Neuer Inliner-Rundkurs am Kemnader See zieht auch Radfahrer an

Bei Heveney eng nebeneinander: Radweg (vorn), Inliner-Strecke (Mitte) und Fußgängerweg (oben) am Kemnader Stausee.
Bei Heveney eng nebeneinander: Radweg (vorn), Inliner-Strecke (Mitte) und Fußgängerweg (oben) am Kemnader Stausee.
Foto: WAZ
Ein Großteil des Inliner-Rundkurses um den Kemnader Stausee ist nun fertig und kann schon befahren werden. Auf 65 bis 70 Prozent der neuen Runde haben die Skater ihre eigene Bahn. Der Rundkurs zieht auch Radfahrer magisch an. Unser Redakteur drehte eine Proberunde mit dem Rad.

Bochum/Witten. Zugegeben, die Testbedingungen sind günstig: Am frühen Nachmittag unter der Woche sind am Stausee zwar etliche Ausflügler unterwegs, aber es ist nicht Rushhour wie am Wochenende. Und ich darf aufs Rad und muss nicht skaten. Man muss ja nicht auch noch die Strecke unsicher machen.

Drei-Strom-Land. Das fällt mir spontan zu den drei Asphaltbändern ein, die am Freizeitbad dicht an dicht liegen: Radweg, in der Mitte die neue Inliner-Piste, der Fußweg am Wasser. Neue Schilder sind noch Fehlanzeige. Eingeweihte finden sich trotzdem schnell zurecht: Nur an der Inliner-Strecke reihen sich die Laternenmasten mit den digitalen Lampen – mit freundlichen Grüßen von der Europäischen Union, die den 11-km-Kurs mit 3,2 Mio. Euro sponsert.

Zu schnell für ein tolles Foto

Der erste Stress kommt an der Doppelbrücke über den Ölbach auf. Inliner und Radler nehmen dieselbe Brücke. Ich halte kurz an, bis der Foto-Kollege in Stellung ist. Beim Losfahren passiert’s: Ein Rennradler zischt von hinten zwischen mir und einem entgegenkommenden Inliner durch. Kein Blatt hätte dazwischen gepasst. In echt: Der fuhr im gelben Trikot! Das hätte ins Auge gehen können. Wenigstens haben wir jetzt das starke Foto, denke ich. Doch Toni winkt ab: „Das ging zu schnell.“

Auf der Bochumer Seite entknoten sich hinterm Stranddeck die Wege. 65 bis 70 Prozent der neuen Runde haben die Skater ihre eigene Bahn. Den Rest teilen sie sich mal mit den Radlern, aber überwiegend mit Fußgängern, auf verbreiterten Wegen. Mehr Landschaft war nicht da. Vom alten Radweg aus lässt sich gut beobachten, wie sich immer wieder Radfahrer auf das neue schwarze Band in der Mitte „verirren“. Weil die Schilder fehlen? Als Drahtesel-Veteran tipp’ ich mal: Es rollt sich einfach zu gut auf frischem Asphalt.

Zwei Jugendliche mit Rollbrett schlenkern mir entgegen. Fünf Sportradler wollen vorbeiziehen. „Achtung!“, ruft einer. Könnte passen, aber ich weiche lieber vorher aus ins Gras. Was ist los heute?

Verlockende Promenade am See

An Haus Oveney scheiden sich die Geister. Während die Spaziergänger und Inliner „untenrum“ dürfen, auf einer neuen, glatten, breiten und sonnenbeschienen Promenade direkt am Wasser, heißt es für die Radler: ab in die Berge. Der alte Radweg „obenrum“ ist schmal, steil und holperig. Als ob das nicht reichte, hat das FZK orthopädisch bedenkliche Schwellen eingebaut. Klar: In die andere Richtung geht’s im Schuss bergab.

Die meisten Radler sehe ich unten, wo sie nicht hingehören. Nur ein paar Idioten fahren oben, sich selbst darf man ja so nennen.

Das „Wehr“ am Kraftwerk macht seinem Namen Ehre. Die Brücke ist wegen Restarbeiten am Wegeanschluss noch gesperrt. Durch die Umleitungsschilder (für den Ruhrtalradweg, nicht für die See-Umrundung!) steige ich zwar nicht gleich durch, trotzdem finde ich irgendwie zur Kemnader Straße und bin wenig später auf dem Rückweg auf der Herbeder Seite.

Keine Fördertöpfe für Radwege

Wieder brav auf dem Radweg ab in die Berge? Er ist hier zwar breit, ab es geht rauf und runter, die A 43 ist laut und man sieht das Wasser nicht. An den Fahrspuren in der frischen Grasnarbe erkennt man: Ich bin nicht der Einzige, der hier flugs auf die Spaziergänger-/Inliner-Piste wechselt. Die ist so breit, dass sich hier Autos begegnen könnten. Für die Fußgänger, an denen hier Inliner (legal) und Radler (illegal) vorbeischnurren kein wirklich entspanntes Gefühl, stelle ich mir vor.

Ich bin hier nur in guter Mission unterwegs: Damit das FZK sich früh Gedanken macht, wie es die Radler von der neuen Inliner-Piste fernhalten kann. Gibt’s bei der EU keine Fördertöpfe für Radwege?

Beschilderung soll in einem Monat folgen

Die Beschilderung der Inliner-Strecke soll laut Freizeitzentrum (FZK) in etwa vier Wochen „nach einer einheitlichen Philosophie“ erfolgen. An Schnittpunkten werden auch Piktogramme aufgemalt. In dieser Woche gab es Begehungen mit dem Straßenverkehrsämtern Bochum und Witten.

Der Rundkurs soll noch dieses Jahr (EU-Förderung) eröffnet werden. Zuletzt wurde am Rande der Herbeder Hundewiese asphaltiert – bis zum Zollhaus. Es fehlt noch die Verbindung zwischen Alter Fährweg und Golfplatz. Das FZK bittet dringend darum, alle Absperrungen zu respektieren.

 
 

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