Musik und Multikulti bis Mitternacht

Die 5. Nacht der Offenen Kirchen lockt viele Besucher aus den Stadtteilen an. Die Rauminstallation in der evangelischen Erlöserkirche Annen macht Gebete sichtbar. Foto: Walter Fischer / WAZ FotoPool
Die 5. Nacht der Offenen Kirchen lockt viele Besucher aus den Stadtteilen an. Die Rauminstallation in der evangelischen Erlöserkirche Annen macht Gebete sichtbar. Foto: Walter Fischer / WAZ FotoPool
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Witten.. Die Begeisterung für das Haus Gottes wecken und Spaß haben - die fünfte Nacht der offenen Kirchen hatte das gleiche Ziel wie ihre Vorgänger. Multikulturelle Aspekte und Musik standen dieses Jahr in Witten auf dem Plan.

Der Organist der evangelischen Erlöserkirche, Hans Wilfrid Richter, freut sich immer auf diesen Abend. „Normalerweise hat ein Gottesdienst einen festen Ablauf. Bei der Nacht der offenen Kirchen ist das alles etwas lockerer. Eher wie ein kleines Konzertprogramm“, meint Richter. Eine halbe Stunde spielt er ein buntes Programm auf der Orgel. Von Jazz bis zu klassischen Kirchenliedern ist alles dabei. Dazu hängen weiße Banner von der Kirchendecke, auf denen der Presbyter Wolfgang Schneider Gedichte aufgeschrieben hat. Eines stammt aus der anglikanischen, ein anderes aus der äthiopischen Kirche. Mit beiden Ländern pflegt die evangelische Gemeinde Annen eine Städtepartnerschaft.

In vier Kirchen der Stadt sind die Türen zur Abendzeit geöffnet. Mit dabei sind neben der Erlöserkirche die Johanniskirche, die evangelisch-freikirchliche Gemeinde im Oberdorf und die evangelische Kirche Bommern. Dort tritt Chorleiter Stefan Makoschey ab 20 Uhr mit dem Gospelchor „Singing alive“ auf. Musik aus den 80er Jahren im Stil amerikanischer Gospelchöre singen die Chormitglieder und nahezu jeder Besucher wippt und klatscht mit.

In der City kann man den Duft von Grillhähnchen schon aus 100 Metern Entfernung schnuppern. Später sollen diese dann auf den Tellern der Besucher der Johanniskirche landen. Eine persische Familie aus der Gemeinde nutzt die Nacht der offenen Kirchen, um Spezialitäten aus ihrem Land aufzutischen. Die Formation Ufermann unterstützt das kulinarische Erlebnis musikalisch mit ihrem Programm „Memoria Al Futuro - Erinnerung an die Zukunft“.

Ein paar Straßen weiter schallt ebenfalls Musik aus der evangelischen-freikirchlichen Gemeinde Oberdorf, wenn auch etwas anderer Art. Jeder darf Musik machen, ganz gleich was und mit wem, heißt es hier. Alle zwei Monate veranstaltet die Gemeinde Oberdorf eine „Session - Music and meet“. Jeder, der Musik mag, ist dazu eingeladen und kann mit anderen Besuchern spontan auf die Bühne gehen. Die meisten haben schon Banderfahrung. So wie die 16-jährige Joelle und ihr bester Freund, der nur „Punky“ genannt wird. Zusammen stehen sie öfter auf der Bühne. Bei der Nacht der offenen Kirchen spielen sie „Wonderwall“ von Oasis. Joelle kann mit ihrer klaren Stimme beim Publikum punkten. „Punky und ich treten oft zusammen auf. Wir sind ein eingespieltes Team.“

Eine andere Kombination junger Musiker ergibt sich spontan. Joschua, Yonathan, Peter und Michael spielten noch nie zusammen. Die Premiere gelingt trotzdem. Die Mischung von Saxofon, Schlagzeug und zweistimmigen Keyboard kommt beim überwiegend jugendlichen Publikum gut an.

Bis um Mitternacht sind die vier Kirchen Wittens geöffnet. Zum Abschluss in der Annener Erlöserkirche setzt sich Hans Wilfrid Richter noch einmal hinter sein Instrument und unterstreicht die kurze Andacht zum Ende mit ruhiger Musik. Der 57-Jährige ist begeistert: „Es macht immer wieder Spaß, bei der Nacht der offenen Kirchen zu spielen. Das ist etwas Besonderes.“

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