Kein Bus wird kommen

Wie leer gefegt war der Zentrale Omnibusbahnhof am Tag des Warnstreiks. Foto: Walter Fischer / WAZ FotoPool
Wie leer gefegt war der Zentrale Omnibusbahnhof am Tag des Warnstreiks. Foto: Walter Fischer / WAZ FotoPool
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Witten.. Verwaiste Haltestellen, rappelvolle Straßen: Der Warnstreik im öffentlichen Dienst hat am Mittwoch auch Pendler und Schüler in Witten vor Probleme gestellt.

Die einen bildeten Fahrgemeinschaften oder stiegen allein aufs eigene Auto um, bei den anderen sprangen Mama und Papa als Taxi-Chauffeure ein.

Vor dem Schiller-Gymnasium stauen sich am Platz der Gedächtniskirche die Autos. Überall klappen Türen auf, Schüler springen heraus, rufen ihren Eltern noch schnell „Tschüss“ zu und gehen zur Schule. Mama oder Papa muss sich dann erst einmal in der langen Autoschlange am Kreisverkehr gedulden.

Durch den Warnstreik waren viele Schüler, die sonst mit dem Bus zur Schule kommen, auf das Auto der Eltern angewiesen. Auch die elfjährige Isabell Dupont. Normalerweise fährt sie mit der Linie 320 aus Rüdinghausen zum Gymnasium. Nun muss Mama Ulrike selbst das Steuer in die Hand nehmen, damit ihre Tochter die Schule nicht versäumt. „Bei meiner Familie geht das noch einigermaßen, da ich nicht arbeite. Aber wenn man zwei berufstätige Eltern hat, stelle ich mir das schwierig vor“, so die Mutter.

So geht es Lea Volkmann (10) und ihrer Freundin Mike Hänsch (10). Sie werden von Leas Opa Willi Lütgehedtmann zur Schule gebracht. Eigentlich fahren sie mit der Linie 379 aus Bommern. Der 73-Jährige versteht die Streikenden. „Jeder möchte mehr Geld verdienen und dann muss man dafür auch etwas tun.“

Während sich die Autos vor den Schulen stauen, schwenken die Gewerkschafter auf dem Rathausplatz die rot-weißen Verdi-Fahnen. Aber vier Busse bekommt die Gewerkschaft nicht wie erhofft voll. Hoch geschätzt sind es maximal 100 (laut Verdi 150), die in drei Busse zur zentralen Kundgebung im EN-Kreis nach Gevelsberg fahren: Azubis, Putzfrauen, Hausmeister, Angestellte - ein buntes Bild bietet sich an diesem kalten Morgen.

Carolin Kuhn (18) und Wiebke Blomberg (20) lernen Verwaltungsfachangestellte, sie verdienen brutto rund 800 Euro im Monat. „Es wäre schön, ein wenig mehr zu bekommen. Außerdem möchten wir eine unbefristete Übernahme nach Beendigung der Ausbildung erreichen“, begründen sie ihre Teilnahme an dem Streik. Nach jetzigem Stand werden sie nach der Lehre nur für ein Jahr weiterbeschäftigt.

Gülsüm Idiz (52) reinigt in Vollzeit das Ruhr-Gymnasium. Netto kriegt sie 800 Euro raus. „Das ist schon mein dritter Streik. Ich mach’ mit, damit am Ende mehr bei rumkommt.“ Volker Neufelder (54) ist Hallenwart in der Husemann-Sporthalle. Wenn sich die Forderung durchsetzen würde, wären das 200 Euro mehr im Monat für ihn. „Ich mache so viele Überstunden gerade am Wochenende, wenn Veranstaltungen in der Halle sind. Diese bekomme ich alle nicht berechnet“, meint der 54-Jährige.

Aber nicht jeder hat für den Streik Verständnis. Tierarzt Christian Still muss seine beiden Kinder zur Schule fahren und gleich darauf wieder in seine Praxis nach Herbede. „Eine Erhöhung des Gehalts von über sechs Prozent habe ich seit Jahren nicht mehr bekommen.“

Bei den Taxi-Fahrern klingelte es gestern in der Kasse. „Viele sind oben am Markt eingestiegen, weil keine Busse kamen. Einkäufer, Arbeiter, alle“, sagt ein Mitarbeiter von Taxi Fuchs. Er schätzt das Umsatzplus auf 30 Prozent. Verdi will 6,5 Prozent. In Witten bleibt es relativ ruhig, als die Teilnehmer in ihre Busse nach Gevelsberg steigen. Vereinzelt hört man eine Trillerpfeife.

Zur zentralen Kundgebung in Gevelsberg versammelten sich mehr als 600 Teilnehmer aus dem EN-Kreis.

Mit Transparenten und Trillerpfeifen zogen die Gewerkschafter durch die Innenstadt und gaben ihrer Tarifforderung von 6,5 Prozent mehr Lohn und besseren Bedingungen für Auszubildende unter dem Motto „Wir sind mehr wert!“ Ausdruck.

Jürgen Reichert vom Verdi-Landesbezirk und Karsten Braun, stellvertretender Geschäftsführer von Verdi EN, hoffen nun für die nächste Verhandlungsrunde am 12. und 13. März auf ein Angebot von der Arbeitgeberseite, richten sich aber auf weitere Warnstreiks ein. „Dann dürfte die Beteiligung noch größer sein“, so Braun.

Der nächste Warnstreik, wenn die Arbeitgeberseite nicht auf die Forderungen eingeht, würde dann am Mittwoch, 21. März stattfinden.

 

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