Heilsames aus dem Apothekergarten

Viel Wissenswertes erfahren Teilnehmer bei der Führung mit Apotheker Dr. Harald Werner durch den Apothekergarten der Adler-Apotheke in Annen. Foto: Manfred Sander / WAZ FotoPool
Viel Wissenswertes erfahren Teilnehmer bei der Führung mit Apotheker Dr. Harald Werner durch den Apothekergarten der Adler-Apotheke in Annen. Foto: Manfred Sander / WAZ FotoPool
Foto: WAZ FotoPool

Witten..  Tritt man in den Hinterhof der Adler-Apotheke in Annen, eröffnet sich einem nicht weit von überfüllten Straßenkreuzungen und lautem Bahnverkehr plötzlich eine grüne Oase. Mitten in der Stadt wachsen hier über 100 Arzneipflanzen in einem sattgrünen Apothekergarten.

Die Pflanzen tragen Namen wie Juniperus communis, Digitalis purpurea oder Ficus carica. Besser bekannt als Wachholder, Fingerhut und Feigenbaum. Und alle haben eines gemeinsam: Sie zeigen Wirkung – sei es bei einem schwachen Altersherz oder bei Verstopfung.

Mitten zwischen den Heilkräutern steht Dr. Harald Werner. Seit 1987 führt er die Apotheke seines Vaters weiter. Den kleinen Schatz in seinem Hinterhof, der ursprünglich er als Lehrgarten für Auszubildende und Praktikanten der Apotheke gedacht war, behielt er und beschloss diesen auch Laien zugänglich zu machen. Das Interesse ist groß: Trotz strömendem Regen stehen an diesem Tag 12 Teilnehmer vor dem Apotheker und warten gespannt auf eine lehrreiche Führung.

Und es gibt viel zu entdecken. Dabei überraschen vor allem die wohlbekannten Pflanzen wie zum Beispiel die Brennnessel: Die Wurzel, des oft als Unkraut beschimpften Gewächses, wirkt bei gutartigen Prostatavergrößerungen und Rheuma. Oder erst der Wein, der wurde früher Bergleuten mit Staublunge verschrieben. „Wein gab es damals noch auf Rezept, das wünscht man sich doch auch heute noch“, scherzt Harald Werner. Neben der Brennnessel, die höchsten ein bisschen piekt, wenn man sie berührt, stehen aber auch richtige Schwergewichte. „Fünf Tollkirschen können für ein Kind tödlich sein“, so der Apotheker. Aber: Die giftige Kirsche ist auch eine wichtige Heilpflanze, hat entkrampfende Wirkung, die sich Narkoseärzte zunutzen machen. Ähnlich auch der gefährliche Fingerhut. „Der muss sehr vorsichtig dosiert werden, hilft aber beim Altersherz.“ Unter fachkundiger Anleitung wird aus giftigem also heilsames. „Die Dosis macht das Gift“, macht Werner deutlich. Laien sollten sich jedoch von solchen Gewächsen fern halten.

Im Garten stehen aber auch Kräuter, die sich jeder in den eigenen Garten pflanzen kann, wie Pfefferminz, Wermut oder Salbei. Wermut wirkt zum Beispiel appetitanregend, ist aber sehr bitter. Doch auch da weiß der Apotheker Rat: „In Martini-Form schmeckt der deutlich besser.“ Ursula Küthe, die zum ersten Mal durch den Garten geführt wird, hat selbst einige der Kräuter zu Hause im Garten. „Vor allem natürlich, weil die frisch im Salat lecker schmecken.“ Manche nutzt sie aber auch für einen Teeaufguss, wie zum Beispiel den Salbei. Einen Fingerhut kann sich die Wittenerin aber nicht in ihrem Garten vorstellen. „Das wäre mir zu gefährlich. Was wir gerade über den gelernt haben, bietet ja Stoff für einen Krimi.“
Die Adler-Apotheke ist die älteste Apotheke des Stadtteils Annen und wurde bereits 1871 gegründet. Den Grundstock für den Apothekergarten legte Hans Joachim Werner, der die Apotheke 1951 übernahm.

Die Führung dauert etwas über eine Stunde und findet etwa vier bis fünf Mal im Jahr statt. Interessierte können sich jederzeit unter der kostenlosen Servicenummer 0800-5845300 anmelden. Gruppenführungen sind auch möglich.

 
 

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