Menschen pflegen statt im Büro sitzen

Martina Wuttke (li./43) und Birgit Schmitz (46 ) lassen sich zur Zeit umschulen. Beide haben vor der Geburt ihrer Kinder im Büro gearbeitet. Vor gut zwei Jahren starteten sie ihre neue Ausbildung zu Altenpflegerin beim DRK-Witten.
Martina Wuttke (li./43) und Birgit Schmitz (46 ) lassen sich zur Zeit umschulen. Beide haben vor der Geburt ihrer Kinder im Büro gearbeitet. Vor gut zwei Jahren starteten sie ihre neue Ausbildung zu Altenpflegerin beim DRK-Witten.
Foto: Walter Fischer
Vom Büro in die Pflege: Martina Wuttke und Birgit Schmitz trauen sich den beruflichen Neustart zu. Sie lassen sich zur Altenpflegerin umschulen

Witten..  Martina Wuttke (43) ist gelernte Bürokauffrau. Ihre Mit-Auszubildende Birgit Schmitz (46) arbeitete einst als Bürogehilfin. Beide haben zwei Kinder großgezogen. Aber seit zwei Jahren sind die Frauen die ersten Umschulerinnen, die beim DRK-Witten zur examinierten Altenpflegerin ausgebildet werden.

Eine Ausbildung machen mit über 40 Jahren? Bei Freunden und Familie ernten die Zwei dafür Respekt, auch wenn ihnen niemand den beruflichen Schritt nachmachen möchte. Doch Arbeitsplätze als Bürokraft sind rar. Da eröffnet der Mangel an Pflegefachkräften mehr Berufs-Chancen. Auch wenn die zwei dafür noch einmal die Schulbank drücken müssen.

Mama ist eine Streberin

„Zuhause bin ich die Streberin. Da werd’ ich dann gefragt: ,Na, hasse wieder ne Eins?’“, sagt Wuttke lachend. Die lange Lebenserfahrung macht viel aus. Aber vor allem falle Wuttke das Lernen sehr leicht, sagt sie über sich. Schmitz fällt das Büffeln schwerer. Aber ja, das alles muss sein. Auch wenn es den beiden bei ihrer Neuorientierung mehr auf die Praxis – die Hilfe für die Menschen — ankommt.

Ganz unabhängig kamen Wuttke und Schmitz im Laufe ihres Lebens ins Grübeln. Es war klar, sie wollten wieder arbeiten. Weil die Schwester von Birgit Schmitz selber Altenpflegerin ist, kam die 46-Jährige mit dem Beruf in Kontakt. Sie ließ sich sechs Monate lang zur Pflegeassistentin weiterbilden. „Mehr wollte ich eigentlich nicht. Doch meine Schwester hat mich überredet“, erinnert sich Schmitz. Hinzu kam, dass Schmitz ohne das anstrebte Examen bisher nur eine Teilzeitstelle als Pflegekraft angeboten bekam. Sie wollte aber in Vollzeit arbeiten, am liebsten ambulant. Im Grunde zählt für Schmitz wie Wuttke das Credo: Menschen kann man in deren eigenen zu Hause mit viel mehr Respekt pflegen.

Für Martina Wuttke sorgte die eigene Oma für den beruflichen Wendepunkt. Jahrelang pflegte sie ihre Oma, bis diese verstarb: „Dabei habe mir meine eigenen Tricks zurechtgelegt.“ Als Wuttke DRK-Pflegedienstleiterin Gabriele Zuber bei einer Ausbildungsmesse kennenlernte, ging es „ruckizucki“ in Richtung Ausbildung.

Ein großer Schritt für die beiden Frauen, wie auch für das DRK, versichert DRK-Sprecher Thomas Voß. Er will weitere Ausbildungsplätze schaffen, sagt Voß. Umschulerinnen sind weiterhin dringend erwünscht.

 

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