Mehr junge Wittener konsumieren Drogen

Heike Malz (li.) und Heidrun Schulz-Rabenschlag informierren über die Arbeit der Sucht- und Drogenhilfe Witten.
Heike Malz (li.) und Heidrun Schulz-Rabenschlag informierren über die Arbeit der Sucht- und Drogenhilfe Witten.
Foto: Funke Foto Services
Die Zahlen steigen nicht dramatisch, aber stetig. Viele konsumieren Cannabis. Die Sucht- und Drogenhilfe sieht weiteres Gefahrenpotenzial.

Witten.  Die Zahl der drogenabhängigen jungen Menschen steigt – nicht dramatisch, aber stetig. Vor allem Cannabis und chemische Stoffe sind bei ihnen beliebt. Diese Entwicklung beobachtet die Sucht- und Drogenhilfe der Diakonie Mark-Ruhr aktuell in Witten. Schon 2015 habe sich der Anteil der Konsumenten zwischen 16 und 20 Jahren um zehn Personen erhöht. „Auch im ersten Halbjahr 2016 sieht das ähnlich aus“, sagt Heike Malz (46). Die Wittener Diplom-Sozialarbeiterin leitet seit Mai die Beratungsstelle an der Röhrchenstraße.

Deshalb sei im letzten Jahr insgesamt der Anteil derjenigen, die Betäubungsmittel konsumieren, mit 253 Personen erstmals seit 1999 höher gewesen, als der Anteil der Konsumenten legaler Suchtmittel. 227 der Beratenen waren abhängig von Alkohol oder Medikamenten. „Wir erklären das damit, dass es bei den jungen Menschen eine sehr hohe Verbreitung und Akzeptanz von Cannabis und chemischen Drogen wie Amphetaminen gibt“, so Heike Malz. „Vor allem Cannabis rutscht im Bewusstsein der Jugendlichen immer weiter an den legalen Bereich heran.“ Zudem sei es zusehends leichter, an die Droge heranzukommen – auch übers Internet.

Stichwort weltweites Netz: Die Beratungsstelle erwarte, dass in Zukunft mehr Medienabhängige dort Hilfe suchen. Neben Automatenspielen entwickele sich vor allem das Internet zur Suchtgefahr – „nicht nur bei jungen Leuten“. Viele seien sich gerade in diesem Bereich nicht ihrer Abhängigkeit bewusst. Doch es gebe eindeutige Anzeichen: Menschen, die so sehr in ihre Online-Welt eintauchen, dass sie darüber den normalen Tagesablauf vernachlässigen, nicht mehr duschen oder in Pizzaschachteln versinken. Eltern, die sich Sorgen über den PC-Konsum ihrer Kinder machen, rät Malz: „Gucken Sie nicht auf die Stundenzahl, sondern darauf, ob der Nachwuchs noch anderen Hobbys nachgeht oder einen Freundeskreis hat.“ Wenn nicht, dann gelte „Alarmstufe Rot“.

Strafen sind keine Lösung

Wer unsicher sei, der könne einfach mal zu einer Beratung vorbeikommen. Denn auch drakonische Strafen oder strenge Regeln böten meist keine dauerhafte Lösung: „Suchen Sie lieber das Gespräch mit Ihrem Kind.“ Eltern sollten sich auch ihrer Vorbildfunktion bewusst sein, etwa beim Umgang mit Alkohol: „Viele Kinder wachsen heute ja schon in konsumierende Familien hinein.“

Das bringe langfristig ein weiteres Problem mit sich: pflegebedürftige Drogenabhängige. „Die gab es vor 20 Jahren noch nicht“, sagt Heike Malz. Wen sie und ihr Team außerdem im Blick haben müssen: traumatisierte Flüchtlinge. „Denn Suchtmittel bieten die Möglichkeit, Ängste abzubauen.“

 
 

EURE FAVORITEN