Kleiner Knopf kann Leben retten

In Witten kann  die 750. Teilnehmerin des DRK-Hausnotrufs begrüßt werden. Ursula Grinda erhält nun im Notfall Hilfe von DRK-Helfern wie hier Dominik Maaß.   Foto: Joachim Haenisch / WAZ FotoPool
In Witten kann die 750. Teilnehmerin des DRK-Hausnotrufs begrüßt werden. Ursula Grinda erhält nun im Notfall Hilfe von DRK-Helfern wie hier Dominik Maaß. Foto: Joachim Haenisch / WAZ FotoPool
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Seit 31 Jahren ist Ursula Grinda Mitglied beim Deutschen Roten Kreuz (DRK). Bis vor kurzem kannte sie den Hausnotruf nicht einmal. Nach mehreren Stürzen in ihrer Wohnung entschied sie sich für die Hilfe - nun ist sie die 750. Wittenerin, die diesen Dienst beansprucht.


Auf den ersten Blick wirkt die 76-Jährige quietschfidel. Ist sie auch, wie sie nicht müde wird, zu bestätigen. Trotzdem hat sie nun einen Knopf um den Hals baumeln, der ihr Notfall vielleicht das Leben retten könnte. „Nach meinem letzten Sturz in meiner Wohnung habe ich mich entschieden, den Hausnotruf installieren zu lassen. Das ist sicherer“, sagt Ursula Grinda. Denn wenn sie auf dem Boden läge, unfähig, sich zu bewegen, würde ihr dann schnell geholfen werden. Zwar komme eine Nachbarin täglich vorbei und ihr Sohn kümmere sich auch liebevoll um die Rentnerin. Dennoch fühle sie sich sicherer, wenn professionelle Hilfe immer erreichbar sei.


Das Prinzip des Hausnotrufes ist einfach: Über einen Knopf, der im Notfall zu drücken ist, wird der Notruf über die normale Telefonleitung angewählt. Nach einigen Sekunden meldet sich eine Stimme, die sich freundlich nach dem Befinden des Patienten erkundigt. Im Idealfall kann Ursula Grinda eine Antwort geben, und ein Rettungsassistent des DRK weiß schon bei der Hinfahrt zu ihrer Wohnung, was der Rentnerin fehlt.

Allerdings kann es auch anders laufen. „Wenn nun jemand den Knopf drückt, dann in Ohnmacht fällt und die Zentrale des Hausnotrufes keine Antwort bekommt, wird sofort jemand zu Wohnung geschickt“, erklärt Thomas Voss, Geschäftsführer des DRK. Die Wohnungsschlüssel liegen größtenteils bei dem DRK vor Ort, in Ausnahmefällen bei nahen Verwandten.


Dominik Maaß ist einer der Rettungsassistenten, die im Notfall ausrücken. Durchschnittlich drei Fahrten macht der 39-Jährige in 24 Stunden. In den meisten Fällen sind die Patienten gestürzt und sind nicht in der Lage, von selbst wieder aufzustehen. „Manchmal kommen sie auch nicht mehr aus der Badewanne. Eher selten liegen die Patienten ohnmächtig am Boden. Aber auch das habe ich schon erlebt.“ Ursula Grinda geht nicht mehr in die Badewanne. Als ihr Mann noch lebte, war sie das letzte Mal baden. „Da kam ich schon nicht mehr raus, weil ich nicht aufstehen konnte. Gott sei Dank hat mein Mann vor seinem Tod noch die Dusche eingebaut.“

In der ganzen Wohnung zu hören


Seit dem 6. Juni hat die 76-Jährige das System installiert. Zweimal kam sie aus Versehen auf den Knopf. Plötzlich erklang die laute Stimme. „Da habe ich mich richtig erschrocken, denn die Stimme ist ja sehr durchdringend“, meint die Rentnerin. Thomas Voß: „Die Lautstärke ist so hoch eingestellt, damit man von überall aus der Wohnung gehört wird. Und der Patient wird ebenfalls aus jeder Ecke der Wohnung gehört.“


Trotz der Vorteile nutzen nach Meinung des DRK-Geschäftsführers noch zu wenige Menschen diesen Dienst. Viele ältere Menschen seien zu stolz, so Voß. „Für Hilfe sollte man nie zu stolz sein. Es gibt Kunden, die sind seit zehn Jahren bei uns und haben den Hausnotruf noch nie gebraucht.“ Für die meisten ist aber einfach die Gewissheit, eine Sicherheit zu haben, schon genug.

 
 

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