Menschen mit Behinderung machen in Witten ihr Sportabzeichen

Machen sich stark für ein Sportabzeichen für Menschen mit und ohne Behinderung: (v.l.) Daniela Dorgau, Björn Fischer, Frank Schweppe, Rainer Vogt, Ines Großer und Tanja Lücking.
Machen sich stark für ein Sportabzeichen für Menschen mit und ohne Behinderung: (v.l.) Daniela Dorgau, Björn Fischer, Frank Schweppe, Rainer Vogt, Ines Großer und Tanja Lücking.
Foto: Funke Foto Services
Erstmals haben vier Menschen mit Behinderung in Witten ihr Sportabzeichen gemacht. Das Projekt von Lebenshilfe und SSV fördert gemeinsame Teilhabe.

Witten..  Björn Fischer blickt stolz auf die Urkunde, die ihm bescheinigt, das er das silberne Sportabzeichen geschafft hat. Die entsprechende Nadel hat er sich auch gleich an den Pulli geheftet. Der 38-Jährige ist einer von vier Menschen mit Behinderung, die sich erstmals in Witten diese Auszeichnung verdient haben. Damit das nichts Besonderes bleibt, haben sich Lebenshilfe und Stadtsportverband (SSV) zusammengetan.

„Schließlich“, sagt Ines Großer (53) vom SSV, „ist die gemeinsame Teilhabe in allen Lebensbereichen ein Ziel der UN-Behindertenrechtskonvention.“ Sie selbst gehört zu einer der acht Arbeitsgruppen, die sich Anfang des Jahres gebildet haben, um diese Forderungen umzusetzen. Das Sportabzeichen sei eine Maßnahme, die kurzfristig ins Leben gerufen werden konnte – „eigentlich schon, bevor sich die Stadt richtig auf den Weg gemacht hat“.

Schnell überzeugt von der Idee war Daniela Dorgau (32), die den familienunterstützenden Dienst der Lebenshilfe leitet, also Menschen mit Behinderung zum Beispiel auch in Sachen Freizeitbeschäftigung berät. Schwimmen, Walken, Hallensport – das alles gebe es bereits als Spezialangebot der Lebenshilfe. „Inklusion wird für uns nicht bedeuten, diese Gruppen abzuschaffen, denn es wird immer Menschen geben, die in Regelgruppen nicht so gut aufgehoben sind. Trotzdem wollen wir uns öffnen.“

Die Vier, die das Abzeichen jetzt gemacht haben, sind zwischen Anfang 20 und über 50 Jahre alt. Drei haben eine geistige Behinderung, einer ist fast blind. Alle haben ihr Können in den Disziplinen Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit und Koordination erfolgreich unter Beweis gestellt – mit zwei goldenen, einem silbernem und einem bronzenen Abzeichen. „Werfen hat am meisten Spaß gemacht“, sagt Björn Fischer. 10,50 Meter hat er mit dem Medizinball geschafft und dafür regelmäßig jeden Freitag im Wullenstadion trainiert – wie alle anderen Bürger mit sportlichem Ehrgeiz.

Trotzdem erforderte das Projekt zusätzliches Engagement, in diesem Fall von Rainer Vogt. Der 71-Jährige prüft all jene ehrenamtlich, die das Abzeichen beim SSV machen wollen. Nun hat er sich darin fortgebildet, auch Menschen mit Behinderung zu prüfen. Denn manches Handicap erfordere besondere Maßnahmen. „Wir haben etwa mit der Pfeife Geräusche gemacht, damit der Mann mit der geringen Sehfähigkeit wusste, wohin er werfen musste.“

Auf lange Sicht wollen Lebenshilfe und SSV den Bedarf für weitere inklusive Sportangebote erfragen: Wandern käme in Frage, so Ines Großer, Radfahren oder auch Tanzen. Mit dem Sportabzeichen soll es natürlich weitergehen. „Ich mache auf alle Fälle wieder mit“, sagt Björn Fischer.

 

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