben dazu fragwürdige Redner eingeladen.

Witten.. Die fünf NRW-Bezirksverbände der AfD haben für den 22. März zum „1. Alternativen Wissenskongress“ in den Saalbau in Witten eingeladen. Pikant: Auf der Rednerliste der Eurokritiker stehen einige Referenten, die sogar in den eigenen Reihen als fragwürdig gelten. Selbst eine Absage des Kongresses wird nun nicht mehr ausgeschlossen.

Der Nachrichtensender n-tv berichtete am Mittwoch (29.10.), mit Jürgen Elsässer und Andreas Popp seien zwei populäre Verschwörungstheoretiker eingeladen worden. Elsässer bediene ein Feld zwischen rechtspopulistisch und rechtsextrem, zitiert n-tv einen Politikwissenschaftler. Er gelte als einer der Vordenker der neuen Rechten. Sein Thema in Witten: „Regieren uns die Medien?“. Zu den Krawallen von Hooligans in Köln gegen Salafisten sagte Elsässer laut n-tv: Die Demo sei gut gemeint gewesen, aber schlecht gelaufen.

Saalbau-Leitung steht zu Mietvertrag

Hat das Kulturforum, das den Saalbau für 1000 Euro vermietet, bei der Vergabe des 800 Leute fassenden Saals womöglich danebengegriffen? Hätte man der AfD nicht eine Absage erteilen müssen? Wolfgang Härtel, Leiter von Saalbau und Haus Witten, steht zu dem Vertrag. „Wenn wir die nicht reinließen, wäre das Zensur.“ Parteien seien nicht von der Nutzung ausgeschlossen. Und die AfD sei eine demokratisch gewählte Partei. „Wir hätten keinen Grund gehabt, das zu untersagen.“

Nach Hinweisen von Dritten habe sich eine Mitarbeiterin zwar genauer die Rednerliste im Internet angesehen, so Härtel. Es hätte sich aber nichts Greifbares gefunden. „Wir machen nur den Mietvertrag und haben keinen Einfluss auf die Rednerliste.“ Härtel räumt ein, dass ihm die Namen allerdings auch nichts gesagt hätten. Nach Angaben des Internetportals „Blick nach Rechts“ steht der Staatsrechtler Albrecht Schachtschneider ebenfalls auf der Liste. Er sei wiederholt durch Kontakte nach Rechtsaußen aufgefallen, etwa als Referent bei „pro Köln“ oder als Experte bei einer Anhörung im Landtag auf Einladung der sächsischen NPD.

Parteispitze in Bund, Land und Kreis distanziert sich

Der Vize-Sprecher der AfD im EN-Kreis, Daniel Sodenkamp, wünscht sich, dass die Veranstaltung abgesagt wird. „Das ist völliger Unsinn. Das ist nicht das, was wir haben wollen“, erklärt er. „Unter den Referenten scheinen sich Verschwörungstheoretiker und Wirrköpfe zu befinden“, zitiert n-tv sogar den AfD-Bundesvorsitzenden Bernd Lucke. Die Veranstalter sollten ihr Konzept überdenken. Der Landesverband will mit dem Kongress ebenfalls nichts zu tun haben.

Auch Bezirkssprecher Uwe Liesche aus Witten, dessen Arnsberger Verband zu den fünf Organisatoren gehört, rückt mittlerweile von der Veranstaltung ab. „Mit diesen Referenten tragen wird das nicht mehr mit. Das können wir allerdings nicht allein bestimmen.“ Definitiv distanziere man sich von Rednern wie Elsässer, Popp und Eberhard Hamer, die von ihren Thesen her nicht seriös seien. Doch das „Orga-Team“ habe sich eigenmächtig für diese Referenten stark gemacht.

Keine verstärkten Sicherheitsmaßnahmen

An verstärkte Sicherheitsmaßnahmen denkt das Kulturforum nicht. Saalbauchef Härtel glaubt nicht an Krawall - zumindest nicht von drinnen. Gebe es Proteste oder Tumulte vor der Halle, werde man natürlich reagieren müssen.

 
 

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