Internationale Anne-Frank-Ausstellung gastiert in Witten

Die Schiller-Gymnasiasten Eva Seiler (v.l.), Vivienne Gooday-Kirbschus, Tobias Floren und Carolin Amann wollen künftig auch andere Besucher durch die Ausstellung in ihrer Aula führen.
Die Schiller-Gymnasiasten Eva Seiler (v.l.), Vivienne Gooday-Kirbschus, Tobias Floren und Carolin Amann wollen künftig auch andere Besucher durch die Ausstellung in ihrer Aula führen.
Foto: WAZ/FotoPool
Die Wanderausstellung „Deine Anne“ ist momentan im Schiller-Gymnasium zu sehen. Fotos, Videos und Zeitzeugenzitate beleuchten das NS-Regime. Vor allem aber wirft die Ausstellung Fragen auf.

Witten..  Die Aula des Schiller-Gymnasiums ist ein Ort, der schon so manche Geschichte miterlebte: von umjubelten Theateraufführungen bis zu verpatzten Klausuren. Doch momentan beherbergt die Aula die Geschichte eines Mädchens, das nur wenige Jahre überhaupt die Schulbank drücken durfte. Mit gerade einmal 15 Jahren starb Anne Frank 1945 im KZ Bergen-Belsen. Die nachträglich veröffentlichten Tagebücher der jungen Jüdin zählen zu den weltweit meist gelesenen Büchern. Auch die Wanderausstellung „Deine Anne“, die vom Anne-Frank-Zentrum konzipiert wurde, reist in verschiedenen Sprachen um die Welt. Jetzt gastiert sie erstmals in Witten.

Tokio, Moskau, Madrid: Die Liste der Städte, in denen Schüler aktuell mithilfe der Anne-Frank-Ausstellung an die Geschichte der NS-Zeit herangeführt werden sollen, ist lang. Dass sich das Schiller-Gymnasium Witten dort einreihen kann, darauf ist Schuldirektor Gerhard Koch besonders stolz. Für die Schule ist die Ausstellung ein Prestigeprojekt – gefördert mit Mitteln aus dem Bundesprogramm „Toleranz fördern, Kompetenz stärken“, unterstützt vom Verein für Kinder- und Jugendförderung aus Annen und unter Schirmherrschaft der Bürgermeisterin. Für viele Schüler ist es aber vor allem eine bewegende Geschichte, die sie selbst aktiv werden lässt.

Insgesamt 30 Schillergymnasiasten meldeten sich freiwillig, um als so genannte „Peer-Guides“ andere Schulklassen durch die Ausstellung zu führen. Dieses Konzept ist zentraler Bestandteil der Ausstellung, wie Patrick Siegele, Direktor des Anne-Frank-Zentrums Berlin, bei der Wittener Eröffnungsfeier erklärte. An mehreren Tagen wurden die Freiwilligen von Mitarbeitern des Zentrums speziell geschult. „Wir haben viel über die Ausstellungsstationen gelernt. Aber auch, wie man mit den Besuchern ins Gespräch kommt oder bei schwierigen Fragen reagiert“, erzählt „Peer-Guide“ Tabea (15). Gemeinsam mit ihrer Freundin Anna hat die Zehntklässlerin im Geschichtsunterricht das Schicksal der damals etwa gleichaltrigen Anne Frank kennengelernt. „Mir kamen dabei wirklich die Tränen“, gibt Anna zu.

Gerade weil sie so jung war und „ein bisschen frech und manchmal auch etwas altklug“ geschrieben habe, würden sich Anne Franks Tagebücher so gut eignen, um Jugendliche anzusprechen, meint Patrick Siegele. Die Ausstellung aus mehreren großen Schautafeln und Stellwänden erklärt anhand ihres Einzelschicksals die größeren historischen Zusammenhänge im NS-Regime. Fotografien, Videos und zahlreiche Zitate von Zeitzeugen – Opfern wie Tätern – versuchen, die Geschichte für ein breites Publikum verständlicher zu gestalten. Zum Schluss geht es dabei um die Fragen: Wer sind wir selbst? Wen schließen wir aus? Wie können wir Diskriminierung und Rassismus heute verhindern?

Öffnungszeiten und Begleitprogramm:

Die Ausstellung „Deine Anne“ gastiert bis zum 18. Dezember in Witten. Öffentliche Besichtigungszeiten ohne Voranmeldung sind einzig an diesem Wochenende vorgesehen: Heute und morgen öffnet die Ausstellung jeweils von 10 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist kostenlos. Bei Fragen stehen die als „Peer-Guides“ ausgebildeten Schüler den Besuchern zur Seite. Die weitere Ausstellungszeit ist für Klassenbesuche anderer Schulen reserviert.

Ein Begleitprogramm zur Ausstellung steuert das Stadtarchiv bei: Das 17. Archivforum am Mittwoch, 3. Dezember, widmet sich dem so genannten „Tränenkeller“ des Schillergymnasiums. „In der Schule gingen Hilfspolizisten ein und aus“, so der Titel des Vortrags, bei dem Historiker Ralph Klein über die NS-Zeit der Ruhrstadt und die Geschehnisse im ehemaligen Schillerlyzeum berichtet. Treffpunkt ist der Nebeneingang des Gymnasium (Breddestraße 8). In den Kellerräumen des nördlichen Gebäudeflügels wurden Nazi-Gegner im Jahre 1933 festgehalten und brutal gequält. Mehrere der dorthin Verschleppten starben. So kam der Keller des Schulgebäudes im Volksmund zu seinem Namen „Tränenkeller“. Vortrag und Führung durch die Räume beginnen um 18 Uhr. Eine Voranmeldung ist nicht erforderlich. Der Eintritt ist frei.

 
 

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