Kahlschlag in Kämpen

Große Baumfällaktion an der Bruchstraße in Witten: ein halber Hektar Wald wurde dort gefällt. Foto: Walter Fischer
Große Baumfällaktion an der Bruchstraße in Witten: ein halber Hektar Wald wurde dort gefällt. Foto: Walter Fischer
Foto: Walter Fischer

Witten.. Nahe der Reitanlage Baudach ist an der Bruchstraße ein halber Hektar Wald abgeholzt worden - das ist eine Fläche, so groß wie ein Fußballfeld.

Die Anwohner sind sprachlos, die Untere Landschaftsbehörde und das Regionalforstamt beklagen, dass dies ohne Rücksicht auf etwaige Vogelbrut in den Bäumen geschehen sei. Baudach selbst verwies lediglich auf eine „normale Holzernte“.

Darf der das denn? Ja, der darf das. „Es handelt sich um einen Privatwald im Außenbereich, die städtische Baumschutzsatzung greift dort nicht“, sagt Stadtsprecher Helmut Sonder. Auch Ralf Löchel, Landschaftsschützer bei der Unteren Landschaftsbehörde in Schwelm, bestätigt, dass das Abholzen rechtens ist: „Wald darf ganzjährig geerntet werden. Eine Ausnahme gibt es nur dort, wo Schwarzstorch und Rotmilan heimisch sind.“

Diese Vogelarten seien besonders geschützt, deshalb sei dann beim Fällen ein Schutzumkreis einzuhalten. „Der Wittener Fall ist uns bekannt und auch dokumentiert, es sind auch Fotos gemacht worden. Wir haben aber keine Handhabe, denn das Fällen dort ist zurzeit legal.“

Denn die Bäume wurden fachgerecht gefällt und aufgestapelt. Rund 100 mögen es sein, Buchen und Birken zumeist, die am Steilhang wuchsen. „Überwiegend Stockausschlag“, hat der Leiter des Regionalforstamts beim Landesbetrieb Wald und Holz, Reinhart Hassel, festgestellt. Stockausschlag, das heißt: Irgendwann vor 50 bis 80 Jahren hat ein abgeholzter Baumstumpf erneut ausgeschlagen, und mit den Jahrzehnten hat sich daraus ein Baum entwickelt, der jetzt geschlagen wurde.

„Das hätte man auch im Winter machen können“

Zwei Hektar im Jahr darf ein Waldbesitzer schlagen, und innerhalb von zwei Jahren muss wieder aufgeforstet werden, sollte die Fläche nicht anderweitig genutzt werden. Hassel bedauert den Kahlschlag - „die Sache da ist nicht gut gelaufen. Es ist ein ungeschriebenes Gesetz, dass aus ökologischen Gründen nicht bei ausgetriebenem Laub geschlagen wird. Denn niemand kann sehen, ob und wie viel Vogelbrut in den Bäumen nistet. Deshalb hätte man das auch gut im Winter machen können.“

Dazu äußert sich Baudach aber nicht. „Das ist hier eine ganz normale Baumernte, und außerdem gehört mir das Gelände gar nicht. Umlaufende Gerüchte, dass dort etwas gebaut werden soll, entbehren jeglicher Grundlage. Mehr sage ich nicht.“ Das war alles, was er zu der Baumfällaktion mitteilen wollte.

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