Infozentrum Geopark auf der Wittener Zeche Nachtigall

Sie zählte zu den ersten Besuchern des neuen Infozentrums: Familie Zeiss-Küster, die extra aus Essen angereist war.Foto: Jürgen Theobald / WAZ FotoPool
Sie zählte zu den ersten Besuchern des neuen Infozentrums: Familie Zeiss-Küster, die extra aus Essen angereist war.Foto: Jürgen Theobald / WAZ FotoPool
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Die Wittener Zeche Nachtigall ist um eine Attraktion reicher: Jetzt werden Besuchern hier auch die Bodenschätze und die Erdgeschichte des Ruhrgebietes erläutert. Das neue Infozentrum des Geoparks Ruhrgebiet wurde feierlich und mit vielen Gästen eröffnet.

Witten..  Die Zeche Nachtigall ist um eine Attraktion reicher. Gestern wurde im Hauptgebäude des Industriemuseums an der Nachtigallstraße feierlich und mit vielen Gästen das Infozentrum des „Geoparks Ruhrgebiet“ eröffnet. Auf 30 Quadratmetern können sich Besucher jetzt im Raum des ehemaligen Museumscafés mit den Bodenschätzen und der Erdgeschichte des Ruhrgebietes im Allgemeinen und des Muttentals im Besonderen vertraut machen.

Wo findet man im Ruhrgebiet welche Rohstoffe? Wie sind diese eigentlich entstanden? Wozu benötigt man Sandstein, Eisen oder Steinsalz? Fragen, auf die Besucher des Infozentrums Antworten erhalten. Mitten in der Wiege des Steinkohlebergbaus werde die Metropole Ruhr jetzt auf der Zeche Nachtigall erdgeschichtlich vorgestellt, betonte Dieter Funke, Bereichsleiter des Regionalverbandes Ruhr, in seinem Grußwort zur Eröffnung.

Museumsleiter Michael Peters hat das Konzept für das neue Zentrum gemeinsam mit drei Geologen entwickelt. Einer von ihnen ist Ralf Hewig. Der 64-Jährige brachte sein Expertenwissen ehrenamtlich ein. „Wir hatten die Aufgabe, auf relativ kleinem Raum möglichst vieles anschaulich darzustellen“, erklärte der Krefelder. Was gelungen ist.

Kohlenflöze entstanden vor 318 Millionen Jahren

Eine Tafel gibt einen Überblick über 545 Millionen Jahre Erdgeschichte. Schaukästen zeigen, wie aus Pflanzen zunächst Torf, dann Braunkohle, anschließend Steinkohle und schließlich Anthrazit, zum Schluss Graphit entsteht. Wer mag, kann sich einen kurzen Film zur Entstehung und Gewinnung von Steinkohle anschauen. „Die Steinkohlenflöze im Ruhrgebiet sind vor 318 bis 308 Millionen Jahren entstanden“, so Geologe Hewig.

Gäste dürfen im neuen Infozentrum auch selbst Hand anlegen: Typische Ruhrgebiets-Rohstoffe wie Steinkohle und Eisen stecken in drehbaren Glaskästen. Deren Rückseiten verraten und zeigen, wozu man diese benötigt – für Eisenbahnschienen oder Schrauben etwa, für Eierkohlen oder Koks zur Verhüttung von Eisenerz.

Steinsalz, wie es noch im Salzbergwerk Rheinberg-Borth abgebaut wird, taugt nicht nur als Speisesalz, sondern auch fürs Backpulver – und – man staune – zur Produktion von Plastikenten. Ein Tisch mit einer geologischen Karte im Maßstab 1:75 000 veranschaulicht im Zentrum eindrucksvoll, welche Gesteinsschichten im Geopark Ruhrgebiet unter der Erdoberfläche schlummern.

Das Muttental hat eine 450-jährige Bergbaugeschichte. Dort wurde zuerst in offenen Gruben, Pingen genannt, nach Kohle gegraben. Ab dem 18. Jahrhundert gab es zahlreiche Zechen, die Stollen in die Berghänge des Muttentals trieben. Zeche Nachtigall ist Startpunkt für Spaziergänge über den Bergbauwanderweg Muttental, außerdem liegt das Museum direkt am viel befahrenen Ruhrtalradweg.

Mit seinen Ausstellungen, dem Besucherbergwerk Nachtigallstollen, der Ziegelei Dünkelberg und dem Sandsteinbruch am Hettberg zieht das Museum jährlich zwischen 40 000 und 48 000 Besucher an. Leiter Michael Peters ist glücklich, das neue Infozentrum im Haus zu haben. „Wenn wir unsere geologischen Führungen anbieten, können wir jetzt dort starten.“

 
 

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