Kulturloge für Arme

Witten.  Menschen, die ein geringes Einkommen haben, soll der Besuch von Theateraufführungen und Konzerten ermöglicht werden. Das sieht das Konzept „Kulturloge“ vor.

Über den Antrag zur Einführung des Konzepts, eingebracht von der Fraktion Die Grünen, unterstützt von SPD-Fraktion und WBG, wird der Verwaltungsrat Kulturforum in seiner Sitzung am 28. September beraten.

Die Idee kommt aus Essen. Hier ging der Verein „Kulturloge Ruhr“ mit inzwischen zwölf Ehrenamtlichen nach dem Vorbild von Kulturlogen in Berlin und Marburg 2010 an den Start - mit Erfolg. „Bei uns sind schon 600 Gäste registriert“, so Vereinsvorsitzende Antonia Illich.

Menschen mit nachweisbar geringem Einkommen können sich registrieren lassen. „Wir sind gemeinnützig, müssen belegen, dass die Karten an Menschen gehen, die sie sich sonst nicht leisten können“, so Illich. Veranstalter überlassen dem Verein Restkontingente, also Karten, die wohl nicht mehr verkauft werden.

„Wir schreiben die Kulturinteressierten dann an oder rufen sie an und vermitteln die Karten“, erklärt Illich. Eintritt müssen sie nicht zahlen.

700 Tickets wurden insgesamt bereits vermittelt - darunter vom GOP, der Philharmonie in Essen, freien Theatern, der Ruhrtriennale oder der Extraschicht. „Aber die Tendenz steigt. Allein diesen Monat konnten wir 300 Tickets vergeben“, freut sich die Engagierte.

Darum dachte sie an eine Ausweitung des Projekts. In Witten war die Werkstadt sofort dabei. „Sie vermittelt uns Kunden, stellt aber auch Karten zur Verfügung“, so Illich. Die Ausweitung aufs Ruhrgebiet hält sie für sinnvoll: „Das nur auf eine Stadt zu begrenzen wie in Berlin und Marburg, das funktioniert im Ruhrgebiet einfach nicht.“ Die Menschen hier dächten über Stadtgrenzen hinaus.

„Der Antrag wird ganz klar genehmigt“, ist sich das Wittener Ratsmitglied Paul Wood von den Grünen sicher. Er bekam schon Signale von freien Theatern in Witten, dass sie dabei sein werden. Dass ein Saalbau-Besuch möglich sein wird, hofft er. „Vielleicht beteiligt sich in Zukunft auch mal ein Kino“, ist er optimistisch.

Die Idee sei für Witten einfach gut, findet Grünen-Fraktionsgeschäftsführerin Ulrike Heine: „Karten sind oft teuer, ich habe nur eine halbe Stelle, bei manchen Sachen überlegt man selbst schon, ob das drin ist. Wer kein Geld hat, kann so dennoch am kulturellen Leben teilnehmen. Das ist für die Bildung wichtig.“ Wie das Projekt in Witten ausgestaltet werde, müsse man noch sehen.

ANMELDUNG UND KARTENVERGABE:

Die Anmeldung läuft zumeist über soziale Träger, mit denen der Kulturgast eh in Kontakt steht. Ist der Kulturgast einmal registriert, wird er etwa einen Tag vor einer Veranstaltung gefragt, ob er auf die „Gästeliste“ gesetzt werden möchte.

 
 

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