In diesen Wittener Koffern steckt jede Menge Technik

Norbert Wenzel von der Firma Nowe-Cases aus Witten baut Flugkoffer – auch für Paketzusteller.
Norbert Wenzel von der Firma Nowe-Cases aus Witten baut Flugkoffer – auch für Paketzusteller.
Foto: WAZ
Norbert Wenzel baut in seiner Manufaktur individuelle Flight-Cases, die es in sich haben: Ganze Küchen, Schminktische und kleine Eisdielen finden darin Platz. Auch Günther Jauch und Heidi Klum wissen die Einzelstücke made in Witten sehr zu schätzen.

Witten.  Wenn Heidi Klums angehende Topmodels beim TV-Dreh in den Spiegel gucken, dann in einen aus Witten. Wenn Günther Jauch bei „Wer wird Millionär“ in der Werbepause die Nase gepudert wird, dann kommt der Rollwagen mit der Schminke aus Witten. Und wenn die Techniker vom NDR auf ihren Wagen zum Feuerlöscher greifen, dann steckt auch der in einem Schrank aus Witten – genauer: In einem Flight-Case der Firma Nowe.

Seit Anfang 1990 produziert die kleine Manufaktur diese Transportkoffer, alles Einzelstücke, individuell und auf Maß gefertigt. Man kannte sie bislang vor allem von Pop-Konzerten: Schwarze Trums, die nach dem Auftritt von den Roadies der Bands hin- und hergewuchtet werden. Doch in den Wittener Cases steckt mehr als ein Mikroständer: Nowe baut mobile Schminkplätze für Fernsehen und Theater in die Gehäuse, Erste-Hilfe-Sets samt Defibrillator und ganze Küchen – wenn’s gewünscht wird, auch mit Fritteuse und Dampfgarer. „Da ist alles komplett drin – man macht den Deckel ab und kann loslegen“, sagt Norbert Wenzel, Chef, kreativer Kopf und Vorarbeiter in einer Person: Nowe ist ein Ein-Mann-Unternehmen.

Anfang war steinig

Mitte der 80er-Jahre hatte der Bühnenmeister seine erste Küche im Koffer gebaut, weil er die Nase voll hat, dass seine Kollegen auf Tour immer die Küche in seinem Wohnmobil versauten. In ihr war noch nicht einmal gespült worden, da war sie schon verkauft: Die Bandmusiker waren begeistert. „So hat’s angefangen, dann wurde das immer mehr“, erinnert sich der 55-Jährige.

Erst lief das Geschäft noch nebenher, der Wittener behielt seine Festanstellung als Studioleiter. „2004 hab ich mir dann ein Herz gefasst und gesagt: Ok, dann machst du eben nur noch Kisten.“ Wenzel mietete eine Halle an der Arthur-Imhausen-Straße – „hier war früher wohl die Fahrradwerkstatt der Wabe drin“ – und legte los. „Es war ein steiniger Start“, gibt er zu. „Ich bin eben kein Kaufmann.“

Harfenkoffer war am schwierigsten

Inzwischen läuft das Geschäft: Edeka hat ein Dutzend Verkostungstheken bei Wenzel bestellt, Altenheime und Schulen ordern mobile Küchen, die Pauken des Heeresmusikkorps’ stecken ebenso in Nowe-Koffern wie die Zugangstechnik der Weltklimakonferenz. „Aber das Schwierigste, was ich je gebaut habe, war ein Harfen-Koffer. Beim Ausmessen habe ich mir da echt die Karten gelegt.“ Gebaut werden die Gehäuse dann allesamt aus Multiplex-Platten, mit dicken Alukanten, ausgestattet mit Strom und Steckern, ausgelegt mit passgenauem Schaumstoff. Sicher ist sicher: „Denn Spedition, das ist Krieg.“

Für sein jüngstes Projekt nutzt Wenzel nun erstmals kein Holz, sondern leichtes Alu-Wabenmaterial aus dem Flugzeugbau. Die Alu-Cases montiert er an Pedelec-Dreiräder: „Diese Radkoffer wollen wir Paketdiensten anbieten – für die City, damit kommt der Zusteller überall hin und rein.“ Und auch falls die Dienste nicht auf die Idee abfahren: Ein Eisdielenbesitzer hat schon Interesse bekundet, er will seine Hörnchen dort verkaufen, wo kein motorisierter Eiswagen hin darf.

 
 

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