In Witten radelt die Post jetzt auf dem Dreirad

Gerhard Römhild
Die Post setzt auf elektrische Dreiräder bei der Zustellung. Vera Lachmann (55) absolvierte ein Fahrtrainingund ist mit ihrem E-Trike als erste Postbotin in Witten damit seit vier Wochen in Annen und Rüdinghausen unterwegs.
Die Post setzt auf elektrische Dreiräder bei der Zustellung. Vera Lachmann (55) absolvierte ein Fahrtrainingund ist mit ihrem E-Trike als erste Postbotin in Witten damit seit vier Wochen in Annen und Rüdinghausen unterwegs.
Foto: WAZ
Mehr Sicherheit, mehr Briefbeförderung: Die sogenannten E-Trikes halten jetzt in Witten bei der Postzustellung Einzug. Vera Lachmann ist von ihrem elektrischen Dreirad begeistert und möchte es nicht mehr abgeben.

Witten.  Vera Lachmann ist eine zierliche Person, aber robust im Antritt – im doppelten Sinne. Gesegnet mit einem fröhlichen Gemüt und dabei immer einen flotten Spruch auf den Lippen, kommt sie auf ihrem Rad sehr schnell in Fahrt. Seit vier Wochen verfügt Lachmann über eine starke Unterstützung unterm fellüberzogenen Sattel: ein sogenanntes E-Trike. Sie ist die erste Briefzustellerin der Post, die in Witten mit einem quietschgelben elektrischen Dreirad unterwegs ist.

„Das ist schon etwas anderes“, sagt die 55-Jährige, lacht und hopst vom Rahmen. „Mein Dreirad möchte ich nicht mehr eintauschen.“ Ausgerüstet mit einer elektronischen Anfahrhilfe, kann im Betrieb eine maximale Geschwindigkeit von 24 Stundenkilometern erreicht werden. Das schaffen andere E-Bikes der Post auch, aber dafür bietet das neue Mobil Standsicherheit und damit eine größere Entlastung für die Zusteller. Seit 28 Jahren sorgt sie dafür, dass Briefe und Zeitschriften pünktlich und zuverlässig in den Wittener Briefkästen landen.

15 Jahre radelte sie am Stück durch Herbede, seit zwei Jahren nun steuert sie Annen und Rüdinghausen an, beginnt am Kälberweg. Los geht’s zuvor um 5 Uhr. Sie räumt die vom Verteilzentrum Hagen vorsortierte Post in die Fächer am Rad, dann liegt eine rund 14 Kilometer lange Strecke vor ihr – bei Wind und Wetter. Das härtet zuverlässig ab, sagt Lachmann. „Da ich immer draußen bin, erwischt mich allenfalls mal eine kleine Erkältung.“ Aber, und das sagt sie auch ganz ernst: „Es ist eine Knochenarbeit. Nach den vielen Jahren merkt man seine Gelenke.“ Schließlich müssen täglich im Schnitt 1000 Sendungen an die Empfänger weitergegeben werden. Und da kommt das E-Trike genau richtig.

Zum Einführungspaket gehört auch ein Fahrertraining. Denn: „Vor allem das Kurvenverhalten ist ein völlig anderes.“ Mit Schmackes reinlegen ist nicht. Das Dreirad bleibt da ganz stur und will gemütlich um die Ecke gelenkt werden. „Das ist so, als wenn man vom Motorrad auf ein Motorrad mit Beiwagen umsteigt. Man arbeitet eben anders auf dem Rad.“ Andererseits gibt’s kein mühsames Hochbocken mehr. Abbremsen reicht, dann steht es allein.

Gerade der Sicherheitsaspekt hat Lachmann sofort zugreifen lassen, als das Angebot zum Umstieg kam. Schließlich ist sie in der Vergangenheit mit normalen Rädern zweimal auf winterglatter Fahrbahn gestürzt. „Diese Probleme habe ich hier nun nicht mehr. Das ist toll.“ Natürlich gibt’s verwunderte Blicke, Reaktionen. Wegen der erhöhten Transportmöglichkeiten fragen besorgte Bezirksbewohner schon mal nach, ob sie denn auch Pakete mitnehmen muss (Nein). Oder es heißt sorgenvoll: „Ist was mit Ihrer Gesundheit.“ (Nein) Und manche Kollegen lächeln sogar übers Dreirad, weil es nicht so wendig ist und deshalb die Zustellung länger dauert. „Wenn mich der Kollege vertritt, dann fährt er mit dem E-Bike“, so Lachmann und fügt augenzwinkernd hinzu: „Wir sind eben immer auf der Flucht.“