Mit dem Fahrrad über den Rheinischen Esel nach Witten

Andrea Böhnke
Der Rad- und Wanderweg „Rheinischer Esel“ ist im Bereich der Straße Sonnenschein asphaltiert.
Der Rad- und Wanderweg „Rheinischer Esel“ ist im Bereich der Straße Sonnenschein asphaltiert.
Foto: FUNKE Foto Services
Der Rad- und Wanderweg verbindet Dortmund und Witten. Volontärin Andrea Böhnke über die für sie schönste Fahrradstrecke in der Stadt.

Witten. Etwa 18 Kilometer liegen zwischen meiner Wohnung in Dortmund und der WAZ-Redaktion in Witten. Eine Strecke, die ich normalerweise mit dem Auto fahre – oder mit der S-Bahn, wenn die denn kommt. Gut 30 Minuten dauert es von Haustür zu Haustür; ein Stau auf der A 40 bei Dortmund und die Parkplatzsuche in der Wittener Innenstadt nicht eingerechnet.

Was mit dem Auto in einer halben Stunde zu schaffen ist, kann mit dem Rad nicht so weit sein, dachte ich, als es in der Redaktion um unsere neue Fitnessserie ging. „Ich fahre eine Woche lang mit dem Rad zur Arbeit“, verkündete ich voller Tatendrang in der Konferenz. Obwohl ich nicht wirklich das bin, was man einen geübten Radfahrer nennt. Gebürtig komme ich aus Hohenlimburg, das im Wesentlichen aus zwei Bergen besteht. Mit Fahrradfahren ist da nicht viel – ausgenommen vielleicht Mountainbiken in den Wäldern.

Mit dem Rad auf dem Rheinischen Esel

An einem Sonntag im April setzte ich meinen Plan in die Tat um und schwang mich auf den Sattel meines Citybikes. Ich strampelte mich die Dortmunder Hügel hinauf bis nach Löttringhausen und erreichte endlich das Etappenziel: den Radweg Rheinischer Esel. Von da an ging’s nicht bergab, aber zumindest auch nicht bergauf – bis nach Witten.

Vor etwa einem Jahr bin ich schon einmal über den Rheinischen Esel gefahren, am Ende einer Radtour durch das Ruhrgebiet. Ein lieber Mensch versuchte mir damals recht überzeugend zu verkaufen, dass der Rheinische Esel mal einen Gebirgszug markierte. Ich war zwar müde, aber doch nicht so, dass ich es geglaubt hätte. Zu Recht, wie sich eine Google-Suche später herausstellte.

Ein Radweg mit Geschichte

Der Rheinische Esel, viele Wittener werden es wissen, ist eine ehemalige Bahnstrecke. 1880 ging sie in Betrieb und verband die Städte Bochum und Dortmund. Mehr als ein Jahrhundert ratterten hier Güter und Personen über die Gleise. Den oft voll beladenen Waggons, die Ähnlichkeit mit einem Packesel hatten, verdankt die Strecke ihren Spitznamen. Wie es früher wohl gewesen ist, mit dem Zug durch Wittens Umland zu fahren, ist für mich an einigen Stellen zu spüren. Von Dortmund-Löttringhausen aus führt einen der Radweg unter schmalen Steinbrücken hindurch und an steilen Abhängen vorbei. Gelbe Rapsfelder leuchten durch das dichte Laub der Bäume.

Ab Rüdinghausen verändert sich die Umgebung am Rande des Rheinischen Esels. Im Garten der Kita Kreisstraße buddeln Kinder im Sandkasten, unter den Bäumen vor dem Awo-Seniorenzentrum sitzen alte Herrschaften mit Strohhüten, und in einem Graben neben dem Radweg trainieren Hunde, auf ihre Frauchen zu hören.

Das ist nicht das Ende

Ursprünglich habe ich eine Woche mit dem Rad zur Arbeit fahren wollen. Daraus sind zwei geworden, wenn auch nicht am Stück. Termine am anderen Ende der Stadt, schlechtes Wetter, keine Lust – irgendwas war immer.

Bei den zwei Wochen wird es aber bestimmt nicht bleiben, da bin ich mir sicher. Mit dem Rad knapp eine Stunde über den Rheinischen Esel zur Arbeit zu fahren, ist Sport. Andere Leute beobachten, frische Luft und Sonne tanken – das ist Freizeit. Mit dem Auto über die Autobahnen zu fegen, das ist der Weg zur Arbeit.