Kreischen inbegriffen

In Feierstimmung waren auch diese beiden Mädchen beim Frühlingsvolksfest in Annen. Foto: Walter Fischer / WAZ FotoPool
In Feierstimmung waren auch diese beiden Mädchen beim Frühlingsvolksfest in Annen. Foto: Walter Fischer / WAZ FotoPool
Foto: Fischer / WAZ FotoPool

Witten.. Zum zweiten Mal in Folge dreht sich das Karussell eine Runde rückwärts auf dem Wickmann-Gelände. Das Frühlingsvolksfest in Annen kann neben den üblichen Fahrgeschäften auch Neuheiten bieten.

Den Auftakt zum viertägigen Volksfest, das bis zu diesem Montag läuft, bildete der Auftritt von Schlagersänger Michael Wendler am Freitagabend auf einer eigens aufgebauten Bühne. Das gute Wetter trug dazu bei, dass am gesamten Wochenende der Besucherstrom auf dem Wickmann-Gelände nicht abriss.

Kinder, Omas, Jugendliche und Großfamilien tummeln sich auf dem mit Schotter ausgelegten Gelände und versuchen ihr Glück beim Enten angeln, drehen auf dem Breakdance um die eigene Achse und rammen sich gegenseitig beim Autoscooter. Zum ersten Mal mit dabei ist das 3D-Labyrinth, das den Besucher in die 70er Jahre zurückführt.

Melanie (12) und Leslie (13) wagen die Reise in die Vergangenheit, setzen sich die Brille, wie man sie aus dem Kino kennt, auf und treten in den engen Gang ein. Schon bei der ersten Biegung kreischen die beiden Mädels um die Wette. Obwohl es kein Gruselkabinett ist, sind die Lichter und Farben, die durch den 3D-Effekt noch intensiver wirken, durchaus erschreckend. Besonders wackelig wird es in einer engen Röhre, die sich dreht. „Da bekommt man das Gefühl, dass sich die Brücke, über die man wandert, ebenfalls dreht“, meint Leslie.

Am Ende des Tunnels wartet noch ein großer Schreckmoment auf die beiden Mädchen. Als sie um die letzte Ecke biegen wollen, werden sie plötzlich von hinten gepackt. Die menschliche Hand, die aus einer kleinen Öffnung hervor schießt, ist auch genauso schnell wieder verschwunden. Aber erst, nachdem sie den Besucher in den Arm gezwickt hat. „Das ist wirklich ganz lustig, aber irgendwie auch völlig abgedreht“, sind sich die beiden Teenager einig.

Schausteller Karl Häsler (50), der das Labyrinth betreibt, ist nur spontan auf der Kirmes gelandet. Eigentlich ist er auf der Durchreise nach Paris. „Wir haben eine große LED-Leinwand auf der Kirmes montiert, da wurden wir gefragt, ob das Kabinett nicht auch einige Tage hier bleiben kann“, erzählt der Schausteller. Allerdings würden es die Besucher nicht so gut annehmen. „Viele wissen nicht, was sie erwartet. Da sind sie dann skeptisch.“

Für Rollstuhlfahrerin Ellen Lappen geht auf dem Hip-Hop-Karussell ein kleiner Traum in Erfüllung. Mit vereinten Kräften wird die 60-Jährige aus ihrem Stuhl in den Sitz gehoben. Seit zwölf Jahren ist sie querschnittsgelähmt, aber auf die Kirmes wollte sie trotzdem mal wieder. Die Freude ist der 60-Jährigen während der gesamten Fahrt ins Gesicht geschrieben. Ebenso glücklich schauen die Behinderten von der Lebenshilfe aus, als sie mit ihren Betreuerinnen Autoscooter fahren dürfen. Der 40-jährige Markus kann gar nicht mehr aufhören zu grinsen. Mit hoch erhobenen Daumen kommt er zu seiner Gruppe zurück und sagt nur: „Klasse“.

Neben dem Trubel auf der Kirmes waren einige Geschäfte am Sonntag geöffnet. Wegen des guten Wetters hoffe man auf regen Betrieb, so eine Mitarbeiterin. Am Montag gibt es den großen Familientag. Auf allen Karussells kann man einmal zahlen, aber zweimal fahren. Na dann: Eine Runde rückwärts, bitte!

 

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