Hunde, teuer

Mischlingsrüde Krümel ist bekennender Steuerzahler. Foto: Ute Gabriel
Mischlingsrüde Krümel ist bekennender Steuerzahler. Foto: Ute Gabriel
Foto: WAZ

Witten.. In die Diskussion um die geplante Hundesteuer-Erhöhung von 50 Prozent kommt Bewegung. Sowohl die Steuerhöhe als auch der Fortfall der Ermäßigung bei bedürftigen Personen wurden im Sozialausschuss kritisiert.

Dies gleich vorweg: Dass die Hundesteuer im Rahmen der Haushalts-Konsolidierung erhöht wird, ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Denn die letzte Erhöhung hatte es vor 19 Jahren gegeben. „Ich bin auch für eine Erhöhung, frage mich aber, ob das in dieser Höhe sein muss“, so der Ausschuss-Vorsitzende Heinz Jürgen Dietrich (SPD). Wie berichtet soll die jährliche Hundesteuer von 93 auf 144 Euro für den ersten Hund und von 123 auf 192 Euro pro Tier bei zwei Hunden ansteigen.

Die Stadt betont, und das ist legal, dass man damit „in Augenhöhe mit Bochum oder Dortmund“ liege. Die Stadt verschweigt, und das ist vermutlich auch legal, dass so ein treuer Vierbeiner allerdings in Herdecke mit 94 (zwei Hunde: je 110), in Ennepetal mit 96 (zwei Hunde: je 116) und in Castrop-Rauxel sogar mit 84 Euro (zwei Hunde: je 96 Euro) davonkommt.

Was Heinz Jürgen Dietrich jedoch empört, ist die Tatsache, dass die fünfzigprozentige Sozialermäßigung künftig nur noch für den aktuelle lebenden Hund Bedürftiger gelten soll, bei Tod des Tieres und Neuerwerb jedoch keine Ermäßigung mehr gewährt werden soll. „Ich halte es für sozial nicht in Ordnung, dass ein Sozialhilfeempfänger, der über Jahre einen Hund gehabt hat, nach dessen Tod keinen mehr halten kann. Das ist sozial nicht zu rechtfertigen.“ Dietrich regte an, das Thema in den Fraktionen noch einmal neu zu bewerten. „Es ist nicht sozial, so zu verfahren“, so der SPD-Ratsherr.

Fund-Hund kostet ab 200 Euro

Auch der Erste Beigeordnete Frank Schweppe findet es diskussionswürdig, „ob Menschen, die von Transferleistungen leben, sich künftig noch einen Hund halten können“. Er gibt jedoch auch zu bedenken, dass in Witten ein Hund auch in der Anschaffung bereits Geld koste. Im Wittener Tierheim liegt der Preis, mit dem vor allem medizinische Leistungen abgedeckt werden, für einen Hund zwischen einem Grundbetrag von 200 Euro und 320 Euro in der Spitze. In anderen Städten würde kein Geld für ein Fundtier genommen.

Heinz Jürgen Dietrich, unter anderem auch Kuratoriumsvorsitzender des Awo-Seniorenwohnheims Egge, räumt ein, dass er es nicht für möglich gehalten hatte, welche Lebensqualität ein Hund für alte Menschen ausmache. „Wir haben an der Egge gesehen, wie die Leute aufblühen, die ein solches Tier haben. Deshalb sollte man Hilfeempfängern auch weiterhin nur einen kleinen Betrag abnehmen.“

Für viele sei die nun geplante kräftige Anhebung schwierig. Dietrich: „Ich hatte in der Vergangenheit mehrfach angemahnt, die Hundesteuer jeweils moderat zu erhöhen. Das ist jedoch leider nicht erfolgt.“

Schweppe will Kämmerer Matthias Kleinschmidt von der Diskussion im Sozialausschuss berichten. „Die Haushaltskonsolidierung hängt sicherlich nicht von der Hundesteuer ab“, so der Beigeordnete. Würde sie wie geplant erhöht und fielen die Sozialermäßigungen weg, würden jährlich rund 270 000 Euro mehr ins Stadtsäckel fließen. Dietrich: „Vielleicht sollte man stattdessen über eine Pferdesteuer nachdenken.“

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