Kulturszene mit „Provinz-Charme“

Ein beliebter Veranstaltungs- und Tagungsort: Haus Witten.
Ein beliebter Veranstaltungs- und Tagungsort: Haus Witten.
Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool
Etwa 70 Teilnehmer kamen zur zweiten Sitzung des Kulturentwicklungsplans. Gemeinsam analysierten sie Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken.

Witten.  Blendendes Wetter und eine frühe Uhrzeit am Nachmittag sind nicht gerade die beste Voraussetzung, um eine große Anzahl von Menschen in einen Theatersaal zu locken. Dass an der zweiten Sitzung der Kulturentwicklungsplanung trotzdem rund 70 Personen teilnahmen, zeigt das enorme Interesse, an der Zukunft der Wittener Kulturpolitik mitwirken zu wollen. Gleichzeitig wird aber auch deutlich: Das Pilotprojekt des Landschaftsverbands könnte eine echte Chance für die Ruhrstadt sein.

Neben Chancen und Stärken standen diesmal aber auch Risiken und Schwächen der Wittener Kulturlandschaft auf dem Programm. In kleinen Gruppen sammelten und diskutierten die Teilnehmer jeweils ihre Eindrücke. Pro Station hielt ein Moderator die Ergebnisse auf einer Stellwand fest.

Stärken und Chancen

Eine der größten Stärken, da waren sich die Teilnehmenden einig, sei die Vielfalt der zahlreichen Angebote. Fast jeden Tag gebe es mehrere Veranstaltungen, die den potenziellen Besuchern zur Auswahl stehen: von den Tourneetheatern und Konzerten der Theatervereine bis hin zu kreativen Initiativen aus Witten, wie lokale Theatergruppen oder eine florierende Jugendszene in der Werkstadt.

Hinter diesen Angeboten stehen viele Kulturschaffende, die teils beruflich, zum großen Teil aber auch ehrenamtlich, aktiv sind. Ihr bestehendes Netzwerk untereinander weiter auszubauen und Kooperationen zu schaffen, sei eine gute Chance für die Zukunft der Kultur.

Die geografische Lage zwischen Großstädten und ländlicher Umgebung bringe zudem einen gewissen „Provinz-Charme“ mit sich. Die Wege von einem Veranstaltungsort zum nächsten seien kurz und zu Fuß oder per Bus gut erreichbar.

Schwächen und Risiken

Doch sich im Spannungsfeld der Großstädte zu behaupten sei schwierig. Außerdem fehle vielen Veranstaltungen junges Publikum. Deshalb müsse an Werbung und Medienpräsenz der Kultur stärker gearbeitet werden, meinten viele Teilnehmer.

Die große aktuelle Schwäche aber sei die Konfliktsituation zwischen Politik und Kulturschaffenden, die sich besonders nach der gescheiterten Bürgerwerkstatt verhärtet hatte. Auch Moderator Reinhart Richter, der im Auftrag des Landschaftsverbands die Workshops in allen Städten leitet, hat in seiner kurzen Zeit in Witten die „heftige kulturpolitische Auseinandersetzung“ erkannt: „Möglicherweise sind die Rahmenbedingungen hier etwas schwierig“, meint er. Aber: „Ich bin zuversichtlich.“

 
 

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