Narren feiern ausgelassen in Werkstadt und Saalbau

Foto: Fischer
Wie immer an Weiberfastnacht lud der Sozialverband Deutschland traditionell in den Saalbau. Auch in der Werkstadt feierten die Narren.

Witten..  Gegensätzlicher können zwei Karnevalspartys kaum sein: Während im Saalbau das Duo Fuego und Conférencier Frank die Stimmung anheizten, stand Luftlinie rund einen Kilometer entfernt DJ Oli hinterm Plattenteller, um die Gäste in der Werkstadt mit Schlagern und Chart-Hits auf die Tanzfläche zu locken. In beiden Fällen ging’s allerdings um dasselbe: ordentlich Weiberfastnacht zu feiern.

Oft reicht ein Hut als Verkleidung

Wieder einmal hat der Sozialverband Deutschland (SoVD) den Saalbau belegt – wie seit zig Jahren schon. Die Sache hat Tradition, die Reihen sind gut gefüllt. Über etwa 380 Gäste freut sich Kreisvorsitzender Wolfgang Still, „nachdem das in den letzten Jahren etwas gebröckelt ist“. Sein Schlips liegt schon abgeschnitten auf dem Tisch: Ein „Zimmermädchen“ hat ihm den Garaus gemacht. Da muss der gebürtige Westfale, der zwar Stammgast beim alternativen Dortmunder Geierabend, aber sonst der fünften Jahreszeit wenig zugetan ist, heute durch.

Lebenshilfe-Geschäftsführer Dr. Dieter König ist schuhtechnisch gleich auf Nummer sicher gegangen und trägt Stiefeletten ohne Schnürsenkel – doch den Schlips, den haben längst die Damen aus der Werkstadt an der Dortmunder Straße an sich gerissen. „Trink, trink, Brüderlein trink“ tönt es bald durch den Saal. Moderator Frank gibt alles: „Schauen Sie Ihrem linken und rechten Nachbarn tief in die Augen, lächeln Sie, zeigen Sie die Zähne, auch wenn die noch nicht bezahlt sind.“ Das Publikum lacht und schunkelt mit.

Von der Biene bis zur Zauberin

Teufelin, Zauberin, Biene, Sträfling, Engel, Clown, Matrose: Viele Damen sind kostümiert oder tragen zumindest originelle Hüte. So wie die Gruppe vom Seniorentanzkreis der Christuskirche. Ursula Peters (83) hat in ihrem heimischen Fundus gekramt und alle Frauen mit einer Kopfbedeckung versorgt, selbst gebastelt aus Tortendeckchen. Auch Edeltraud Bussing (68) und Veronika Hanfland (66) reicht ein Hut als Verkleidung: „Wir sind hier wegen der Stimmung. Ist doch besser, als zu Hause rumzusitzen.“

Sexy Höhlenfrauen

„Heute ist ein guter Tag, um wieder mal zu feiern“, findet auch Melanie. Die 35-Jährige sitzt mit ihren Freundinnen Julia (34), Silke (39), Andrea (50) und Evelin (32) in der Werkstadt. Verkleidet sind die Freundinnen, die extra Karnevalsurlaub genommen haben, um mal „ohne Kinder und ohne Kerle“ die Sau rauszulassen, als sexy Höhlenfrauen und Polizistinnen. Und sie hoffen fest darauf, dass die Sause hier so toll wird, wie sonst im Ratskeller. Weil der dicht ist, will die Werkstadt eine Alternative bieten. Jetzt, so gegen 17 Uhr, kann von Ansturm keine Rede sein. „Wir gucken mal, wie’s angenommen wird“, sagt Partyplaner Gunnar Weiper, der sich als Höhepunkt eine Männerversteigerung ausgedacht hat.

Auch die vier Herren am Tisch gegenüber waren sonst im Ratskeller. „Erst wollten wir dieses Jahr gar nicht los, dann haben wir uns spontan für die Werkstadt entschieden“, sagt Andreas (57). Verkleidet ist er ebenso wenig wie Harald (46), Wolfgang (58) und Markus (45). Letzterer allerdings will am nächsten Tag nach Köln. Als Indianer – weil’s dort ohne Kostüm gar nicht geht. Bedenken hat er – angesichts der Vorfälle in der Silvesternacht – keine.

19 Uhr, alles wird gut. Die Werkstadt brodelt. Die Narren haben den Weg dorthin doch noch gefunden.

 
 

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