Leise bröckelt der Putz

Putz und Farbe fallen durch Feuchtigkeit im oberen Treppenhaus des Rathauses ab. Das Gebäude ist an vielen Stellen sanierungsbedürftig. Nun löste sich auch ein Betonteile der Fassade. Foto: Olaf Ziegler / WAZ FotoPool
Putz und Farbe fallen durch Feuchtigkeit im oberen Treppenhaus des Rathauses ab. Das Gebäude ist an vielen Stellen sanierungsbedürftig. Nun löste sich auch ein Betonteile der Fassade. Foto: Olaf Ziegler / WAZ FotoPool
Foto: WAZ FotoPool / Olaf Ziegler

Witten.. Der vom Rande des Rathausdaches abgeplatzte Beton liegt noch auf dem Gehweg, der Bereich wurde großräumig abgesperrt. „Am Freitagnachmittag wurde per Gerüst ein Fußgängertunnel errichtet, damit die Leute wieder sicher hier hergehen können“, erklärt der städtische Bauleiter Udo Klapp (48).

Wie bereits berichtet, hatte sich am Donnerstagnachmittag ein etwa 60 Zentimeter langes Betonteil aus dem Dachüberstand des Rathauses an der Ecke Widey-/Ruhrstraße gelöst und war hinab gefallen. Verletzt wurde niemand. „In den nächsten Tagen wird ein hohes Gerüst aufgebaut und wir werden untersuchen, ob es dort weitere Schäden geben könnte“, so der Bauleiter. Ursache für den abgeplatzten Beton könne beispielsweise eine Undichtigkeit in dem darüber liegenden Flachdach sein, durch die über längere Zeit Feuchtigkeit eingedrungen sei, vemutet der 48-Jährige.

Gerüste bräuchte es viele, um die zahlreichen Schadstellen und Knackpunkte am Rathaus mal großflächig anzugehen. „Immer wieder müssen Ziegel, die in die Jahre gekommen sind, ausgetauscht werden, wo das Dach undicht ist“, erklärt Klapp. Zum Glück seien bisher noch keine auf den Gehsteig oder den Rathausplatz gefallen. Aber das Dach ist längst nicht mehr zeitgemäß, in weiten Teilen ohne Dämmung. Eine Komplettsanierung des Daches wäre wünschenswert, „aber die kostet locker so viel wie ein ganzes Einfamilienhaus“, meint Klapp. Auch im obersten Flur und einem dortigen Büro sind abgeplatzte Farbe oder Stockflecken durch vom Dach eingedrungene Feuchtigkeit zu sehen.

Apropos Farbe: Der Fassadenanstrich von 1978 habe „die Wirkung einer flüssigen Folie“. Die im Rathausinneren entstehende Feuchtigkeit könne nicht nach außen entweichen und zerstöre dadurch den Putz, weil der nicht mehr austrocknen könne. Das habe man damals nicht geahnt, als man stolz gewesen sei, eine „schlagregendichte Fassade“ zu haben. Eine Sanierung würde in diesem Fall bedeuten: „Der Putz muss runter bis auf die Steine.“

Auch im Keller sieht es nicht rosig aus: Durch Feuchtigkeit platzt der Putz von den meterdicken Wänden. Aber die dort stehende Heizung sei „in Ordnung“, so der Bauleiter. Sie wurde in den 1980er Jahren erneuert, inklusive aller Heizrohre und -körper. Und auch fast alle Toiletten seien vor etwa zehn Jahren saniert worden. Dafür seien die Wasserrohre alt und sorgten damit an einigen Stellen für nasse Wände.

Was also tun? Im Juli 2011 hatte der Haupt- und Finanzausschuss (HFA) eine Firma beauftragt, die Wirtschaftlichkeit einer Rathaussanierung zu prüfen. „Nach einer Bestandsaufnahme des Gebäudes und eingehenden Berechnungen wird das Büro in Kürze die bisherigen Ergebnisse in der Lenkungsgruppe vorstellen“, so Stadtsprecherin Lena Kücük. Dieser Gruppe gehören u. a. Vertreter der Fraktionen, Kommunalaufsicht und Fachleute der Verwaltung an.

Aufgrund dieser Wirtschaftlichkeitsprognose würden die Beteiligten dann entscheiden, ob man die Planung vertiefe. Unter der Prämisse der Wirtschaftlichkeit seien viele Szenarien denkbar: „von weiter wie bisher, also nur erneuern, was unbedingt notwendig ist, bis zur Komplettsanierung“, so die Stadtsprecherin. Bei einer solchen Grundsanierung standen seitens der Politik bereits Summen von 25 bis 30 Millionen Euro im Raum.

Eine positive Einschätzung hat Udo Klapp allerdings: „Das Rathaus wurde grundsolide gebaut.“ So seien beispielsweise die Betonteile, Mauern und der Dachstuhl völlig in Ordnung. Und er meint lächelnd: „Das Gebäude steht noch, wenn ich längst in Rente bin.“

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