Keine Lobby für die Jugend

In Gruppen erarbeiteten die Teilnehmer ihre Zukunftsvorstellungen.
In Gruppen erarbeiteten die Teilnehmer ihre Zukunftsvorstellungen.
Foto: WAZ/FotoPool
Einzelne Teilnehmer des Kulturentwicklungsplanes kritisieren die Streitkultur. Bei der „Visionskonferenz“ wurde viel über Begrifflichkeiten diskutiert. Jugendliche fehlten.

Witten.  Wie soll die Kultur künftig aussehen? Welche Wünsche gibt es? Darum ging es bei der dritten Veranstaltung des Kulturentwicklungsplanes. „Visionskonferenz“ hieß der aktuelle Etappenschritt, der einmal mehr die kulturinteressierten Bürger, Künstler, Politiker und Verwaltungsmitarbeiter im Saalbau zusammenbrachte. Doch statt einvernehmlich Vorschläge und Ideen für die Zukunft der Kultur zu sammeln, trat an einigen Stellen erneut die Streitkultur der rund 50 Teilnehmer zutage.

Eingangs sollten fünf Impulsreferate von Vertretern einzelner Initiativen und Kultureinrichtungen einen Denkanstoß geben: Heike Becking (Maschinchen Buntes), Philip Asshauer (Stellwerk), Martin Schreckenschläger (Förderverein Musikschule), Marion Körner (Institut für Waldorfpädagogik) und Bildhauer Harald Kahl stellten ihre persönlichen Visionen vor.

„Aber bei den Diskussionen zu den Referaten spürt man die negative Grundhaltung von einigen Teilnehmern“, meint Philip Asshauer. „Aus Begrifflichkeiten zum Beispiel entstanden riesen Missverständnisse.“ So habe etwa Harald Kahl für die Erwähnung von „Kulturschaffenden“ harten Gegenwind von Ralph Klein („Trotz allem“) geerntet, weil dieser die Herkunft des Begriffs und seine Rolle in totalitären Systemen, insbesondere im NS-Regime, kritisierte.

In solche Debatten mischt sich bei den Konferenzen auch die grundlegende Frage nach einer Definition von Kultur. Welche Werte spielen bei der Gestaltung der Kulturlandschaft von morgen eine Rolle? „Liebe, Zeit, Ruhe und Muße“ lautet die gemeinsame Antwort der Teilnehmer. Nach langen Gesprächsrunden in vier Gruppen sprachen sie sich abschließend für den Wunsch nach mehr Vernetzung, Möglichkeiten zur offenen, lebendigen Mitgestaltung der Kultur aus. Ein unabhängiges Gremium solle in die kulturpolitischen Entscheidungsprozesse eingebunden werden und für mehr Transparenz sorgen.

Witten soll „das attraktive Zentrum unseres kulturellen Lebens“ werden. So lautet das abschließende Fazit. Doch um das umzusetzen, muss viel getan werden. Von der kulturellen Vielfalt der Stadt habe er vor sieben Jahren, als er zum Studium herzog, kaum etwas mitbekommen, meinte Philip Asshauer. „Und ich wage zu behaupten, dass es jungen Menschen, die hier gerade ihre Ausbildung machen oder studieren, auch heute noch so geht.“

Mit seinen 34 Jahren ist Asshauer einer der wenigen, die die Interessen der jüngeren Generation beim Kulturentwicklungsplan vertreten. „Es müssten viel mehr sein.“

Der Kulturentwicklungsplan geht am Montag, 11. November, mit der Zielkonferenz weiter. Dort soll ab 17 Uhr im Saalbau beraten werden, wie die Visionen umgesetzt werden können.

 
 

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