Großer Andrang zur Kultur-Debatte

Rund 120 Teilnehmer kamen zum Auftakt ins Haus Witten.
Rund 120 Teilnehmer kamen zum Auftakt ins Haus Witten.
Foto: WAZ

Witten.  Ein Grundgerüst mit Ideen für einen neuen „Masterplan Kultur“: nicht weniger erhofft sich die Stadt von dem neuen Pilotprojekt des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL). 120 Kulturschaffende, Politiker, Verwaltungsmitglieder und Interessierte nahmen am Auftakt des Kulturentwicklungsplans teil.

Das vom Osnabrücker Kulturberater Reinhart Richter entwickelte Verfahren ist bewusst niedrigschwellig gehalten. Statt langer Vorträge durften die Teilnehmer gleich selbst Meinungen austauschen. Denn bevor Ideen und langfristige Ziele entwickelt werden könnten, müsse man sich zunächst die gesellschaftlichen Veränderungen der Zukunft vor Augen führen, so Reinhart Richter.

In sieben verschiedenen Arbeitsgruppen, die von jeweils einem Experten aus Witten geleitet wurden, entstanden angeregte Diskussionen zu den Themen: alternde Gesellschaft, bürgerschaftliches Engagement, Digitalisierung, multikulturelle Gesellschaft, Armutsentwicklung, Tourismus sowie Kindheit, Jugend und Schule. Besonders die Themen Alter und verschiedene Formen des Ehrenamts wurden kontrovers diskutiert. Die Tourismus-Gruppe sprach sich für mehr Kombitickets bei Kultur- und Freizeitveranstaltungen aus.

Neben den Vorständen vieler alteingesessener Kulturvereine nahmen auch junge Kulturinteressierte und Künstler der freien Szene teil. Die Veranstalter werben aber weiter um junge Teilnehmer.

Entwicklungsplan holt Kritiker und Politiker an einen Tisch

In seiner Ansprache beim Auftakt des Kulturentcklungsplans in Witten nahm Kulturforumsleiter Dirk Steimann auch Bezug auf die Situation nach der gescheiterten Bürgerwerkstatt zur Zukunft der Bibliothek. Er wolle sein „Möglichstes dafür tun“, dass man gemeinsam wieder zu einem „konstruktiven, aber gerne auch kritischen Dialog“ zurückkehren könne. Tatsächlich ließen sich viele Kritiker der aktuellen Kulturpolitik auf den Pilotprozess ein und beteiligten sich anschließend rege an den Arbeitsgruppen.

Junge Kulturschaffende wie Philip Asshauer vom Stellwerk und der neue Werkstadt-Geschäftsführer Benjamin Jecht, die bislang nicht an den öffentlichen Diskussionen beteiligt waren, lobten das LWL-Projekt: „Die Initiative finde ich gut“, sagte Asshauer, der gleich zwei weitere Studentinnen seiner Kulturinitiative mitbrachte. „Blöd ist nur, dass einige in den Gruppen immer noch über alten Streitereien sprechen. Der Spaß an der Kultur sollte die Motivation für die neuen Diskussionen sein – und nicht der Wille, sich hier gegenseitig alte Klötze um die Ohren zu hauen.“

Trotzalledem präsentierten die Gruppen abschließend im Plenum reichhaltige Ergebnisse. Um mehr Migranten zu erreichen etwa, schlug Armin Suceska vom Integrationsrat vor, Flyer mehrsprachig zu drucken und bei der anstehenden 800-Jahr-Feier der Stadt auch Ausstellungen zu Erinnerungen von Gastarbeiterfamilien zu planen.

Alleinstellungsmerkmale finden

Insgesamt, so das Zwischenfazit, müsse sich die Kultur zukünftig auf eine älter und bunter, aber auch ärmer werdende Gesellschaft einstellen, auf zunehmende Digitalisierung und neue Präsentationsformen im Internet. Zielgruppe für Tourismusangebote seien weiterhin Tagestouristen, die NRW bereisen. Wichtig sei es daher, Wittener Alleinstellungsmerkmale herauszuarbeiten.

Die kompletten Ergebnisse werden in den kommenden Tagen verschriftlicht und im Internet veröffentlicht (www.kulturforum-witten.de). Beim nächsten Treffen (Fr., 6. September) soll gemeinsam eine „Stärken-, Schwächen-, Risiko-Analyse“ vorgenommen werden. Los geht es um 16 Uhr im Saalbau.


 
 

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