„Hexen“ mit Toleranz begegnen

Eine Ausstellung in der Kirche Heven beschäftigt sich mit den Hexenprozessen im Ruhrgebiet.
Eine Ausstellung in der Kirche Heven beschäftigt sich mit den Hexenprozessen im Ruhrgebiet.
Foto: Fischer / WAZ FotoPool
Die Ev. Kirche Heven eröffnet heute eine Ausstellung im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Hexenwahn und Menschenwürde“.

Im seiner aktuellen Reihe „Hexenwahn und Menschenwürde“ blickt der Evangelische Kirchenkreis Hattingen-Witten zurück – weit zurück. Heute wird in der Ev. Kirche Heven eine Ausstellung eröffnet, deren Motiv nur auf den ersten Blick nicht mehr zeitgemäß scheint: „Hexenprozesse – der evangelische Pfarrer Anton Praetorius Kämpfer gegen Folter“.

„Wir sollten eine Lehre aus der Geschichte ziehen“, sagt der Kirchenpädagoge Wolfgang Schneider. Denn oft seien in der Vergangenheit vor allem die der Hexerei bezichtigt worden, die sich nicht wehren konnten – Witwen und Menschen, die sich anders benahmen oder anders aussahen. Auf diese Benachteiligten sollte man auch heute eine besondere Rücksicht nehmen.

„Erschreckend finde ich, dass mittlerweile bei uns nur die niedliche, mystische Seite von Hexen populär ist“. Dabei gebe es durchaus noch Hexenprozesse, vor allem in unterentwickelten Ländern. Etwa in Form dessen, dass Wehrlose an den Pranger gestellt werden, um die eigene Macht zu demonstrieren. Für unerklärliche Katastrophen und Epidemien werde ebenfalls schnell ein Sündenbock gefordert. Die Motive der Hexenverbrennungen haben sich seit dem Mittelalter und der frühen Neuzeit kaum geändert. In Witten zum Beispiel gab es zwischen 1580 und 1647 vor allem Hexenprozesse, die mit dem Machtkampf der drei Patronatsfamilien zusammenhingen. Die niederen Gefolgsleute des jeweiligen Gegners wurden bezichtigt und verurteilt.

20 Opfer in Witten

Insgesamt soll es zwanzig Opfer in Witten gegeben haben. Das bekannteste Beispiel ist der Bauer Bottermann. „Das Besondere ist, dass ausnahmsweise eine Frau einen Mann der Hexerei bezichtigt haben soll“, so Schneider. Eine Patronatsherrin gab an, er habe ihre Herde verhext. Mutmaßlich liege der Grund für die folgende Folter und seinen Tod allerdings in seiner kritischen Haltung gegenüber der Hexenverfolgung.

Auf eben solchen Gegnern der Prozesse liegt der Schwerpunkt der aktuellen Ausstellung in der Ev. Kirche Heven. Die Dokumente hat der pensionierte Pfarrer Hartmut Hegeler in Unna zusammengestellt.

Wolfgang Schneider sah die Ausstellung beim Kirchentag und holte sie passend zu der Veranstaltungsreihe „Hexenwahn und Menschenwürde“ nach Witten. Auf das Thema der Hexenverfolgung in Witten wird Schneider auch bei seiner Kirchenpädagogischen Führung „Menschenschicksale in der Johanniskirche“ am Donnerstag, 21.Februar eingehen. Start ist um 18 Uhr an der Johanniskirche.

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