In Witten begegnen sich zwei Kulturen bei einem Requiem

Der Wittener Bach-Chor führtemit Unterstützung von anderen Chören der Region das Requiem in der Johanniskirche auf.
Der Wittener Bach-Chor führtemit Unterstützung von anderen Chören der Region das Requiem in der Johanniskirche auf.
Foto: Funke Foto Services
Der Wittener Bach-Chor präsentierte in der Johanniskirche ein außergewöhnliches Musikerlebnis in deutscher und japanischer Sprache.

Witten.. Wenn traditionelle Musik aus dem europäischen Raum mit asiatischer Musik verwoben wird, kann man mit Recht von einer eher selten angewandten Kompositionstechnik sprechen. Der Wittener Bach-Chor hatte den Mut und die Fantasie, ein so ungewöhnliches Werk wie das Requiem von Karl Jenkins in der Johanniskirche aufzuführen. Dem englischen Komponisten ist es auf wundersame Weise gelungen, den Zyklus von Leben und Tod sowohl aus europäisch christlicher Sicht als auch aus der asiatischen Vorstellungswelt – in diesem Falle Japan – miteinander zu verbinden und kunstvoll zu vertonen.

Der Wittener Traditionschor hatte sich mit dem Kantatenchor Gevelsberg und dem Ev. Jakobus-Chor Breckerfeld verstärkt. Die etwa 70 Chorsänger hatten neben den hohen technischen und rhythmischen Anforderungen auch noch japanische Texte zu bewältigen. Das Ergebnis war eine überaus farbige und intensive Musikwiedergabe, die die Zuhörer in der voll besetzten Johanniskirche von Beginn an in ihren Bann zog.

Hip-Hop-Elemente im „Dies irae“

Der Eingangschor („Die ewige Ruhe gib ihnen“) erklang noch im traditionellen Stil, wobei aber die schwebend leichte Tonsprache englischer Kirchenmusik hörbar blieb. Der Höhepunkt des Werkes folgte sofort anschließend. Im gewaltigen Chorsatz „Dies irae“ (Tag des Zornes) wird zum jüngsten Gericht geblasen und Endzeitstimmung erfasst die Menschen. Hier hatte der Komponist mit teilweisem Sprechgesang Elemente des Hip-Hop einfließen lassen. Mit abgehackten rhythmischen Rufen und dem Einsatz lautstarken Schlagwerks wurde die Stimmung bis ins Unerträgliche gesteigert, bevor die Musik unvermittelt abbrach. Das war eine große Leistung von den Sängern aber auch von den Musikern des Philharmonischen Orchesters Ennepe-Ruhr und dem Dirigenten Gerhardt Marquardt.

Bei Gesängen wie „Nachdem ich den Mond gesehen habe“ und „Lebt wohl“ erklangen gleichzeitig japanische Texte und Musik von den Frauen und lateinische Texte und Musik in unserer Tonsprache, gesungen von den Männern. Ein einzigartiges Flair ging von dieser Musik aus, zumal die Soloflöte mit fernöstlichen Melodien den meditativen Charakter dieser Musik weiter unterstrich.

Die Aufführung war eine echte Bereicherung im Wittener Musikleben und wurde vom Publikum in der Johanniskirche stürmisch gefeiert.

 
 

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