Witten

Neue Zeitrechnung für eine alte Rumpelstrecke

Michael Vaupel
Annen-/Ecke Schleiermacherstraße: Unwetter und Hochwasser in Witten im Jahr 2012.
Annen-/Ecke Schleiermacherstraße: Unwetter und Hochwasser in Witten im Jahr 2012.
Foto: Augstein
Der letzte Abschnitt der über zwei Kilometer langen Annenstraße in Witten ist saniert. Redakteur Michael Vaupel blätterte aus diesem Anlass in der Chronik des Bau-Marathons.

Witten. Die Lagunenstadt Venedig zeigt dieses Bild (oben) zwar nicht, dafür aber die Annen-/Ecke Schleiermacherstraße, wie sie bei Starkregen regelmäßig aussah. Statt Gondeln schwammen dann in der Senke unter der Brücke des Rheinischen Esels schon mal Autos.

Doch solche Szenen gehören für immer der Vergangenheit an. Denn die über Jahre hinweg in Teilstücken sanierte Annenstraße kennt jetzt keine Schwachstellen mehr. Am Mittwoch (27. April 2016) gegen Mittag wurde auch das letzte Stück, nämlich die komplett neu gestaltete Einmündung zur Ardeystraße, für den Verkehr freigegeben. In zahlreichen Bildern können die Leser dieser Zeitung nochmal auf wichtigen Stationen des Umbaus einer der längsten Straßen Wittens zurückschauen.

1. Über zwei Kilometer zieht sich die Annenstraße (links) von der Ardeystraße aus, bis sie am Centrovital-Gebäude (in der Rundung unten) auf die Westfalenstraße (rechts) trifft. Wer die Annenstraße allerdings mal zu Fuß gegangen ist, hält sie wahrscheinlich für unendlich. Über die Ardey- und die gesamte Länge der Annenstraße führte von 1915 bis 1985 die Straßenbahnlinie.

Schienen und Pflasterung

Sie verband die Wittener City mit dem nach ihr größten Stadtteil. Auch nachdem die Linie aufgegeben worden war, sorgten Schienen und Pflasterung dafür, dass die Annenstraße zu Wittens größten Rumpelstrecken gehörte. Ab 2011/12 wurde das erste Teilstücke der Annen- von der Holzkampstraße (oben links) bis zur Westfalenstraße umfassend erneuert: Mit neuer Straßendecke, neuen Leitungen, neuer Möblierung und Beleuchtung wurde für „Aufenthaltsqualität“ gesorgt.

2. Die Annenstraße strahlt jetzt an der Einmündung zur Ardeystraße in neuem Glanz: Kräftig leuchten die neuen Fahrbahnmarkierungen, die ungepflegte Verkehrsinsel ist weg. Eine moderne Lichtsignalanlage mit LED-Technik regelt den Verkehr, die alten Straßenlaternen wurden ebenfalls durch neue mit Energie sparender LED-Technik ersetzt. Darüber hinaus wurden drei Bushaltestellen neu gebaut, die Gehwege erneuert, Bäume gepflanzt und einige Pflanzbeete angelegt.

Gefürchtete Senke unter der Brücke

3. Verschwunden ist die gefürchtete Senke unter der Brücke des Rheinischen Esels, wo über Jahre hinweg Autos bei Starkregen in die Wasserfalle gerieten. Auch ein neuer Radweg wurde hier markiert.

Um Überschwemmungen in diesem Bereich zu vermeiden, wurden im Frühjahr 2014 große neue Rohre verlegt. Das alte Rohr war nämlich zu klein und hatte die Wassermassen nicht gepackt. Es war nur 1,20 Meter schmal, das neue ist 1,80 (in der angrenzenden Straße Am Stadion) bzw. 1,40 Meter auf der Annenstraße breit. Nicht nur die Rohre, sondern auch Rinnen, Bordsteine und die Asphaltdecke wurden erneuert.

4. Bimmelbahn, Stelzenläufer, Stände, geöffnete Geschäfte – und viel flanierendes Publikum: Rappelvoll war es am Sonntag, 17. März 2013, als der umgebaute Abschnitt der Annen- zwischen Holzkamp- und Westfalenstraße offiziell eingeweiht wurde. Kosten für diesen Teil der Annenstraßensanierung: rund 1,5 Millionen Euro.

Erneuerung der Rohre

5. Buddelzeit: So sah es noch Mitte Januar diesen Jahres im Bauabschnitt Annen-/Einmündung Ardeystraße aus, der im Foto darüber in seiner Vollendung zu sehen ist. Mit besonderem Aufwand war die Erneuerung der Rohre in der Annenstraße verbunden.

Keine Radikallösung gegen Unkraut

6. Schön grün ist es auf diesem Bild auf der Annenstraße. Leider an der falschen Stelle. Denn der kleine Baum, umspielt von sprießendem Unkraut, stand auf der Verkehrsinsel an der Einmündung zur Ardeystraße. Inzwischen ist die Insel verschwunden. Nicht als Radikallösung gegen Unkraut, sondern weil die Spurenaufteilung mit der Sanierung der Annenstraße neu geregelt wurde.

7. Loch an Loch – und sie hielt doch. Wer über den babypo-glatten Asphalt der sanierten Annenstraße fährt, glaubt kaum, in welch’ erbärmlichem Zustand sich die Decke zuvor befand. Auch die markierten Hohlräume der Bergbauschäden wurden verfüllt.