Nur die Besten lernen Deutsch

Die chinesische Schülergruppe mit den Schiller-Gymnasiasten vor dem Wittener Rathaus.
Die chinesische Schülergruppe mit den Schiller-Gymnasiasten vor dem Wittener Rathaus.
Foto: Stadt Witten

Witten..  Rund 25 Stunden dauerte die Reise von Yuxi, China, nach Witten. 17 Schüler und drei Lehrkräfte haben sie auf sich genommen.

Zwei Wochen lang besucht die Gruppe eines chinesischen Internats das Schiller-Gymnasium und wohnt in Wittener Gastfamilien.

„Grün ist meine Lieblingsfarbe – und hier ist es überall schön grün.“ Für Hanna (15) ist es der erste Besuch in Europa. Nach den ersten Tagen in den Gastfamilien sind sie und ihre Mitschüler vor allem von der Natur und den Naherholungsgebieten begeistert. „Grillen“, das Wort haben sie während des sonnigen Wochenendes fast alle gelernt.

Deutsches Essen, familiärer Alltag und das Leben in der „großen Kleinstadt“ Witten: Für die jungen Chinesen, die aus der südöstlichen Provinz Yunnan stammen und in der 2-Mio-Stadt Yuxi die 8. und 9. Klasse eines Internats besuchen, ist die Reise mit vielen neuen Erfahrungen verbunden.

Große Sprachbarrieren müssen die Schüler allerdings nicht überwinden. „An unserer Schule gibt es eine spezielle Deutschklasse, in der ab der Jahrgangsstufe sieben etwa acht bis zehn Stunden pro Woche Deutsch unterrichtet werden“, erzählt Lehrerin Juliane von Hinüber-Jin. Über die gebürtige Deutsche war der Kontakt zwischen den Schulen entstanden.

Deutsch, sagt sie, sei in China eine gefragte Fremdsprache. „Die Kultusministerkonferenz fördert den Deutschunterricht an einigen chinesischen Schulen. Wir haben 30 Plätze in unserer Deutschklasse. Nur die besten Schüler werden dafür angenommen.“ Allein in diesem Jahr seien 1500 Bewerbungen dafür eingegangen. Parallel zum chinesischen Schulabschluss winkt den Schülern eine Bescheinigung über fließende Sprachkenntnisse, die sie später zum Studium an deutschsprachigen Universitäten zulässt.

Kein Wunder, dass sich die Eliteklasse bei ihrem Deutschland-Besuch auch über die Studienmöglichkeiten im Ruhrgebiet informieren will. Denn das Studium in Europa genieße einen besseren Ruf als die universitäre Ausbildung in China, weiß Juliane von Hinüber-Jin. Die Universität Witten/Herdecke wird sich deshalb im Unterricht vorstellen. An der Ruhr-Universität werden die Gäste von Bochumer Sinologie-Professoren empfangen.

Natürlich sollen aber auch Spaß, Freizeit und Sehenswürdigkeiten nicht zu kurz kommen. „Als Projektthema haben wir uns ‘Wasser’ ausgesucht“, erklärt Schiller-Lehrerin Ilka Overbeck. In Dortmund werden daher bei der Stadterkundung auch die Wasserwege unter die Lupe genommen. In Mülheim ist ein Abstecher ins dortige Wassermuseum geplant.

Zum Abschluss ihrer Reise geht es für die jungen Chinesen noch für einige Tage nach Köln und Frankfurt. Aber bis die Koffer wieder gepackt werden müssen, sind noch zwei Wochen Zeit, in denen die Schiller-Schüler ihren Gästen alles „typisch Deutsche“ zeigen wollen: „Currywurst, Klöße, Rotkohl...“

 
 

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