Kein Extra-Lohn mehr für Tagesmütter in Witten

Immer auf der Suche nach neuen Tagesmüttern: Nadine Rübel, Koordinatorin der Awo-Servicestelle Kindertagespflege in Witten.
Immer auf der Suche nach neuen Tagesmüttern: Nadine Rübel, Koordinatorin der Awo-Servicestelle Kindertagespflege in Witten.
Foto: WAZ
Seit August ist das zweite Kibiz-Änderungsgesetz in Kraft. Es verbietet Eltern, die Bezahlung der Tagesmutter aufzustocken. Stadt will Stundensätze aber „anpassen“

4,20 Euro ist der derzeitige Bruttostundenlohn einer Tagesmutter in Witten, den die Stadt zahlt. Bislang war es üblich, dass Eltern das Entgelt einer Tagesmutter aus eigener Tasche aufstockten – in Witten wie anderswo. Seit dem 1. August ist dies mit dem Inkrafttreten des sogenannten zweiten Kibiz-Änderungsgesetzes nicht mehr erlaubt. Das sieht aber auch eine „leistungsgerechte Bezahlung“ von Tagesmüttern vor. Die Stadt verspricht, deren Entlohnung „anzupassen“.

Was dies genau bedeutet, werden Wittener Tagesmütter jedoch erst in einigen Wochen wissen. Denn zunächst muss noch der Jugendhilfeausschuss tagen, der am 20. Oktober zusammenkommt. „Wir werden die Stundensätze für die Tagespflege-Personen im Sinne einer leistungsgerechten Bezahlung und zum Ausgleich der wegfallenden Einkünfte aus Zuzahlung anpassen müssen“, so Petra Klein, bei der Stadt neue Leiterin der Abteilung Schule und Kindertageseinrichtungen.

Der hierzu formulierte Vorschlag der Verwaltung müsse jedoch dem Jugendhilfeausschuss vorgelegt werden, der darüber berate und entscheide. Klein betont, dass das Zuzahlungs-Verbot für Eltern nicht für ein „angemessenes Entgelt für die Mittagsverpflegung des Kindes“ gelte, wenn der Jugendhilfeträger zustimme.

Witten zahlt Tagesmüttern weniger als Bochum und Dortmund

70 bei der Awo-Servicestelle registrierte Tagesmütter gibt in Witten, dazu 15 weitere, die in den angrenzenden Städten wohnen und ebenfalls Wittener Kinder betreuen. Zusammen kümmern sich diese derzeit um 246 Mädchen und Jungen im Alter von 0 bis 14 Jahren, sagt Nadine Rübel. Sie ist Koordinatorin der Awo-Servicestelle Kindertagespflege an der Hauptstraße, die sich im Auftrag der Stadt um Tagesmütter kümmert, ihnen das städtische Betreuungsgeld auszahlt und die Frauen – und derzeit auch zwei Männer – an die Eltern vermittelt.

Das Kibiz-Änderungsgesetz habe offenbar eine größere Gleichbehandlung von Eltern auf der Suche nach einer Tagesmutter zum Ziel, meint Rübel. „Denn nicht alle haben Geld für Zuzahlungen.“

Die Sozialpädagogin weist daraufhin, dass Städte wie Bochum und Dortmund Tagesmüttern höhere Stundensätze zahlen. „Was auch dazu führen kann, dass Wittener Frauen lieber Kinder aus diesen Städten betreuen“, weil sie dabei mehr verdienen. Rübel: „Wir haben Probleme, Tagesmütter zu finden.“ Wer sich für eine Betreuung seines Kindes interessiere, sollte sich mindestens drei Monate vorher bei der Awo-Servicestelle melden. „Wenn jemand vom Arbeitsamt kommt und muss am nächsten Tag einen Job antreten, werden wir das mit der Kinder-Betreuung nicht so schnell hinbekommen.“

 
 

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