Mit Schmalzstullen kriegt man sie alle

Herzhaft zubeißen konnten die Passanten am Stand der SPD AG’s 60plus vor Galeria- Kaufhof (von links): Milka Alter (52), Marlies Valerius (70) und Wolfgang Lukas (66).Foto:Thomas Nitsche
Herzhaft zubeißen konnten die Passanten am Stand der SPD AG’s 60plus vor Galeria- Kaufhof (von links): Milka Alter (52), Marlies Valerius (70) und Wolfgang Lukas (66).Foto:Thomas Nitsche
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Geselligkeit und Lebenshilfe bieten die SPD-Arbeitsgemeinschaften 60plus an. Am „Tag der älteren Generation“ informierten sie vor Kaufhof.

Auch wenn das manche – zu Unrecht – für einen Scherz halten werden: Der 1. April ist auch der Tag der älteren Generation. Die Kasseler Lebensabendbewegung hat diesen einst 1968 ins Leben gerufen. Die vier „60plus“-Arbeitsgemeinschaften der Wittener SPD nutzten ihn, um vor Kaufhof auf sich und die Anliegen der älteren Menschen in Witten aufmerksam zu machen.

Dort zeigte sich mal wieder: Mit Schmalzstullen fängt man sie alle. Mit roten Ballons und Kulis hält man den eiligen Passanten in seinem Lauf dagegen heute nicht mehr auf. Das Graubrot mit Griebenschmalz wird Marlies Valerius (70) dagegen förmlich aus der Hand gerissen. „Das kommt immer gut an“, weiß die Hüllbergerin, die diesen Brauch vor fünf Jahren am Seniorenstand eingeführt hat.

Wenn sich die „60-Plusser“ vom Hüllberg am ersten Dienstag im Monat (10 Uhr) ins Schwedenheim bitten, ist dort meist richtig was los, berichtet Valerius. 30 bis 40 Menschen – Genosse muss man nicht sein – finden sich immer dort ein. Mal warnt ein Polizist vor Einbrechern oder Taschendieben. Mal erklärt ein Referent die Patientenverfügung. Man feiert dort Karneval, Ostern und Weihnachten, plant die gemeinsame Fahrt zur Duisburger Moschee. Und manchmal ist einfach „Klöntag“.

Rechtzeitig Anschluss finden

Bei den Seniorentreffen geht es um Lebenshilfe und Geselligkeit. Letztere ist immer noch das beste Mittel gegen Einsamkeit. Marlies Valerius, die 20 Jahre bei den Stadtwerken geputzt und ihren Mann schon verloren hat, weiß, dass vielen Älteren ein solcher Kreis fehlt. Sie rät: „Wenn man über 60 ist, sollte man anfangen, in einen Verein zu gehen, am besten wenn der Partner noch da ist – dann geht man auch später noch hin, wenn man allein ist.“

Viele praktische Fragen lägen der älteren Generation am Herzen, sagt Wolfgang Lukas (66), Leiter der AG 60plus im SPD-Stadtverband und Mitglied im Wittener Seniorenbeirat. Altengerechtes Wohnen sei ein Dauerthema. Regelmäßig spreche man mit Wohnungsunternehmen darüber, dass bei Um- oder Neubauten auf Aufzüge, breite Türen und niedrige Duscheinstiege zu achten sei. Weitere Themen sind Bordsteinabsenkungen. Oder ganz einfach: „Wo kriegt man einen Rollstuhl her?“

Und welche Rolle spielt bei den 60plus-Treffen noch die Politik? „Zehn Minuten“ werde über alles gesprochen, nicken alle in der Runde. Die können es aber wohl immer noch in sich haben. Als das Stichwort „Bürgermeisterwahl“ fällt, schlagen die Wogen gleich hoch. Diese Frage müsse man „sozialverträglich“ lösen, plädiert der 74-jährige Reinhard Alter für Milde. Johann Balzereit (79) pocht auf „die Statuten“ und fordert den Parteiausschluss der Bürgermeisterin. Schon liegen sich zwei SPD-Urgesteine – pardon – in den grauen Haaren. Sie vertragen sich aber auch schnell wieder und tun das einzig Vernünftige: Sie beißen herzhaft in ihre Schmalzstulle.

Senioren stellen in der Wittener SPD die Mehrheit

In der Wittener SPD gibt es vier aktive Arbeitsgemeinschaften 60plus: in den Ortsvereinen Heven-Krone, Mitte und Hüllberg sowie im Stadtverband. Eine weitere gibt es im Unterbezirk EN.

800 SPD-Mitglieder sind laut AG 60plus 60 Jahre oder älter. Damit stellen sie zwei Drittel der 1200 Mitglieder . Die SPD bestätigt diese Gesamtzahl nicht, hat sie aber auch nicht dementiert.

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