Mauer und Bäume trotz Brutzeit weg

Wo früher eine Mauer die Straße „Drei Könige“ vom Brachgelände der Bahn trennte, ist jetzt ein aufgeschütteter Erdwall. Dass die Anwohner darüber nicht informiert wurden, ärgert Matthias Köcher.
Wo früher eine Mauer die Straße „Drei Könige“ vom Brachgelände der Bahn trennte, ist jetzt ein aufgeschütteter Erdwall. Dass die Anwohner darüber nicht informiert wurden, ärgert Matthias Köcher.
Foto: Walter Fischer
Bahn beruft sich auf Verkehrssicherungspflicht. Steine hätten sich aus Mauerwerk gelöst. Anwohner der Straße „Drei Könige“ sauer: „Wir wurden nicht informiert“

Witten.  Sie ist klein und unscheinbar – und trotzdem ist wohl jeder Wittener schon mal durch die Straße „Drei Könige“ gefahren. Denn sie führt vom Aldi-Parkplatz auf die Hans-Böckler-Straße. Dass sie jetzt völlig anders als noch vor einer Woche aussieht, bringt die Anwohner auf die Palme. Denn die Deutsche Bahn, der die angrenzende Brachfläche gehört, hat die etwa 100 Meter lange Bruchstein-Ziegel-Mauer abreißen lassen. „Wir wurden nicht einmal informiert“, ärgert sich Anwohner Matthias Köcher.

Am Dienstagmorgen seien die Bagger angerollt und hätten die Mauer Stück für Stück dem Boden gleich gemacht und auch mehrere Bäume gefällt. „Es wäre schön gewesen, wenn man uns im Vorfeld etwas gesagt hätte“, so Köcher. So hätte niemand gewusst, wer für diese Baumaßnahme verantwortlich sei und wieso sie überhaupt durchgeführt würde. Denn, so kritisiert der 46-Jährige weiter, gerade im Frühling, wenn die Vögel brüteten, sei die denkbar schlechteste Zeit, Nistplätze zu zerstören. „Das hätte man wirklich auch im Frühjahr oder Herbst machen können“, so Köcher.

Die Bahn hatte keine Wahl, sagt hingegen ein Sprecher: „Die Mauer war baufällig und musste aufgrund der Verkehrssicherungspflicht abgerissen werden.“ Es hätten sich bereits Steine gelöst. Und weil an der Mauer Auto parkten, sei das Risiko, dass ein Fahrzeug beschädigt oder ein Mensch verletzt würde, zu groß. Da könne man auch nicht auf den Herbst warten, so der Sprecher weiter: „Wenn Gefahr besteht, müssen wir handeln, notfalls sofort.“

Dass die Einwohner von der Baumaßnahme überrumpelt wurde, tue ihm leid: „Das war ein Kommunikationsproblem.“ Normalerweise bekomme er Informationen über Baumaßnahmen der Bahn auf den Tisch, schreibe eine Pressemitteilung und die Anwohner würden dann über die Zeitung informiert. Das habe diesmal nicht geklappt.

Für Matthias Köcher ist die Begründung „Verkehrssicherungspflicht“ keine Überraschung. Das habe die Bahn auch schon vor einigen Jahren geltend gemacht, als sie ebenfalls zur Brutzeit „Bäume ohne Ende“ auf dem Gelände gefällt habe. „Ich habe beim Bund für Umwelt und Naturschutz angerufen. Die sagten, die Bahn dürfe das, da könne man nichts machen“, erinnert sich der 46-Jährige.

Von der Mauer sind jetzt nur noch kleine Steinreste im etwa vier Meter hohen Erdwall zu erkennen, die die Baufirma in den letzten Tagen aufgeschichtet hat. Der soll im Laufe dieser Woche jetzt noch begrünt werden, kündigt die Deutsche Bahn an. „Hoffentlich kommt nicht alles runter, wenn es man Starkregen gibt“, hofft Matthias Köcher beim Blick auf den neuen Wall. „Da besteht keine Gefahr“, so die Bahn. „Das wird alles verfestigt.“

 
 

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