Neue Ideen in Form gegossen

Mit der Technikbegeisterung eines Mannes will Till Funke (25) die emotionale Ebene einer Frau erreichen: Gefühlvolle Worte druckt er dreidimensional aus.
Mit der Technikbegeisterung eines Mannes will Till Funke (25) die emotionale Ebene einer Frau erreichen: Gefühlvolle Worte druckt er dreidimensional aus.
Foto: Funke Foto Services
25 Studenten konnten am EZW, dem Gründerzentrum der Wittener Uni, das 3D-Drucken lernen. Sie druckten etwa Gefühle aus.

Witten..  Wenn Technikbegeisterung auf Geisteswissenschaftler trifft, was kann dabei herauskommen? Nun Bananenschneider, Kommunikationshilfen oder Tütenspender. Nicht mit irgendeinem Maschinenbaukrams lockte man dieser Tage 25 Studenten aus dem Ruhrgebiet ins EZW (Entrepreneurship Zentrum Witten). Sondern mit dem Thema, das immer mehr Leute begeistert: 3D-Druck.

„Alle reden davon, dass man mit einem 3D-Drucker Waffen herstellen kann oder Organe. Deswegen haben ich die Chance genutzt, mich ernsthaft damit zu beschäftigen“, sagt Alina Valjent, Studentin der Kulturreflexion. Drei Tage lang lernte sie nun, mit der Software umzugehen, ein Produkt zu entwerfen und den Prototypen gleich auszudrucken. Den 3D-Drucker für den Workshop stellte die Firma MakerBot. Er arbeitet wie eine große Heißklebepistole: ein Kunststoffband wird erhitzt und, dann flüssig, in eine neue Form gegossen. Das dauert zwar, „sieht aber cool aus“, findet Alina. „Nur nachhaltiger sollte man die Herstellung gestalten.“

„Optimiere einen Alltagsgegenstand“ hieß die Aufgabe, die EZW-Geschäftsführer Tim Kahrmann und Jochen Zimmer von der Firma MakerBot den Studenten stellte. Alina konzentrierte sich auf die Ästhetik. Sie druckte eine Miniatur-Ausgabe ihrer Hochschule aus. „So habe ich neue Seiten meiner Uni entdeckt.“

Anderen merkt man an, dass ihre Ideen zu später Stunde auf WG-Partys entstanden sein dürften. Gabriel Dolderer entwarf eine Zigarettenspitze, so wie in den 20er Jahren. „Denn bei der Selbstgedrehten werden doch die Finger so schnell gelb.“ Politikstudent Richard Vater schneidet sich morgens immer eine Banane in sein Müsli. „Das machen Menschen auf dem ganzen Erdball“, glaubt er. Für diese „Kunden“ hat er einen Bananenschneider erfunden, der die Frucht in Scheiben teilt. Bei der Vorführung ist die Begeisterung verhalten: Zerhackt ist die Banane, nur klemmt der Matsch in dem Gerät fest.

Matthias Szczuzewski hat sich mit dem Thema Fahrraddiebstahl beschäftigt – er sei gebürtiger Pole. Er schlägt einen Kabelbinder vor, der das schwere Fahrradschloss ersetzen soll – und während des Radelns als Hosenklammer dient. Till Funke dagegen will mit seinem Produkt die Kommunikation zwischen Mann und Frau erleichtern, und „die technikbegeisterte Kommunikation auf eine emotionale Ebene bringen“. Millionen Menschen wüssten da gern eine Lösung, Till Funke lässt einfach Wörter aus dem 3D-Drucker purzeln: „Love“ etwa. Kriegt man so eine Frau besänftigt?

Na klar, ist EZW-Geschäftsführer Tim Kahrmann überzeugt. „Das ist eine Geschäftsidee, die man ausbauen kann.“ Die Worte des Bedauerns online bestellt, ausgedruckt, zugeschickt, mache Eindruck!

Hm. Da ist noch Entwicklungspotenzial. Der „Fahrradsattel für den individuell geformten Hintern“ scheitert an der Konstruktion. Heraus kommt ein Etwas, vielleicht ein Aschenbecher? Der Kommilitone schwärmt von einer „total individuellen Dose, die man überall einsetzen kann“. Man könne in die Dose sogar ein Marmeladenglas stellen, das wäre dann ein prima – ähm – Aschenbecher.

Die Druckwerkstatt fand zum ersten Mal in dem Gebäude neben der Uni statt, soll nun aber regelmäßig wiederholt werden – vielleicht verbunden mit einem Innovationswettbewerb. Auch diesmal wurde die beste Idee gekürt: Es gewinnt die Studentin der Bochumer Ruhr-Uni, Klaudia Wichmann. Die 25-Jährige entwickelte einen „Tütenspender“, eine stylische Aufbewahrung für die Kotbeutel ihres Hundes.

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