Nicht mehr aus „Notwehr“ krankmelden

v.l.vorne; Thomas Voß (Vorstand DRK Witten), Christa Beermann (EN-Kreis), Dr. Georg Butterwegger (Präsident DRK-Kreisverband) unterzeichnen den Kooperationsvertrag zu "Pflege und Beruf vereinbaren"
v.l.vorne; Thomas Voß (Vorstand DRK Witten), Christa Beermann (EN-Kreis), Dr. Georg Butterwegger (Präsident DRK-Kreisverband) unterzeichnen den Kooperationsvertrag zu "Pflege und Beruf vereinbaren"
Foto: DRK
Der DRK Witten beteiligt sich an der kreisweiten Kampagne „Pflege und Beruf vereinbaren“. Unternehmen verpflichten sich dabei bessere Strukturen für pflegende Mitarbeiter zu schaffen.

Witten..  Mehr Verantwortung will das Deutsche Rote Kreuz Witten ab sofort für Mitarbeiter übernehmen, die neben ihrem Beruf Angehörige zu hause pflegen. Die Hilfsorganisation beteiligt sich an der Kampagne „Pflege und Beruf vereinbaren“ der Landesainitiative Netzwerk W des EN-Kreises und hat den entsprechenden Kooperationsvertrag unterschrieben. Damit verpflichten sich Unternehmen, bessere Strukturen für pflegende Mitarbeiter zu schaffen.

„Es ist ein Schritt in die Glaubwürdigkeit“, sagt Georg Butterwegger, Präsident des DRK-Kreisverbandes. Ein Arbeitgeber gehe davon aus, dass ein Mitarbeiter sich verantwortlich für das Unternehmen fühlt. Im Umkehrschluss habe das Unternehmen eine Verantwortung für den Mitarbeiter. Unterstützung für pflegende Angehörige werde beim DRK schon gelebt, indem zum Beispiel Dienstpläne spontan verschoben werden. Aber als Arbeitgeber bekomme man das oft gar nicht mit.

„Manchmal meldet man sich quasi aus Notwehr krank“, sagt Christa Beermann. Die Demografiebeauftragte des Kreises hat das Projekt im Februar 2012 initiiert. Man sehe von außen nicht, wenn hinter der Krankmeldung eine problematische Pflegesituation stecke. „Das A und O ist es, darüber zu sprechen“, so Beermann. Im Durchschnitt pflegt jeder vierte Beschäftigte Angehörige. 70 Prozent davon sind Frauen. Zwei Stunden müssen sie im Schnitt pro Tag dafür einplanen. „Im Grunde haben diese Mitarbeiter eine doppelte Belastung, wenn sie Kinder haben, sogar eine dreifache.“.Die Pflege führe zu Reduktion der Arbeitszeit, und das wiederum zu weniger Geld.

„Wir haben eine Verantwortung, dass unsere Mitarbeiter ihren Job auch machen können“, sagt Thomas Voß, Vorstand des DRK-Witten. Die Hilfsorganisation wolle aber nicht nur als Unternehmen mit 80 hauptamtlichen und vielen ehrenamtlichen Mitarbeitern durch die Kooperation mit gutem Beispiel voran gehen, sondern auch als Partner mit Angeboten für pflegende Angehörige und Gepflegte.

 

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