Griff in die Tonne ist Stadt Witten zu teuer

So einfach könnte es sein, findet Dr. Eva Schramm (42). Die Durchholzerin holt den Gelben Sack aus der Tonne. Mitarbeiter der Müllabfuhr der Stadt Witten haben die Säcke nicht mitgenommen.
So einfach könnte es sein, findet Dr. Eva Schramm (42). Die Durchholzerin holt den Gelben Sack aus der Tonne. Mitarbeiter der Müllabfuhr der Stadt Witten haben die Säcke nicht mitgenommen.
Foto: Funke Foto Services
Zum Schutz vor Ratten stellen Durchholzer Gelbe Säcke im Behälter an die Straße. Stadt lässt sie meist stehen. Zusatz-Service werde nicht bezahlt.

Witten..  An der Hohen Egge im hintersten Winkel von Durchholz sagen sich Hase und Igel nicht nur sprichwörtlich gute Nacht, sie leben dort tatsächlich in freier Wildbahn. Eine Schattenseite der Idylle: Katzen, Krähe und Ratten fleddern dort allzu gerne die am Straßenrand liegenden Gelben Säcke.

„Der verstreute Müll wird dann nicht nur auf die Straße, sondern auch auf die angrenzenden Weiden geweht, wo er von den Pferden und Schafen aufgenommen werden kann“, sagt Anwohnerin Dr. Eva Schramm (42). Die Schramms haben zur Selbsthilfe gegriffen. Wie viele Bewohner im ländlichen Witten, haben sie sich einen Behälter besorgt, um die Gelben Säcke zu lagern.

Ihre graue Tonne mit gelbem Deckel stellen sie am Abholtag brav an den Straßenrand. „Unsere Tonne wird von den Mitarbeitern der Abfallentsorgung aber häufig ignoriert, auch wenn die Gelben Säcke deutlich sichtbar sind“, beklagt Eva Schramm. Die Säcke würden dann nicht mitgenommen. Dasselbe beobachte sie in der Nachbarschaft. Ehemann Dr. Klaus Schramm (47) hat dafür kein Verständnis. „Es kann doch nicht sein, dass sich der Bürger immer mehr in Eigenregie um Mülltrennung und Umweltschutz kümmert, die Stadt aber den Umwelt- und Tierschutzgedanken hintenan stellt.“ Der zusätzliche Aufwand sei doch sehr gering. „Inzwischen hat es unser sechseinhalbjähriger Sohn geschafft, den Gelben Sack auch ohne Schutzkleidung unversehrt aus dem Behälter zu nehmen.“

Betriebsamtsleiter Hans-Georg Rentrop weiß, dass viele Wittener darüber den Kopf schütteln. Man dürfe aber nicht nur den Einzelfall betrachten, sagt er. „Wenn wir dem einen helfen, müssten wir auch allen anderen helfen.“ Hochgerechnet käme aber einiges zusammen: „Ein Fahrzeug ist nur mit einem Fahrer und einem zweiten Mann besetzt. Auf einer Tour kommen sieben Tonnen Gewicht zusammen. Der Mitarbeiter sammelt da zwischen 3500 und 4000 Säcke ein.“ Bei dieser Menge reiche die heutige Mannschaft nicht, um die Säcke auch noch aus Tonnen oder Gitterboxen herauszuholen. Die Stadt könne aber nicht einfach ihren logistischen den Aufwand erhöhen und dafür kassieren, so Rentrop. Schließlich habe der Gelbe Sack ja gar nichts mit den Müllgebühren zu tun.

Die Gelben Säcke werden über den Grünen Punkt und das Duale System Deutschland (DSD) finanziert. Generalübernehmer im EN-Kreis ist die AHE – als Subunternehmer der AHE holt die Stadt Witten die Säcke an der Straße ab. Die einst auskömmlichen Konditionen seien aber immer schlechter geworden, so Rentrop. „Wir wirtschaften schon jetzt hart an der Grenze, fünf Arbeitsplätze hängen bei uns daran. Unser Ziel ist es, hier gerade mal eine schwarze Null zu fahren.“ Natürlich könnte die Stadt den Bürgern beim Gelben Sack mehr Service bieten, so Rentrop: „Aber das bekommen wir vom Dualen System nicht bezahlt.“

Duales System finanziert nur den „kleinen Service“

Das Duale System Deutschland schreibt die Erfassung der Leichtverpackungen europaweit aus. Den Zuschlag für den EN-Kreis hat aktuell die AHE . Ausgeschrieben ist der „kleine Service“ – Einsammeln am Straßenrand. In den anderen EN-Städen holt die AHE selbst die Säcke ab, bietet dabei den Wittener Standard.
Den „großen Service“ bietet die Stadt Witten bei den Restmülltonnen – gebührenfinanziert.

Gelbe Tonnen wären teurer, so die AHE: Sie müssten angeschafft werden, bräuchten Platz, der Entsorger müsste Kipp- statt Sammelfahrzeuge einsetzen. Verwechselt würden sie oft mit Wertstofftonnen wie in Dortmund, in die man auch beispielsweise eine Bratpfanne werfen darf. Gelbe Säcke seien wirtschaftlicher. Die „großen Wertstofftonnen“ im EN-Kreis seien die beiden Umladestationen .

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