Montags kommt kaum noch Post

Manfred Mölder und seine Kollegen haben es montags leichter: dann wird im Sommer keine Reklame zugestellt.
Manfred Mölder und seine Kollegen haben es montags leichter: dann wird im Sommer keine Reklame zugestellt.
Foto: WAZ FotoPool
Nach dem Wochenende bleiben die Briefkästen vielerorts leer. In Herbede, Annen und vielen anderen Stadtteilen wundern sich Leser, warum sie montags keine Briefe mehr bekommen. Wir sind der Sache mal auf den Grund gegangen.

Witten. Das haben sie bestimmt auch schon mal festgestellt: montags ist der Briefkasten oft leer, dienstags dagegen rappelvoll. Und das ist kein Zufall. Montags baut Ihr Briefträger in den Sommermonaten nämlich Überstunden ab, die ganze Reklame bleibt erst mal liegen. Wichtige Sachen kommen aber an, verspricht die Post.

Axel Nolte hat in Herbede ein Sachverständigenbüro, das Immobilien daraufhin begutachtet, ob durch Altlasten Schäden an Häusern entstanden sind. Montags ist er mit seinem Posteingang immer schnell fertig - denn der Briefkasten ist leer. „Zumindest in den letzten Wochen ist montags keine Post gekommen“, hat er festgestellt. Schaden habe seine Firma dadurch nicht genommen, aber: „Wir haben bei der Deutschen Post angefragt, was der Grund sei, jedoch nur ein nebulöses Schreiben bekommen.“

Die Redaktion hat auch bei der Deutschen Post angefragt, denn ähnliche Beobachtungen gibt es auch aus Annen und anderen Stadtteilen. Heinz-Jürgen Thomeczek, Pressesprecher Deutsche Post DHL (für Witten ist die Pressestelle Frankfurt zuständig, ebenso für die Post an den Weihnachtsmann, aber ist ja auch egal): „Der Montag ist für uns der schwächste Tag. Denn die meisten Firmen, die viel Post versenden, geben vor dem Wochenende noch freitags ihre Briefe auf. Die werden dann samstags zugestellt. Das ist der härteste Tag für unsere Zusteller.“

Montags werden Überstunden abgebaut

Um so weniger aber bleibt für den Montag. Thomeczek: „Wir nutzen die Montage in den Sommermonaten, um Überstunden der Zusteller abzubauen. Das schafft für den einen oder anderen auch die Möglichkeit zu einem langen Wochenende.“ Dies allerdings sei keine neue Regelung. „Das hat sich in den letzten ein, zwei Jahren so etabliert, nachdem wir festgestellt hatten, dass manche Zusteller montags schon um 10 Uhr von ihrer Runde zurück waren.“

Was wird denn überhaupt noch zum Wochenbeginn gebracht? „Alle voll bezahlten Sendungen sowie Zeitungen“, sagt Heinz-Jürgen Thomeczek. Also etwa Briefe und Postkarten zum ganz normalen Tarif, Einschreiben sowieso, Pakete und sämtliche Auslandspost. Damit die Ansichtkarte der Nachbarn aus Mallorca auch pünktlich im Kasten liegt, gibt es für Auslandssendungen sogar spezielle Laufzeitprüfungen, denn die Deutsche Post muss dem Weltpostverein gegenüber nachweisen, dass damit zumindest nicht in Deutschland gebummelt wurde.

Werbung wird vorab aussortiert

Ansonsten aber soll voll bezahlte Post am nächsten Werktag beim Empfänger sein - auch, wenn es ein Montag ist. Das für Witten zuständige Briefzentrum Hagen hat hier eine Erfolgsquote von 95,4 Prozent, was sehr schön klingt, sich aber doch relativiert, wenn man feststellt, dass unter den mit 5 beginnenden Postleitzahlen nur noch Köln und Mainz (jeweils 95,2 %) schlechter liegen; Hamm dagegen kommt auf 96,3 Prozent.

Wurfsendungen, Werbesendungen und Infopost müssen aber erst vier Tage nach Aufgabe zugestellt werden - die werden im Sommer aussortiert und dann dienstags in die Hausbriefkästen gesteckt. Deshalb waren viele gestern wieder so voll mit Reklame. Ab September allerdings ist es mit der Montagsruhe wieder vorbei. Thomeczek: „Dann beginnt für viele Versender das Weihnachtsgeschäft, und es fallen so viele Kataloge und Werbesendungen an, dass wir sie nicht mehr vorab aussortieren können.“

 
 

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