Großes wächst im Bebbelsdorf

Eifrig wird auf der Baustelle der neuen Biogasanlage im Bebbelsdorf gearbeitet. In sechs bis acht Wochen soll sie den Probebetrieb aufnehmen. Foto: Walter Fischer WAZ/FotoPool
Eifrig wird auf der Baustelle der neuen Biogasanlage im Bebbelsdorf gearbeitet. In sechs bis acht Wochen soll sie den Probebetrieb aufnehmen. Foto: Walter Fischer WAZ/FotoPool
Foto: Walter Fischer

Witten.. Wer in den letzten Wochen den Rheinischen Esel West entlang radelte, stellte vielleicht verblüfft fest, dass nahe der Müllumladestation am Bebbelsdorf ein großes Hallen-Ensemble heranwuchs.

Es ist die neue Bioabfall-Vergärungsanlage der AHE. In etwa sechs bis acht Wochen soll sie ihren Probebetrieb aufnehmen.

Es handelt sich um die erste Biogasanlage im Ennepe-Ruhr-Kreis, die hier auf rund 15 000 Quadratmetern entsteht. Das Entsorgungsunternehmen AHE aus Wetter, das je zur Hälfte der AVU und Remondis gehört, unterhält bereits die nahe gelegene Umladestation am Bebbelsdorf 73. Aus etwa 25 000 Tonnen Biomüll, die jährlich im Kreis anfallen, soll nun also in der neuen, rund 15 Millionen teuren Anlage Strom erzeugt werden. „Pro Jahr werden wir knapp fünf Millionen Kilowattstunden Strom produzieren“, erklärt AHE-Geschäftsführer Klaus Erlenbach (46).

Die werden dann ins Netz der Stadtwerke eingespeist. Außerdem fallen flüssige Gärreste an, die zunächst in 8000 Kubikmeter großen Speichertanks gesammelt und dann als Düngemittel für die Landwirtschaft vermarktet werden sollen. Und der ebenfalls bei dem Prozess übrig bleibende feste Kompost soll „möglichst bei den Bürgern des EN-Kreises im Garten eingesetzt werden“, wie AHE-Niederlassungsleiter Johannes Einig (29) meint. Mit anderen Worten: Von Gebinden um die 20 Liter bis zu ganzen Kofferraumladungen soll man diesen Kompost bei der AHE kostenlos abholen können.

Um den Gär- und damit den Stromerzeugungsprozess in der Anlage, zu der auch zwei Blockheizkraftwerke gehören, in Gang zu setzen, kann die AHE vom Gartenschnitt über Kaffeefilter bis zu Speiseresten Vieles gebrauchen. Doch noch landete davon bei weitem nicht alles in der braunen Tonne: „Etwa 30 Prozent Biomüll finden sich in der grauen Tonne wieder“, schätzt Erlenbach. Würden die richtig getrennt, könnten die Bürger Kosten sparen, indem sie eine kleinere grauere Abfalltonne bräuchten. Niedrigere Strompreise für die Kunden durch die neue Biogasanlage seien allerdings nicht zu erwarten, so der AHE-Geschäftsführer.

Werde der Biomüll an der Umladestation noch offen gelagert, so vollziehe sich der gesamte Prozess der Biogasanlage in geschlossenen Räumen: Das reicht von den Schnelllauftoren, die in Sekundenschnelle zuschnappen, wenn die Wagen zur Anlieferung kommen über das Verquirlen und die Vergärung der Abfälle in den dafür vorgesehenen Hallenbecken. „Die Geruchsbelästigung wird für die Anwohner eher weniger“, unterstreicht Erlenbach. Dafür sorge auch ein rund 30 Meter hoher Kamin inklusive Biofilter.

Doch einige Anwohner bleiben skeptisch: „Wir haben gedacht, die Anlage würde weiter hinten auf dem Gelände gebaut“, meint Heike Bluhm, die im Bebbelsdorf 41 wohnt. „Viele Leute haben hier Eigentum. Und die befürchten, dass die Preise ihrer Häuser und Wohnungen sinken, wenn es doch zu Geruchsbelästigung kommen sollte“, ergänzt der Ehemann der 42-Jährigen.

Und Dietmar Grieger (43), der ebenfalls im Bebbelsdorf wohnt, befürchtet: „Schon jetzt stehen die Müllwagen an der Umladestation dicht gedrängt und versperren die Straße. Was soll erst werden, wenn sie aus allen Himmelsrichtungen die Biogasanlage beliefern?“

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