In der Schreinerei Einblicke in einen Männerberuf bekommen

Melina , 15 Jahre, Schülerin der Freiligrathschule, absolviert ein Praktikum bei der Tischlerei Hoffmann. Foto: Walter Fischer
Melina , 15 Jahre, Schülerin der Freiligrathschule, absolviert ein Praktikum bei der Tischlerei Hoffmann. Foto: Walter Fischer
Foto: Walter Fischer
Eigentlich möchte Melina Beste Friseurin werden. Stattdessen macht sie nun ein zweiwöchiges Praktikum in einem Schreinerbetrieb in Annen. Und ist damit in einem klassischen Männerberuf gelandet.

Witten.. Sie das einzige Mädchen in ihrer Klasse der Freiligrathschule, das in einen typischen Männerberuf schnuppert. Zwei Wochen lang sägen, schleifen und Holz zuschneiden - Melina Beste darf während ihres Praktikums in der Tischlerei Hoffmann viel selbst machen, aber immer unter den wachsamen Augen der ausgebildeten Schreiner. An die großen Geräte wie die Kreissäge wird sie aus Sicherheitsgründen nicht gelassen.

Die Maschinen waren zu Beginn ihres Schülerpraktikums Melinas größte Sorge. „Ich habe schon Angst gehabt vor den Geräten. Ich hatte noch nie etwas damit zu tun, da können die Maschinen einschüchternd wirken“, sagt die 15-Jährige. Das sei der größte Unterschied zwischen Jungen und Mädchen, weiß Schreinermeister Marc Hoffmann (33), der gemeinsam mit Bruder Lars und Vater Heinz den Betrieb führt. „Die Jungs kommen mit der Erwartung zu uns, auch diese Maschinen bedienen zu dürfen. Da müssen wir sie immer ein wenig enttäuschen.“

Die Idee für das Praktikum in einer Tischlerei kam der Schülerin spontan. Gemeinsam mit ihrer Mutter suchte sie nach Jobs für Praktikanten. „Warum sollte ich es nicht in einem Handwerksbetrieb versuchen?“, meint Melina. Gesagt, getan, und nach einigen Anrufen landete sie in der Annener Schreinerei. Obwohl ihr ursprünglicher Berufswunsch völlig anders war, gefällt der 15-Jährigen die holzige Arbeit.

Zum Schluss ein Büroschrank

Ihre letzte Aufgabe war die Fertigstellung eines Büroschranks. Obwohl sie meistens nur die Bretter halten oder das Holz abschleifen darf, macht es die Schülerin stolz zu sehen, wie das Möbelstück vollendet wird. Gemeinsam mit Schreiner Lars Hoffmann (29) arbeitet sie an dem Stück. „Jetzt muss noch die Oberplatte gefestigt werden, dann ist er fertig“, erklärt Melina und zeigt stolz auf die Dübel und den Schubkasten,welchen sie ganz alleine in den Schrank einlassen durfte.

Mittlerweile kennt sie die Namen der einzelnen Bauteile, auch wenn ihr Lieblingsarbeitsgerät von ihr nur „Pusteding“ genannt wird. Die Luftdruckpistole benutzt Melina, wenn einer der Männer Holz sägt, um die Späne aus dem Arbeitsbereich zu pusten. „Und hinterher alles zusammenfegen. Das ist mein Hauptjob“, sagt Melina lachend. Ihre Chefs sind mit der Schülerin zufrieden. Marc Hoffmann: „Sie ist neugierig und schnell zu begeistern.“ Trotzdem weiß er, dass nur wenige Frauen den Beruf später ausüben.

Melina Beste schnuppert nach dem Ende des Praktikums in den Beruf der Friseurin. Erst dann will sie sich entscheiden, welche Ausbildung sie interessieren könnte. „Aber die Schreinerin hat richtig gute Chancen.“

 

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