Großübung in der Holzkampschule

Die Jugendfeuerwehr dringt in die verrauchten Räume der Holzkampschule ein. Auch ASB, THW und DRK waren an der Übung am Samstag beteiligt. Foto: Walter Fischer / WAZ FotoPool
Die Jugendfeuerwehr dringt in die verrauchten Räume der Holzkampschule ein. Auch ASB, THW und DRK waren an der Übung am Samstag beteiligt. Foto: Walter Fischer / WAZ FotoPool
Foto: Fischer / WAZ FotoPool

Witten..  Anwohner lehnen aus ihrem Fenster und schauen sich die Menschenansammlung auf dem Hof der Holzkampschule an.

Zahlreiche Fahrzeuge des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) sowie des Technischen Hilfswerks (THW) und der Feuerwehr warten auf dem Gelände auf ihren Einsatz. Nein, zum Glück hat es keinen schlimmen Unfall in der Schule geschehen. Die jungen Retter proben den Ernstfall.

„Bitte räumen Sie das Gebäude“ schallt es im Hintergrund über die Lautsprecher. Eine Durchsage gibt den umstehenden Zuschauern das Gefühl, bei einem wahren Brand dabei zu sein. Durch rot-weißes Flatterband ist dem Publikum der Weg über den Hof versperrt. In Schutzjacken eingehüllt eilen Jugendliche der Feuerwehr auf das Gebäude zu, aus dem dichter weißer Nebel aufsteigt. Von innen hört man Schreie. Ein Mädchen lehnt sich aus dem Fenster: „Helft mir doch endlich, bitte!“

Dass die Szene nur eine Übung ist, verrät spätestens das Alter der Brandbekämpfer, sind sie doch alle erst zwischen zehn und 18 Jahre jung. Sie haben durchaus ihr Publikum. Und Achim Bierhoff, Sprecher der Freiwilligen Feuerwehr, weiß, wie wichtig den Jugendlichen der Zuspruch ihrer Eltern ist. „Die Übungen sind eine Abwechslung für sie und sie können ihren Verwandten zeigen, was sie alles gelernt haben.“

An diesem Morgen ist kein Feuer ausgebrochen. Eine giftige Chemikalie fließt aus, die sich bereits entzündet hat - so lautete die Vorgabe. Nebelmaschinen tauchen die Gänge der Schule in dichten Dampf. Man kann kaum die Hand vor Augen sehen. Hier kämpfen sich die jugendlichen Retter durch, auf der Suche nach Opfern.

In einem Klassenzimmern sitzen Lisa Pösch (11) und Michelle Herbach (18). Die Elfjährige schreit nach etwas zu trinken, „schrecklichen Durst“ habe sie. Michelle wurde eine blutige Nase aufgemalt. Die beiden Laiendarsteller kommen vom Jugendrotkreuz Witten und Dortmund. Sie müssen ihre Rollen täuschend echt spielen, um es den Lebensrettern besonders schwer zu machen. Immer wieder kann man auf dem Schulhof Feuerwehrleute sehen, die Verletzte zu den Versorgungsstationen des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) bringen. Bis zur letzten Sekunde, das heißt, bis die Übung beendet ist, bleiben die „Verletzten“ ihrer Rolle treu.

Unterdessen ziehen Jugendliche des Technischen Hilfswerks (THW) mit Hilfe einer Winde ein Auto von Puppen herunter, das auf dem Schulhof platziert wurde. Auch das ist ein wichtiger Übungsteil, an dem allerdings nicht jeder Nachwuchshelfer teilnehmen kann. Der 14-jährige Joel sitzt auf einem Stuhl am Rand und muss zuschauen.

Seine Schutzschuhe sind zwar bestellt, aber noch nicht angekommen. „Da kann man nichts machen, auch wenn das natürlich nicht gerade toll ist für mich“, so Joel. Aber mit seinen normalen Straßenschuhen darf er an der Übung nicht teilnehmen.

Nach zwei Stunden sind alle Opfer gerettet und die Jugendlichen erschöpft, aber zufrieden. Holger Hohagen, Ortsbeauftragter des THW, findet die Jugendlichen toll: „Klar, sie müssen noch viel lernen, aber im Prinzip läuft alles gut. Sie sind unsere Zukunft.“

 
 

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