Großes Interesse an Wittens Freifunk-WLAN

Rund 20 Gäste konnten Michael Kapmeyer (li.) und Stefan Borggraefe (re.), die Organisatoren des Wittener Freifunk-Treffens, am Sonntag begrüßen. In ihren Händen: die WLAN-Router.
Rund 20 Gäste konnten Michael Kapmeyer (li.) und Stefan Borggraefe (re.), die Organisatoren des Wittener Freifunk-Treffens, am Sonntag begrüßen. In ihren Händen: die WLAN-Router.
Foto: Fischer
Andrang im Ratskeller: Einwohner aus Buchholz, Herbede und Sonnenschein informierten sich über die kostenlosen, unverschlüsselten Internetzugänge auf dem Rathausplatz und dem Wiesenviertel. Es soll demnächst noch mehr in der ganzen Stadt geben.

Witten..  Kostenloses, frei zugängliches WLAN: Das ist schon heute in Teilen Wittens kein Traum, sondern Realität. „Am Marktplatz und im Wiesenviertel, unter anderem“, erklärt Stephan Borggraefe.

„Freifunk“ heißt das Zauberwort. So heißen nicht nur die Funknetze, sondern auch ein Verein, über den sich die Wittener engagieren. 19 Männer und eine Frau kamen gestern im Ratskeller zusammen, um über Freifunk zu informieren.

Mitmachen ist einfach

„Ist ja gut besucht“, freute sich Roland Löpke, vor allem als Piraten-Stadtrat bekannt. „Ja“, antwortete Borggraefe, „es gab auch mal Treffen zu zweit.“ Gestern kamen Besucher aus Bochum, Hattingen, Dortmund und Hagen. Dabei geht es nicht um Geld. „Freifunk ist nicht kommerziell“, erklärte Borggraefe zu Beginn. Überwachung oder Zensur soll es nicht geben.

Im Wiesenviertel, wo Michael Kapmeyer ein Ladengeschäft hat, sorgen inzwischen mindestens zwölf Freifunk-Router für schnelle Internetverbindungen, erzählt er. Obwohl das Projekt erst am Jahresanfang startete, funken schon 40 Router im Stadtgebiet – auch in Annen, bald wohl in Herbede, Buchholz und Sonnenschein.

Mitmachen ist einfach: Die Router mit der nötigen Spezialsoftware verkaufen die Freifunker zum Selbstkostenpreis. Und die Stromkosten? „Das sind selbst bei starker Nutzung unter zehn Euro im Jahr“, sagt Kapmeyer, die Geräte verbrauchen im Betrieb nur etwa drei Watt.

Keine Angst vor Daten-Diebstahl

Für gute Funksignale schrecken die Idealisten nicht vorm Basteln zurück: „Wände schwächen das WLAN, daher stellt man den Router am besten draußen auf“, erzählen die Gäste. Wetter erfordert andere Gehäuse. Wie man die selbst herstellt, wird im Ratskeller gezeigt.

Der freie Zugang läuft dabei nicht einfach nur über die Anschlüsse der Teilnehmer. Die Wittener gehören zum Verein Freifunk Rheinland, und der hat eine eigene Infrastruktur aufgebaut, über die der Internetverkehr läuft, erklärt Phillip Berndroth (Freifunk Ruhrgebiet). Da Freifunk Rheinland inzwischen als Provider, als Internetanbieter, angesehen wird, brauchen die WLAN-Bereitsteller keine Befürchtungen haben, falls jemand über das offene WLAN illegale Dinge anstellt, führt Berndroth aus. So drohe keine Gefahr von Anwälten. Das war in der Vergangenheit ein großer Nachteil bei unverschlüsselten Netzen.

Unverschlüsselt heißt aber weiterhin, dass ein Experte scannen kann, wer welche Seiten ansurft, im schlimmsten Fall können Passwörter ausgelesen werden. Das sieht Stephan Borggraefe nicht mehr als Problem an: „Die meisten Webseiten bieten ja eigene Verschlüsselung via https an.“ Und alle großen E-Mail-Anbieter erzwingen heute von ihren Nutzern SSL-Verschlüsselung, sodass da keine Gefahr drohe.

 
 

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