Leidemann und Schweppe wollen sich nicht festlegen

Die Piraten und die Linken sind gegen die Erschließung neuer Gewerbegebiete in Heven und Stockum. Piraten-Bürgermeisterkandidat Stefan Borggraefe wünscht sich frei nach den Beatles für immer Erdbeerfelder.
Die Piraten und die Linken sind gegen die Erschließung neuer Gewerbegebiete in Heven und Stockum. Piraten-Bürgermeisterkandidat Stefan Borggraefe wünscht sich frei nach den Beatles für immer Erdbeerfelder.
Foto: Funke Foto Services
Bei der Frage, ob interkommunale Gewerbegebiete in Stockum und Heven entstehen sollen, halten sich Leidemann und Schweppe alle Möglichkeiten offen.

Witten..  Die Einrichtung interkommunaler Gewerbegebiete in Heven und in Stockum ist ein Streitthema. Initiativen vor Ort lehnen die Umwidmung der Freiflächen ab. Experten gehen von einem Gewerbeflächenbedarf von 35 Hektar in Witten aus. Zur Zeit prüft der Regionalverband Ruhr (RVR), ob die Flächen an der A 43 (Heven) und der A 44 (Stockum) geeignet sind zur Aufnahmein den neuen Regionalplan, der ab 2018 gelten soll. Auch dann hätte Witten noch das Heft in der Hand, denn der Flächennutzungsplan müsste hier geändert werden. Die WAZ hat die Bürgermeistekandidaten gebeten, Farbe zu bekennen: Unterstützen Sie die Einrichtung dieser Gewerbegebiete oder lehnen Sie diese ab? Aus welchen Gründen? Welcher Schritt soll der nächste sein?

Als Bürgermeisterin und Wirtschaftsförderungsdezernentin sind mir Bestandspflege und -erhalt unserer Unternehmen sehr wichtig. Deshalb haben wir zunächst ehemalige Brachflächen wie Drei Könige oder den ehemaligen Güterbahnhof Witten-Ost mit hoher Priorität entwickelt. Zudem führe ich regelmäßige Gespräche mit den Verantwortlichen in Bochum wegen einer Beteiligung an der Entwicklung der Opelflächen.

Leidemann: Erst nach umfangreicher Umweltprüfung entscheiden

Auf Beschluss des Rates sind vor einer Diskussion interkommunaler Gewerbegebiete in Stockum und Heven umfangreiche Untersuchungen hinsichtlich der Umweltbelange (Artenschutz, klimatische Auswirkungen etc.) von neutraler Stelle, dem Regionalverband Ruhr, durchzuführen, um eine Eignung festzustellen. Erst danach kann eine Entscheidung darüber getroffen werden, ob diese Flächen als interkommunale Gewerbeflächen ausgewiesen werden können. Die Ergebnisse dieser Prüfungen sind abzuwarten.

Gleichzeitig sind mit dem EN-Kreis und den beteiligten Städten noch viele Fragen bezüglich dieser interkommunalen Kooperation zu beantworten. Erst dann kann in einem umfangreichen und sicherlich sehr schwierigen Abwägungsprozess durch Ratsbeschluss entschieden werden, ob es ein solch neues interkommunales Gewerbegebiet gibt.“
Sonja Leidemann


Schweppe: Keine Option für Stadtentwicklung aus der Hand geben

„Ich möchte einfach keine Option für die Entwicklung dieser Stadt aus der Hand geben. Wir reden doch noch gar nicht konkret über die t a t s ä c h l i c h e Einrichtung von Gewerbegebieten. Wir reden über die Sicherung von Standorten, die zukünftige Entscheidungen möglich machen.

Daher finde ich die Prüfung durch den RVR in Ordnung. Wenn ich heute bereits eine ablehnende Haltung einnehme, gehen uns Gestaltungsräume für die Zukunft schon heute sicher verloren. Das halte ich nicht für klug. Die Arbeit des RVR wird noch einige Jahre dauern. Wir wissen nicht, welche Anforderungen sich für Witten um 2020 stellen. Die Stadt benötigt Ausbildungs- und Arbeitsplätze für die hier lebenden Menschen. Ich möchte Zukunftsperspektiven für den Industriestandort erhalten.

Weiterhin müssen wir mit den Nachbarkommunen im Gespräch bleiben. Wir können die Zeit nutzen. Ich halte es für geboten, mit den Menschen, die für den Fall einer Änderung des Flächennutzungsplans Widerstand angekündigt haben, schon heute den Gedankenaustausch zu suchen. Ich möchte wissen, welche Sorgen sie haben und warum sie sich weit im Vorfeld konkreter Planungen gegen diese Variante aussprechen.“ Frank Schweppe

Borggraefe: Verlust an Lebensqualität und Natur

„Ich lehne sie in beiden Fällen ab. Ich bewerte den Verlust an Lebensqualität und Natur höher als die zweifelhaften wirtschaftlichen Vorteile. Bei diesen Flächen würde die Gewerbesteuer auf mehrere Kommunen aufgeteilt, der Flächenverlust läge komplett in Wittener Gebiet. Ausgleichsflächen werden irgendwo im Kreis liegen und nicht die gleiche Qualität haben. Die Initiativen in Stockum und Heven sollten sich noch besser vernetzen. Wegen des Bevölkerungsrückgangs auf 90 000 Menschen bis 2030 stelle ich den Bedarf an komplett neuen Gewerbeflächen in Frage.“ Stefan Borggraefe

Weiß: Fläche liegt im regionalen Grünzug

Die Gewerbegebiete in Stockum und Heven lehne ich ab. Die Fläche in Heven liegt im geschützten regionalen Grünzug. Die Erdbeerfelder würden versiegelt und als Straßen und Bauflächen genutzt. Vor 20 Jahren ist durch die Bürgerinitiative, in der ich aktiv mitgearbeitet habe, die Errichtung einer Klärschlammverbrennungsanlage des Ruhrverbands im Ölbachtal auf Bochumer Seite verhindert worden. Heute freuen sich alle, dass diese nicht entstanden ist.

Das Gewerbegebiet in Stockum ist auf besten Ackerböden geplant. Diese Flächen sollten nicht versiegelt und bebaut werden. Von Seiten der Stadtverwaltung sollten Gespräche mit Anwohnern und Mitgliedern der Initiativen geführt werden. Die Planungen sollten nicht gegen die Interessen der dort lebenden Bürger durchgeführt werden. Falls Wittener Unternehmen auf die Opel-Flächen wechseln, sollte die Gewerbesteuer anteilig nach Witten fließen.“ Ursula Weiß

Budziak: Interkommunale Zusammenarbeit unterstützen

Ich unterstütze jede interkommunale Zusammenarbeit, also auch die bei der Ausweisung von Gewerbegebieten. Voraussetzung ist, dass solche Vorhaben eingebettet sind in ein Gesamtkonzept, welche Firmen mittel- und langfristig angesiedelt werden sollen, wo die Beschäftigten wohnen sollen und in welchen Einrichtungen sie ausgebildet werden sollen. Die Vorteile der gemeinschaftlichen Gewerbegebieten liegen vor allem bei den geringeren Kosten, die jede einzelne Kommune bei der Erschließung zu tragen hat. Des Weiteren werden mögliche Konflikte zwischen den Kommunen bei einer Ansiedlung vermieden.“ Walter Budziak

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