Mittelständler aus Sauerland übernimmt Metalsa in Witten

Der Automobillzulieferer Metalsa produziert an der Dortmunder Straße/Westfalenstraße Getriebeteile. Ein wichtiger Abnehmer ist VW.
Der Automobillzulieferer Metalsa produziert an der Dortmunder Straße/Westfalenstraße Getriebeteile. Ein wichtiger Abnehmer ist VW.
Foto: Walter Fischer
Inhaber der Schmiedetechnik Plettenberg fordert 40-Stunden-Woche, Streichung des Urlaubsgelds. 300 Stellen gesichert, aber nicht Leiharbeitsplätze.

Witten..  Die Zukunft der meisten Arbeitsplätze von Metalsa an der Dortmunder Straße/Westfalenstraße scheint gesichert. Der Eigentümer der Schmiedetechnik Plettenberg übernimmt den Wittener Werksstandort komplett. Am vergangenen Freitag wurde der Kaufvertrag zwischen der Metalsa-Mutter in Bergneustadt und dem neuen Inhaber Cornel Müller unterzeichnet. Mit dem Vollzug des Kaufvertrags werde in rund vier Wochen gerechnet, teilten die beiden Vertragsparteien jetzt in einer gemeinsamen Erklärung mit. Der neue Eigentümer fordert zuvor aber noch erhebliche Zugeständnisse von der Belegschaft.

Cornel Müller ist der geschäftsführender Gesellschafter des mittelständischen Automobilzulieferers aus dem Sauerland, das in drei Produktionsstätten in Plettenberg und einer vierten im Saarland 500 Menschen beschäftigt. Bei Metalsa in Witten haben zuletzt 340 Mitarbeiter, davon rund 40 Zeitarbeiter, Getriebeteile produziert. Der Standort war aber stark defizitär. Die Metalsa Muttergesellschaft will sich nach dem Verkauf auf ihr Kerngeschäft – die Produktion von Fahrwerks- und Karosserieteilen – konzentrieren.

„Standort sichern und ausbauen“

„Unter Metalsa hätten wir über kurz oder lang keine Überlebenschance gehabt“, sagt Gregor Piotrowski (55), Betriebsratsvorsitzender von Metalsa in Witten. Das Wittener „Teilespektrum“ passe nicht mehr in das Portfolio der Muttergesellschaft. Das sei bei dem neuen Eigentümer anders, dieser kenne sich in dem Geschäftsfeld Getriebeteile bestens aus. Außerdem sei Cornel Müller „kein Finanzinvestor“, vielmehr wolle er sich mit seinem familiengeführten Unternehmen langfristig engagieren. „Metalsa ist sehr froh“, heißt es in der offiziellen Erklärung, „dass mit dem jetzigen Käufer ein strategischer Partner gefunden werden konnte, der den Standort langfristig sichern und ausbauen möchte.“

Für die Beschäftigten gibt es aber auch „einen Wermutstropfen“ (Piotrowski). Sie müsse sich voraussichtlich „mit erheblichen Einschnitten beim Geld“ abfinden. Der neue Eigentümer hat ein Sanierungskonzept zur Bedingung für die Übernahme gemacht. Grundsätzlich haben Betriebsrat und IG Metall ihre Zustimmung signalisiert – es muss mit ihm aber noch „endverhandelt“ werden.

Die bisher bekannten Eckpunkte sehen keine Kündigungen vor – damit wären die 300 Arbeitsplätze der Metalsa-Mitarbeiter gesichert, nicht aber die der 40 Leiharbeiter. Der neue Eigentümer will von dem heute gültigen Tarifvertrag abweichen und die Wochenarbeitszeit von 35 auf 40 Stunden erhöhen – für dasselbe Geld. Zudem will er das Urlaubsgeld (60 Prozent eines Monatsgehalts) streichen und Prämien in der Fertigung kürzen.

Auch wenn über das Sanierungskonzept noch verhandelt wird, scheint der Spielraum für Betriebsrat und IG Metall doch begrenzt zu sein. Für das Metalsa-Management und den neuen Eigentümer hängt von diesem Verhandlungsergebnis „die erfolgreiche Standortsicherung noch ab“.

Unter einem neuen Namen

Das Werk von Metalsa Automotive Witten soll zukünftig „High Precision Components Witten Gmbh“ heißen. Es firmierte unter Lunke + Sohn, Lunke Ventra, ISE (2001), Nordwind Capital (2008) und seit 2013 unter Metalsa Automotive.

Die Schmiedetechnik Plettenberg stellt Teile für Getriebe, Motoren und Antriebsstränge her. Im Geschäftsjahr 2014 erzielte sie nach eigenen Angaben eine Umsatz von 105 Millionen Euro , davon 91 Prozent im Bereich Automobilzulieferei.

 
 

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