Knapper Sieg für Pizza und Pommes

Freuen sich auf Frikadellen mit Pommes:  (v.l.) Die Ruhr-Gymnasiastinnen Lena Freisenhausen (15), Sarah Mäkelburg (14) und Eva Berg (14). Foto: Gero Helm / WAZ FotoPool
Freuen sich auf Frikadellen mit Pommes: (v.l.) Die Ruhr-Gymnasiastinnen Lena Freisenhausen (15), Sarah Mäkelburg (14) und Eva Berg (14). Foto: Gero Helm / WAZ FotoPool
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Witten..  Oma kann kann super kochen, kein Widerspruch erlaubt. Aber wie schmeckt’s Wittener Schülern zwischen in der Mensa? Ein Besuch in vier Schulkantinen.

Es ist Punkt halb zwei. 20 Viertklässler der Erlenschule sitzen auf ihren kleinen Stühlen und rufen ihren Schlachtruf: „Haut rein, schmeckt fein!“ Wer fleißig lernt und schwitzt, hat eben Kohldampf. Also: Ran an die Teller, fertig, los.

Heute steht Frikadelle mit Rotkohl und Klößen auf dem Speiseplan. Die Portionen bestimmen die Schüler selbst: auf den Tischen stehen Schüsseln zum Bedienen. 60 sind in der OGS angemeldet, je 20 verteilen sich auf eine der drei Essensgruppen. Treffpunkt ist die Kita hinter der Erlenschule. Hier gibt’s Platz. Und vor allem: eine Küche.

„Alle zwei Wochen werden die Zutaten für die Gerichte tiefgekühlt geliefert, gelagert und nach Bedarf zubereitet“, erklärt Sabine Schütz. Immer auf dem Teller: Salat oder Gemüse. „Gesunde Ernährung ist uns wichtig“, so Sabine Schütz (46), die Leiterin der Offenen Ganztagsschule. Nur Schweinefleisch ist tabu. „Wir haben viele muslimische Kinder.“ Dennis (10) schmeckt’s so oder so. „Alles ist lecker.“ Aber: „Am meisten freu ich mich, wenn’s Pizza gibt.“

An der Holzkamp-Gesamtschule ist Pizza kein Fremdwort. Montags, mittwochs und donnerstags, wenn der Nachmittags- Unterricht ruft, ist die „Censa“ geöffnet – eine Mischung aus Cafeteria und Mensa. „Sündige Zwischenmahlzeiten“ sind immer im Angebot: Pommes, überbackene Fladenbrote und eben Pizza. Ein Mittagessen gibt’s auch. Für 2,80 Euro können sich Schüler eine Essensmarke bestellen.

„Wir kaufen Fleisch, Gemüse, Kartoffeln, Reis und Nudeln in größeren Mengen ein und stellen die Gerichte nach Bedarf zusammen“, sagt „Censa“-Chefin Siglinde Witoschek. Salat und Gemüse seien nicht immer dabei.sie sind eben nicht die Renner. „Wie wissen, was unseren Schülern schmeckt.“ Und was?

Diesmal schlägt eine Handvoll Schüler beim Hähnchen mit Rösti zu. „Mal kommen zehn Schüler, mal 20“, zählt die Küchenleiterin. Viele entschieden sich für die Pommes vor der Schultür. Luca-Marie (12) schmeckt’s aber auch an ihrer HGE. „Wie bei Mama zu Hause.“ Ein größeres Lob gibt es doch gar nicht.

Mehr los ist beim Ruhr-Gymnasium. Im „Ruhrcafé“ stürmen gerade etliche hungrige Fünftklässler auf Wanda Rams (53) und Kollegin Gabriele Stumpe (50) zu. Die beiden geben heute Frikadellen, Bohnen, Gemüse-Auflauf und – ganz wichtig – Pommes aus. Jan (11) lässt die Fleischbällchen lieber weg („Die sind zu fettig!“), Maja (11) macht ums Gemüse einen Bogen („Die Soße mag ich nicht“). Beide sind sich aber einig: „Sonst schmeckt’s gut hier.“ Rund 70 Fünft- bis Neuntklässler schlagen sich im „Ruhrcafé“ täglich den Magen voll (Nachschlag erlaubt). Wegen des Nachmittagsunterrichts ist die Mensa für viele der Rettungsanker fürs Mittagsmahl.

Für ein halbes Jahr bestellen Eltern das Schulessen für die Kinder. „Wir brauchen Planungssicherheit“, sagt Wanda Rams. Die Schüler können aus drei Gerichten auswählen. In den drei Euro für eine Portion ist ein Glas Wasser mit drin. Alle zwei Wochen ist ein Nachtisch dabei, mal Obst, mal Pudding. „Abwechslungsreiches und gesundes Essen wird bei uns groß geschrieben“, betont Rams.

„Bei uns“ heißt: beim Roten Kreuz, für das Wanda Rams arbeitet. Das liefert das Essen jeden Tag frisch an die Schule. Zubereitet wird es beim DRK aus Tiefkühlware, die von einem Catering-Dienst kommt. Eine Woche im Voraus erstellt Wanda Rams den Speiseplan. „Da lasse ich meiner Fantasie freien Lauf“, spricht die erfahrene Hausfrau. Da kann nichts schiefgehen.

Im Schiller-Gymnasium wartet Küchenleiterin Anne Wetzel auf ihre hungrigen Mäuler. Sechs hatten sich über das Internet angemeldet. Nur sechs, weil parallel eine Sportveranstaltung läuft. Sonst seien es 60 bis 70, „wenn’s Hamburger gibt, auch schon mal 90“, sagt die 49-Jährige und erklärt das Anmelde-Prinzip.

„Jeder Schüler hat ein Benutzerkonto. Darauf wird Geld eingezahlt, dann kann man sich bis einen Tag vorher sein Wunschgericht aussuchen“, sagt die 49-Jährige. Diesmal konnte auch das Hühnerfrikassee mit Brokkoli und Reis nicht locken.

Die Sechsergruppe hat sich noch nicht blicken lassen. Das war’s dann wohl mit dem Kasselerbraten samt Sauerkraut und dem Hühnerfrikassee. „Alles, was übrig bleibt, müssen wir aus Hygienegründen entsorgen“, sagt Anne Wetzel. Im Normalfall hat die Küchenchefin aber durch die Anmeldungen einen guten Überblick. Ab 13 Uhr, wenn die Mensa öffnet, können die Schüler ihre ausgedruckten Essensmarken (3,10 Euro) vorzeigen und zuschlagen.

Seit einiger Zeit ständiger Begleiter in der Mensa: das Salatbüffett. „Gemüse kam nicht so gut an“, sagt Anne Wetzel. „Salat ist beliebter.“ Man versuche Wünsche der Schüler mit dem Cateringdienst abzustimmen, der das Essen liefert und den Wochenplan erstellt. „Einmal hatten sie sich Spaghetti mit Krabbensoße gewünscht.“ Es müssen ja nicht immer Pizza und Pommes sein.

INFO

Die „Ratz+Fatz Company“ – eine Initiative der ev. Kirche – organisiert an fünf Wittener Grundschulen Ganztagsangebote mit Mittagstisch: an der Borbach-, Crengeldanz-, Erlen-, Gerichts- und der Harkortschule. An 350 Schüler werden wöchentlich mehr als 1750 Schulessen ausgegeben. Kürzlich bescheinigte das Veterinäramt EN allen Schulen „eine hohe Qualität der Ernährung und gute Hygiene“.

 

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