Kinderstars Fritzi und Floriane Eichhorn leben in Witten

Die Schauspielerinnen und Zwillinge Fritzi (links) und Floriane (35) Eichhorn (hier am Hammerteich) arbeiten häufig für das Theaterspiel in Witten.
Die Schauspielerinnen und Zwillinge Fritzi (links) und Floriane (35) Eichhorn (hier am Hammerteich) arbeiten häufig für das Theaterspiel in Witten.
Foto: Thomas Nitsche
  • 1993 wurden Fritzi und Floriane Eichhorn mit dem Kinofilm „Das doppelte Lottchen“ berühmt
  • Seit einigen Jahren leben die Schauspielerinnen im Ruhrgebiet – weil ihnen Berlin „zu voll“ ist
  • Der Umstieg von den Kinder- auf Frauenrollen fiel ihnen schwer

Witten..  Manchmal werden sie noch erkannt und nach einem gemeinsamen Foto oder einem Autogramm gefragt: Die Schauspielerinnen Fritzi und Floriane Eichhorn waren einst Deutschlands bekanntestes Zwillingspärchen – dank des Kinoerfolgs „Das doppelte Lottchen“ von 1993. Im Fernsehen und im Theater sind die nun 35-Jährigen immer noch zu sehen. Mittlerweile leben die Berlinerinnen aber bei uns, Fritzi in Witten und Floriane in Bochum. Warum sie die Haupt- für die Ruhrstadt verließen, erklären sie im Interview.

Fritzi, kennt ihr fünfjähriger Sohn das „Doppelte Lottchen“?

Fritzi: Ja. Aber sein Vater hat ihm den Film gezeigt, wir waren’s nicht! Für meinen Sohn ist es normal, mich oder meine Schwester auf der Bühne zu sehen. Ich habe ihn schon als kleines Baby mit auf Tourneen genommen.

Was hat Sie ins Ruhrgebiet verschlagen? Gibt es hier mehr Angebote für Schauspieler als in Berlin?

Floriane: In Berlin gibt es viele Angebote, aber eben auch viele Schauspieler. Da ist der Markt gesättigt. Wir haben sogar Freunde, die leben in München oder Berlin und nehmen ein Engagement im Revier an.

Fritzi: Ich wohne gerne in Witten, Berlin ist mir viel zu voll. Wenn ich da S-Bahn fahre, ertrage ich die vielen Menschen kaum noch. Bald gibt es da bestimmt Türschubser wie in Japan, damit noch mehr Leute in die Wagen passen. Ich bin 2009 nach Witten gekommen, da hatte ich mich bei Theaterleiterin Beate Albrecht für eine Rolle beworben. Mittlerweile gehören wir beide zum festen Ensemble. Dadurch habe ich als alleinerziehende Mutter Planungssicherheit und ein festes Gehalt.

Weil es schwer ist, in Ihrem Alter Fernsehrollen zu bekommen?

Fritzi: Bei uns hat der Übergang von den Kinder- und Jugendrollen zu den Erwachsenenfilmen nicht geklappt. Wir haben beide ein sehr junges Aussehen. Und irgendwie waren wir in der Schublade vom süßen Lottchen. Für junge Frauenrollen wurden wir nicht so akzeptiert.

Sie wohnen zwar hier, tingeln aber für die Aufführungen durch ganz Deutschland. Wir bekommen Sie das organisiert?

Floriane: Zurzeit wohne ich kurz in Worpswede, weil ich dort in einem Boulevardtheater spiele. Zwischendurch habe ich mal einen Drehtag oder spiele für Beate ein Stück. Man braucht mehrere Standbeine. Aber es ist so, dass ich vom Theater leben kann, das schaffen viele Schauspieler nicht. Ein paar mehr Drehtage fürs Fernsehen wären schön. Ich schreibe regelmäßig an Caster und bin in einer Vermittlungsagentur.

Fritzi: Mein Sohn geht in diese tolle Awo-Kita in Annen, die bis 20 Uhr geöffnet hat. Ich probiere möglichst von Witten aus zu fahren, das Tourneeleben ist mir zuviel.

Wenn Sie für theaterspiel im Einsatz sind, sind das oft Stücke, die etwas bewegen wollen. Ist das Ihr Ding?

Fritzi: Viele unserer theaterpädagogischen Stücke sind ja dennoch unterhaltsam inszeniert.

Floriane: Man braucht einen Ausgleich. Ich möchte sowohl die Schenkelklopfer beim Boulevardtheater als auch schwere Stücke.

Mit fünf Jahren standen Sie das erste Mal gemeinsam vor der Kamera und wann zuletzt?

Floriane: 2012, für „In aller Freundschaft“.

Und wie sind Sie überhaupt Kinderstars geworden?

Fritzi: Meine Oma hatte einen Zeitungsartikel gelesen, indem ein Zwillingspärchen für einen Film gesucht wurde. Das war noch in der DDR. Nach dem ersten Dreh spielten wir in einer Kinderserie mit, die „Gespenster von Flatterfels“. Und 1992 gab es halt den Zeitungsartikel fürs „Doppelte Lottchen“. Wir wurden aus 540 Zwillingspärchen ausgewählt, das waren mehrere Castingrunden. Von 1994 bis 2000 spielten wir dann in der TV-Serie „Alle meine Töchter“.

Und wie kam das so in der Schule oder bei Ihren Freunden an?

Floriane: Für uns war das Drehen Normalität. Aber wir hatten natürlich immer einen Sonderstatus. Wenn in München gedreht wurde, wurden wir aus Berlin eingeflogen. Im Umfeld war das dann nicht so leicht. Wir wurden schon gemobbt und die Lehrer waren auch nicht gerade begeistert. Bei jeder neuen Freundin hat man sich gefragt: Geht’s um Freundschaft oder den Bekanntheitsgrad? Aber ganz viele haben das auch total gut akzeptiert.

Können Sie sich vorstellen, noch weitere 30 Jahre vom Schauspiel zu leben?

Floriane: Ich hoffe sehr wohl, bis ins hohe Alter selbstständig arbeiten zu können – und wenn man aufs Kreuzfahrtschiff geht. Ich stehe zurzeit mit einem 73-Jährigen auf der Bühne. Das ist toll!
Fritzi: Ich überlege, mir ein zweites Standbein aufzubauen. Zurzeit mache ich eine Ausbildung zur Kinderyoga-Lehrerin. Die Idee wäre, das an Grundschulen anzubieten. Stressausgleich für Kinder, das kommt doch immer mehr.

Fritzi Eichhorn spielt am 10.11. im Saalbau

Fritzi Eichhorn spielt aktuell die Hauptrolle in dem Weltverbesserungsstück „Alle satt?!“, das am Donnerstag, 10. November, 9 Uhr im Saalbau läuft. Dies ist einer der wenigen Termine in Witten. Beate Albrechts Produktion theaterspiel führt das Stück bundesweit an Schulen auf. Der Eintritt beträgt 5 €.

Thema ist globale Gerechtigkeit, das Zuviel und Zuwenig auf der Welt. Die Hauptfiguren Marie und Lucky „befreien“ dabei in Nacht-und-Nebel-Aktionen Lebensmittel aus dem Müllcontainer eines Supermarktes, bis sie eines Tages eine echte Chance zur Weltrettung wittern. „Das Stück erhebt nicht den moralischen Zeigefinger, warum es auf der Welt so ungerecht zugeht“, sagt Fritzi Eichhorn. Aber es erkläre Zusammenhänge, etwa wie Flüchtlingsströme entstehen. Sie selbst hätte „im Kleinen“ auch umgedacht – etwa als Abonnentin einer Gemüsekiste.

„Alle satt“!“ wurde im Saalbau (in den Räumlichkeiten der Studiobühne) entwickelt und geprobt. „Damit auch mal etwas im Saalbau entsteht und hier nicht nur etwas von außen läuft“, lobte die Saalbau-Leiterin Hendrikje Spengler kürzlich. Beate Albrecht sei es ein Anliegen, den Saalbau als festen Spielort für Jugendtheater zu etablieren.

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