In Witten mangelt es an Flächen und Struktur

Rund 100 Gäste aus Wirtschaft, Politik und Bürgerschaft besuchten die Infoveranstaltung in der Sparkasse.
Rund 100 Gäste aus Wirtschaft, Politik und Bürgerschaft besuchten die Infoveranstaltung in der Sparkasse.
Foto: FUNKE Foto Services
Infoveranstaltung in der Sparkasse behandelt Probleme und Chancen der Wittener Industrie. Verbesserungspotenzial in Verkehrsführung und Verwaltung.

Witten..  Kommunale Steuern zählen bei der Ansiedlung von Unternehmen zu den wichtigsten Standortfaktoren. Bei diesen Worten mögen Wittens Politikern und Verwaltungsbeamten die Ohren geklingelt haben. Schließlich wurden Grund- und Gewerbeteuer gerade erst wieder erhöht. Um das Thema „Gewerbeflächenentwicklung und kommunale Steuern als Herausforderungen für Witten“ ging es bei einer Veranstaltung von der Sparkasse und der „Wirtschaftsförderung metropoleruhr“.

In Witten liegen die Hebesätze für Gewerbesteuer und Grundsteuer B deutlich über dem Landesdurchschnitt. Solche Ausreißer nach unten könne man sich nur erlauben, erklärte Rouven Beeck von der IHK, „wenn man dafür in vielen anderen Standortfaktoren sehr gut ist“.

Rund 100 Gäste folgten der Einladung ins Veranstaltungscenter der Sparkasse. Gekommen waren nicht nur Unternehmer und Politiker aus der Ruhrstadt, sondern auch einige Bürger. Falls sich Letztere Neuigkeiten in der Diskussion um mögliche neue Gewerbeflächen in Heven und Stockum erhofft hatten, wurden sie enttäuscht. „Der Drops ist noch nicht gelutscht“, sagte zwar Bürgermeisterin Sonja Leidemann. Doch mehr gab es zu diesem Thema nicht zu hören. In den Vorträgen ging es um die Frage, wie man den Wirtschaftsstandort Witten attraktiver gestalten kann.

Erheblicher Mehraufwand

Witten habe durch die zum 1. Januar erneut erhöhten kommunalen Steuern einen erheblichen Wettbewerbsnachteil gegenüber den umliegenden Städten, erklärte Rouven Beeck von der Industrie- und Handelskammer. Der Leiter des Geschäftsbereichs „Industrie, Energie, Verkehr und Umwelt“ rechnete vor, dass eine GmbH mit einem Basisgewinn von 180 000 Euro im Vergleich zu 2009 einen jährlichen Mehraufwand von 8000 Euro bei den Abgaben hätte.

Bei einem Basisgewinn von 1,8 Millionen Euro würde der Mehraufwand schon rund 53 000 Euro betragen, so Beeck. Verbesserungspotenzial sieht er bei den sogenannten weichen Standortfaktoren, etwa der Verkehrsführung, sowie bei der Dauer von Genehmigungsverfahren. Punkten könne Witten mit seiner guten Erreichbarkeit und seiner medizinischen Versorgung. Doch unterm Strich hat die Ruhrstadt seinen Worten zufolge ein „strukturelles Problem. Das lässt sich nicht durch die Steuerschraube lösen“.

Flächen sind in drei Jahren aufgebraucht

Wie man den Mangel an Gewerbeflächen in der Stadt in den Griff bekommen will, blieb im Laufe des Abends offen. Nach Auskunft von Börje Wichert, Bereichsleiter Standortentwicklung bei der Wirtschaftsförderung metropoleruhr, gibt es in Witten nur drei Hektar Flächenpotenzial. „Bei einem Hektar Umschlag pro Jahr sind die in drei Jahren aufgebraucht“, sagte er.

Eine Lösung sei der Abbau von Nutzungsbeschränkungen. Diese betreffen laut Wichert 69 Prozent der insgesamt noch ungenutzten 42 Hektar Fläche im Stadtgebiet – – zum Beispiel auf dem Gelände der ehemaligen Thyssen-Deponie in Annen. Rasmus C. Beck, Vorsitzender der Geschäftsführung der Wirtschaftsförderung metropoleruhr, kündigte Unterstützung an: „Wir wollen helfen, in Witten Flächen zu entwickeln.“

 
 

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