Künstler wollen mehr mitbestimmen

Gelobt wurde die Veranstaltung „Nachtasyl“ der Kulturinitiative Stellwerk zur Belebung leerstehender Ladenlokale. Foto: Walter Fischer / WAZ FotoPool
Gelobt wurde die Veranstaltung „Nachtasyl“ der Kulturinitiative Stellwerk zur Belebung leerstehender Ladenlokale. Foto: Walter Fischer / WAZ FotoPool
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Witten.  Die Kulturentwicklungsplanung des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe nähert sich dem Ende.

Beim vorletzten Workshop des Pilotprojekts erarbeiteten Kulturinteressierte, Künstler, Verwaltungsmitarbeiter und Politiker im Wittener Saalbau neue Ziele für die Kulturpolitik.

Rege diskutiert wurde der Wunsch nach einem „unabhängigen Kulturbeirat oder Gremium“. Insbesondere die Künstler der Ruhrstadt wünschen sich mehr Transparenz und Mitspracherecht bei kulturpolitischen Entscheidungen. „Kulturschaffende, die es betrifft, sollten eingebunden sein, damit nicht über ihre Köpfe entschieden wird“, plädierte Schauspielerin Sonni Maier. Mehr Einblicke, mehr Mitbestimmung: Das ist schon seit langem der Wunsch der freien Szene in Witten. Derzeit werden Fördergelder – etwa von den Stadtwerken – vom Kulturforum verwaltet. Kulturschaffende können sich mit einzelnen Projekten bewerben und erhalten Förderungen verschiedener Höhe. In einem Kulturbeirat würden die selbstständigen Künstler nicht zuletzt auch über diese Förderungen mitentscheiden.

Doch dass die Künstler selbst über ihre eigenen Zuschüsse mitentscheiden wollen, sahen einige Bürger kritisch: „Wir haben Ausschüsse, die demokratisch legitimiert sind, die darüber entscheiden“, gab etwa Historiker Ralph Klein zu bedenken. Er meint: „Wenn Künstler mitentscheiden wollen, sollen sie sich politisch engagieren.“ Genau dies sei ja die Absicht der Künstler, entgegnete Sonni Maier: „Wir wollen unseren Sachverstand einbringen, um die Politik zu unterstützen.“

Eine andere Teilnehmerin regte an, das Gremium auch für Kultur-Konsumenten, wie sie selbst eine sei, zu öffnen.

Einig waren sich die meisten Teilnehmer in grundlegenden Verbesserungsmöglichkeiten: von Netzwerkbildung über stärkere Einbindung der Natur bei Kulturprojekten bis hin zur besseren Nutzung von Leerständen. Als besonders positiv etwa stellte eine Arbeitsgruppe das Projekt „Nachtasyl“ heraus: Am kommenden Samstag lässt die Kulturinitiative Stellwerk dabei erneut leerstehende Ladenlokale für eine Nacht lang mit Theater und Performances bespielen. Davon angeregt, kamen Vorschläge auf, Leerstände als Ateliers, Cafés oder Ausstellungsflächen auf Zeit zu nutzen.

Bei der nächsten Sitzung, der „offenen Werkstatt“ Anfang Dezember sollen Pläne erarbeitet werden, wie sich einzelne Ziele umsetzen lassen. Die Ergebnisse des Pilotprojektes sollen – so wünscht es sich die Stadt – künftig den Grundstein für einen „Masterplan“ für die Kulturpolitik legen.

 
 

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